Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Ölpreisverfall verscheucht Anleger: Dow Jones lässt kräftig Federn

Investoren halten sich auch zum Wochenschluss zurück. Zu groß sind angesichts des fallenden Ölpreises die Sorgen, dass die Weltwirtschaft ins Stottern kommt. Stark präsentieren sich an der Wall Street die Konsumwerte.

Mit erneut hohen Verlusten hat die Wall Street eine extrem schwache Börsenwoche beendet. Im Brennpunkt stand der fallende Ölpreis, der Aktien mit sich nach unten riss. Am Freitag ist der Preis für Öl einmal mehr auf ein Fünfjahrestief abgerutscht.

Der Dow-Jones-Index verlor 1,8 Prozent auf 17.285 Punkte. Mit einem Minus von 3,8 Prozent war es der größte Wochenverlust seit September 2011. Der S&P-500 fiel 1,6 Prozent auf 2002 Punkte und der Nasdaq-Composite verzeichnete ein Minus von 1,2 Prozent auf 4654 Punkte.

Am Markt herrscht keine Einigkeit, was der Verfall des Ölpreises für die globale Konjunktur bedeutet. Analyst Fawad Razaqzada von FOREX.com sagte, der Markt sehe eher die möglichen Kosten als die Vorteile eines fallenden Ölpreises. Er verweist auf den Deflationsdruck, der sich in Volkswirtschaften wie Japan oder der Eurozone verschärfen würde. In der Folge bestünde Rezessions- oder sogar Depressionsgefahr. Auch neue Preisdaten aus den USA befeuerten die Sorge vor Deflation.

Die Credit Suisse sagte dagegen, der niedrige Ölpreis werde vor allem in Japan und Kontinentaleuropa wie eine Steuersenkung für die Verbraucher wirken. Und Fitch Rating rechnet vor, dass ein Fall der Ölpreise um 20 Prozent das weltweite Wachstum in den kommenden beiden Jahren um 0,3 Prozent treibt.

Colin Cieszynski, Marktanalyst von CMC Markets, erinnert an die rasante Aktien-Rally der vergangenen Monate. Sie zeige nun Ermüdungserscheinungen: "Der Ölpreis liefert den Grund für den Ausverkauf. Aber wäre es nicht das Öl gewesen, hätte man einen anderen Grund gefunden." Am Berichtstag waren es auch schwache chinesische Wachstumsdaten, die zusätzlich drückten.

Die US-Anleihen standen bei den Investoren weiter hoch im Kurs. Mit dem schwachen Aktienmarkt gewannen die Sicherheit versprechenden Titel wieder Attraktivität. Die Rendite zehnjähriger Papiere sank um neun Basispunkte auf 2,10 Prozent.

Am Devisenmarkt ging es weiter volatil zu. Nach dem Rückgang am Donnerstag erholte sich der Euro wieder und kostete 1,2458 Dollar. Nach Einschätzung von Morgan Stanley könnte der Dollar kurzfristig stärker nachgeben. Die Analysten glauben, dass ein Anleihekaufprogramm der EZB bereits weitgehend eingepreist ist. Mittelfristig dürfte der Euro aber wieder seinen Abwärtstrend aufnehmen. Ende 2015 erwartet Morgan Stanley ihn bei 1,12 Dollar.

Der Goldpreis zeigte etwas leichter. Für die Feinunze mussten 1221 Dollar bezahlt werden und damit 3 Dollar weniger als am Donnerstagabend. Am Vortag hatte nach den guten US-Einzelhandelsumsätzen die Nachfrage nach dem "sicheren Hafen" Gold etwas nachgelassen.

Konsumwerte zeigten relative Stärke. Der Markt hofft, dass der billige Ölpreis andernorts Kaufkraft schafft. Außerdem fielen Daten der Uni Michigan zum Verbrauchervertrauen unerwartet stark aus. Stärkste Werte im Dow waren Wal-Mart, Walt Disney, McDonald's und Home Depot.

Bei den Einzelwerten standen die Aktien von Adobe im Blickpunkt. Der Software-Hersteller greift bei der Bildagentur Fotolia zu. Das Unternehmen will dafür rund 800 Millionen Dollar hinblättern. Zugleich präsentierte Adobe besser als erwartet ausgefallene Quartalszahlen und ein starkes Wachstum seiner "Creative Cloud"-Dienstleistungen. Der Börse gefielen Zahlen und Übernahme. Die Aktie legte 9 Prozent zu.

Für United Technologies ging es dagegen 1,6 Prozent nach unten. Hier belasteten die Prognosen für 2015, die unter den Erwartungen der Analysten geblieben sind. Die Papiere von Delta Air Lines gaben 1,3 Prozent nach und tendierten damit etwas bessre als der Markt. Die Fluggesellschaft sagte, der niedrige Ölpreis werde den Gewinn im kommenden Jahr nach oben treiben.

Die Aktien des Sportkamerabauers GoPro erholten sich um 0,8 Prozent. Die Aktie war in den vergangenen Wochen unter Druck gekommen, weil das Ende der Lockup-Periode am 23. Dezember ansteht. Dann könnten Altaktionäre den Markt mit Aktien fluten.

Quelle: n-tv.de

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