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Erfreuliche Konjunkturdaten: Dow Jones beendet Durststrecke

Zielsicher erreicht der Dow Jones seinen ersten Tagesgewinn nach fünf Handelstagen mit Verlusten. Befeuert wird der Kurs durch die brummende US-Konjunktur, die zur Job-Fabrik wird.

Nach fünf Handelstagen mit Verlusten hat sich die Wall Street am Mittwoch mit Aufschlägen zurückgemeldet. Beim jüngsten Hauptbelastungsfaktor, dem fallenden Ölpreis, setzte eine gewisse Beruhigung ein, obwohl sich fundamental nichts getan hatte. Gestützt wurde der Aktienmarkt auch von der Hoffnung auf ein beherztes Vorgehen gegen die immer deutlicher werdenden Deflationstendenzen in der Eurozone. Denn erstmals seit gut fünf Jahren fiel die Jahresinflation hier negativ aus. Dies dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) unter zusätzlichen Druck setzen, ihre Politik weiter zu lockern. Eine lockere Geldpolitik wirkt in der Regel als Treiber von Aktienkursen.

Der Dow-Jones-Index gewann 1,2 Prozent auf 17.585 Punkte. S&P-500 und Nasdaq-Composite legten um 1,2 bzw. 1,3 Prozent zu.

"Die niedrigen Inflationsdaten in Europa treiben die Aktienmärkte dort und treffen auf einen überverkauften Markt in den USA", sagte Marktstratege Quincy Krosby von Prudential Financial. Dazu gesellten sich recht positive Arbeitsmarktdaten aus den USA, die jedoch nicht unbedingt nach Zinswende verlangten. Denn laut Arbeitsmarktdienstleister ADP wurden im Dezember etwas weniger neue Stellen geschaffen als erwartet. Gleichwohl blieb der Beschäftigungsaufbau robust, Krosby sprach von einer "gesunden" Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Die Daten standen im Fokus, weil am Freitag der offizielle Bericht ansteht und die US-Notenbank den Arbeitsmarkt zu einer Entscheidungsgrundlage auserkoren hatte. Das Protokoll der vergangenen Fed-Sitzung lieferte dagegen nicht viel Neues: "Die Aussagen passen zu den bereits im Dezember gemachten Verlautbarungen", sagte Rentenhändler Thomas Roth von Mitsubishi UFJ Securities USA. Allerdings merkten einige Marktteilnehmer an, dass besonders die Risiken durch die globalen Verwerfungen betont worden seien. Diese Einschätzung wurde aber nur am Devisen- und Rentenmarkt geteilt, die Wall Street reagierte nicht.

Derweil sorgten aktuelle Daten zu den Ölvorräten der USA für etwas Ratlosigkeit. Immerhin schien der Preisverfall der vergangenen Tage zunächst gestoppt zu sein. US-Leichtöl der Sorte WTI erholte sich leicht um 1,5 Prozent auf 48,65 US-Dollar je Fass. Zwar waren die US-Bestände in der vergangenen Woche statt des prognostizierten Anstieges stark gesunken, Entwarnung gaben Händler jedoch nicht. Denn die Vorräte an Benzin und Destillaten kletterten stattdessen sehr viel deutlicher als vorhergesagt. Offenbar lagert die US-Ölschwemme nun in Form von Verarbeitungsprodukten in den Depots. Entsprechend gerieten die Preise hier stark unter Druck. Während der Dieselpreis auf den tiefsten Stand seit September 2009 fiel, war Benzin so billig wie zuletzt im März 2009.

Der Preis für europäisches Referenzöl der Sorte Brent hinkte der Entwicklung am Rohölmarkt mit einem mageren Aufschlag von 0,1 Prozent auf 51,15 Dollar klar hinterher. Die Opec hatte gewarnt, sollte Brent die 50-Dollarmarke nicht halten können, drohe kurzfristig ein Absturz bis auf 45 Dollar. Im Verlauf war Brent erstmals seit fünfeinhalb Jahren unter diese Marke gerutscht.

Der Dollar neigte im späten US-Handel nach Veröffentlichung des Fed-Protokolls etwas zur Schwäche. Nach einem Neunjahreshoch zum Euro erholte sich letzterer bis auf 1,1834 Dollar, nachdem die Gemeinschaftswährung zwischenzeitlich bis auf 1,18 gesunken war. Übergeordnet lockte die Perspektive einer baldigen Zinserhöhung in den USA aber weiter Geld in den Dollarraum, die jüngsten Inflationsdaten aus dem Euroraum taten ihr Übriges. Gold gab ein wenig von den Gewinnen der letzten Tage ab. Die Feinunze verlor 0,5 Prozent auf 1.213 Dollar.

Nach einer Phase der Konsolidierung im Verlauf nahmen die Notierungen der US-Staatsanleihen im späten Geschäft ihren Höhenflug der vergangenen acht Tage wieder auf. Rentenhändler Larry Milstein von R.W. Pressprich & Co sah keine grundlegende Trendwende. Angesichts der vielen globalen Unwägbarkeiten dürften die US-Renditen bis auf Weiteres niedrig bleiben. Außerdem, so die Einschätzung im Handel, habe es die Fed mit der Zinswende ganz offensichtlich nicht eilig, hieß es mit Blick auf das Sitzungsprotokoll. Die Rendite zehnjähriger US-Titel ermäßigte sich um einen Basispunkt auf 1,95 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit Mai 2013.

Am Aktienmarkt beeindruckte T-Mobile US im vierten Quartal mit einem kräftigen Kundenzuwachs, die Papiere rückten um 5,1 Prozent vor. Die Wettbewerbertitel von Verizon und AT&T stellten dagegen im Dow die größten Verlierer und gaben 1,8 bzw. 1,3 Prozent ab. Intel zogen um 2,1 Prozent an, nachdem der Halbleiterkonzern neue Technik für tragbare Anwendungen präsentiert hatte. J.C. Penney sprangen um über 20 Prozent nach oben. Nachdem das Weihnachtsgeschäft gut gelaufen war, zeigte sich der Kaufhausbetreiber optimistisch, im vierten Quartal das obere Ende seiner Umsatzprognosespanne erreicht zu haben.

Monsanto übertraf im November-Quartel die Markterwartungen, trotz eines schwachen Ausblick legten die Titel des Agrakonzerns um 0,8 Prozent zu. Micron lagen dagegen 2,3 Prozent im Minus. Der Halbleiterhersteller hatte zwar Umsatz und Margen verbessert, doch hatten Analysten beim Umsatz mehr erhofft. Übernahmefantasie trieb die Papiere von Campbell Soup und PepsiCo um 4,4 bzw. 2,9 Prozent. Die brasilianische Investmentgesellschaft 3G Capital Partners könnte Interesse an den beiden Unternehmen haben, berichtete das Wall Street Journal.

Der Arzneimittelhersteller Eli Lilly lag mit seiner Umsatz- und Ertragsprognose erstmals seit 2012 unter den Erwartungen, die Aktie büßte 0,7 Prozent ein. Der Einzelhändler Wet Seal schließt Ladengeschäfte, Anleger zeigten sich erleichtert, die "Pennystock"-Aktie katapultierte um 130 Prozent nach oben.

Quelle: n-tv.de

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