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"Die Märkte sind nervös und das ist verständlich."
"Die Märkte sind nervös und das ist verständlich."(Foto: REUTERS)

Kriegsrisiken und schwache Job-Daten: Dow hängt knapp unter 15.000

Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für August bringt den Anlegern an der New Yorker Wall Street nicht die erhoffte Klarheit: Der drohende Militärschlag gegen Syrien mischt sich mit neuen Spekulationen um den Beginn des Fed-Exits.

Die Wall Street hat am letzten Handelstag der Woche unter dem Eindruck der Syrien-Krise ohne klare Richtung geschlossen. "Die Märkte sind nervös und das ist verständlich", sagte Joseph Tanious von JPMorgan Asset Management in New York. Die USA sehen nach den gescheiterten Bemühungen um eine gemeinsame Haltung zu Syrien keine Alternativen mehr zu einem allein geführten Militärschlag gegen das Regime in Damaskus. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, sagte, alle Alternativen zu einem militärischen Vorgehen seien erschöpft. Händler reagierten verunsichert auf die Äußerungen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,1 Prozent auf 14.922 Punkte nach. Im Handelsverlauf bewegte sich das Marktbarometer zwischen 14.789 und 15.009 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legte mit einem hauchdünnen Aufschlag von 0,03 Prozent auf 1655 Punkten nur minimal zu. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq notierte zuletzt ebenfalls unverändert bei 3660 Punkten. Im Wochenvergleich legte der Dow 0,8 Prozent, der S&P 1,4 Prozent und der Nasdaq zwei Prozent zu. In Frankfurt verabschiedete sich der Dax mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 8275 Punkten ins Wochenende.

Der lange mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für August hat den Aktien-Anlegern am Freitag an der Wall Street keine Klarheit gebracht. Da die Daten etwas schwächer ausfielen als erwartet, rechnen viele Teilnehmer nun mit einem weniger drastischen Schwenk in der US-Geldpolitik. Allerdings waren nach Meinung von Experten die Zahlen nicht so schwach, dass eine frühe Drosselung der Wertpapierkäufe nun gänzlich vom Tisch ist.

Die Spekulationen auf eine Fortsetzung der US-Geldschwemme hatten den Börsen im frühen Geschäft noch Auftrieb gegeben. Nach der Veröffentlichung eines überraschend schwachen Stellenzuwachs im August setzte sich die Meinung durch, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihren expansiven geldpolitischen Kurs zunächst wohl beibehalten wird. Laut offiziellem Arbeitsmarktbericht schuf die US-Wirtschaft im August etwas weniger Stellen als erwartet. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg lediglich um 169.000. Im Vorfeld befragte Ökonomen hatten im Schnitt mit 180.000 gerechnet. Die separat berechnete Arbeitslosenquote hingegen sank im August auf 7,3 von 7,4 Prozent.

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Erste Reaktionen von Fed-Repräsentanten sorgten für zusätzliche Unsicherheit. So hat die Präsidentin der Fed-Filiale von Kansas City, Esther George, eine Senkung der Käufe im September auf 70 Milliarden Dollar vorgeschlagen. In der ersten Jahreshälfte 2014 solle dann das Programm ganz auslaufen. George gilt als Vertreterin eines harten geldpolitischen Kurses.

Analysten der US-Großbank Goldman Sachs gehen ebenfalls davon aus, dass es bereits im September zu einer Reduzierung der Käufe kommt, allerdings nicht im ursprünglich erwarteten Maß. Am Markt habe sich die Überzeugung verbreitet, die Notenbank werde die monatlichen Käufe von zuvor 85 auf 65 Milliarden Dollar senken, hieß es.

Anleihen, Öl und Gold reagierten stark auf die neuen Entwicklungen. Bei den Treasurys kam es zu einer markanten Erholung, nachdem die zehnjährigen Papiere im asiatische Geschäft erstmals seit über zwei Jahren mit mehr als drei Prozent rentierten. Angesichts der attraktiveren Renditen kamen Käufer in den Markt, so dass die Renditen auf 2,93 Prozent fielen. Die rückläufigen Renditen lockten zwischenzeitlich auch wieder mehr Käufer in den Aktienmarkt.

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Der Preis für Gold reagierte zunächst negativ auf die US-Daten, dann setzte sich die Erkenntnis durch, dass diese keine massive Drosselung der Anleihekäufe nahelegen. Nach einem Tief bei 1358 Dollar je Feinunze erholte sich der Preis auf 1389 Dollar. Auch die Verschärfung in der Syrien-Krise stützte den Preis. Ähnlich Bewegungen zeigten sich beim Rohöl, das mit dem Konflikts massiv nach oben lief. Der Preis stieg auf 110,53 Dollar je Fass der Sorte WTI, das war ein Plus von 21,6 Dollar oder zwei Prozent und zugleich der höchste Stand seit 28 Monaten.

Der Euro erholte sich etwas von seinen jüngsten Schwächeanfällen. Nachdem er am Freitagmorgen nahe an die Marke von 1,31 Dollar fiel, stieg er am Nachmittag und notierte schließlich um 1,3170 Dollar.

Nur wenige Einzelwerte ragten aus dem Marktgeschehen heraus: Der Funkmasten-Betreiber American Tower kauft für 4,8 Milliarden Dollar den Konkurrenten Global Tower Partners. Die Aktie von American Tower stieg daraufhin um mehr als 4 Prozent.

Die Papiere von Timken gewannen mehr als 2 Prozent. Der Vorstand stimmte bereits am Vortag einem Plan zu, wonach das Stahlgeschäft nun vom Rest des Konzerns abgespalten wird.

Die Aktien von Quiksilver schossen 32 Prozent in die Höhe auf 6,85 Dollar. Dank Einsparungen hatte der für seine Skater- und Surfer-Bekleidung bekannte Modekonzern mehr Gewinn gemacht, als am Markt erwartet worden war.

Mit der Apple-Aktie ging es 0,6 Prozent aufwärts. Mit Interesse wurde am Markt ein Bericht aufgenommen, dass der iPhone-Hersteller demnächst Geräte mit einem größeren Schirm anbieten will. Damit könnten etwa Samsung Kunden abspenstig gemacht werden.

Für die Aktien von Smith & Wesson ging es dagegen 10 Prozent nach unten. Der Handfeuerwaffenanbieter überzeugte zwar mit den Ergebnissen für das erste Quartal, doch der Ausblick blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der Einzelhandelskonzern J.C. Penney begräbt laut Medienberichten die Marke "Martha Stewart" wegen schwacher Umsätze, die Aktie gewann 0,4 Prozent.

Im Dow legten Johnson & Jonson um 0,1 Prozent zu. Der Pharmakonzern treibt den Verkauf seines Diagnostikgeschäfts offenbar voran. Das Unternehmen verhandele derzeit mit mehreren potenziellen Interessenten über das Geschäft mit Bluttests, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen. Sie beziffern den Wert der Sparte auf rund fünf Milliarden US-Dollar.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 670 Millionen Aktien den Besitzer. 1691 Werte legten zu, 1242 gaben nach und 124 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1.71 Milliarden Aktien 1210 im Plus, 1298 im Minus und 101 unverändert.

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Quelle: n-tv.de

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