Wirtschaft
Zinsangst: US-Händler sind weit weg von Euphorie.
Zinsangst: US-Händler sind weit weg von Euphorie.(Foto: REUTERS)

Dax muss wieder kräftig einstecken: Dow ignoriert exzellente Arbeitsmarktdaten

Extrem gute Arbeitsmarktdaten sind den Anlegern in den USA nicht genug - zu groß ist die Angst vor der Reaktion der Fed. Auch die Griechenland-Krise hilft dem Dow nicht. Zu viele negative Impulse lassen zudem den Dax weiter einbrechen.

Die Kurse an der Wall Street haben trotz eines guten Arbeitsmarktberichtes etwas nachgegeben. Der Dow Jones Industrial weitete seine Vortagesverluste etwas aus und gab um 0,31 Prozent auf 17.849,46 Punkte nach. Auf Wochensicht ergibt dies ein Minus von 0,90 Prozent. Für den marktbreiten S&P-500-Index ging es am Freitag um 0,14 Prozent auf 2092,83 Punkte nach unten. Der Nasdaq-100-Index verlor 0,22 Prozent auf 4477,19 Punkte.

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Anleger an der Wall Street taten sich vor allem mit der Interpretation extrem guter Arbeitsmarktdaten schwer. Einerseits sandte der Arbeitsmarktbericht ein starkes Konjunktursignal aus. Andererseits sprach genau dieses für eine baldige Zinserhöhung durch die US-Notenbank - und dies fürchten Investoren wie der Teufel das Weihwasser. Daher erstickten die Daten jede Form von Euphorie an der Wall Street schon im Keim und schickten zugleich die Rentennotierungen auf Talfahrt.

Erschwert wurde die Einordnung der Daten dadurch, dass der US-Arbeitsmarkt im Mai etwas widersprüchliche Signale lieferte. Einem unerwartet deutlichen Anstieg der Beschäftigung stand ein überraschender, wenn auch nur leichter Anstieg der separat ermittelten Arbeitslosenquote gegenüber. Zugleich beschleunigte sich der Anstieg der Stundenlöhne, was auf eine gute Nachfrage nach Arbeitskräften hindeutete. Chefhändler Larry Weiss von Instinet brachte es auf den Punkt: "Es ist ein Tauziehen zwischen Konjunkturerholung und Fed."

Dollar gewinnt klar

Wenig freundlich zeigten sich die Vorgaben aus Europa, wo das Hickhack um das griechische Schuldendrama einfach nicht endet. Nachdem das Krisenland seine im Juni an den IWF fälligen Schulden zum Monatsende gebündelt und damit die eigentlich fällig gewordene Zahlung nicht geleistet hatte, zeigte sich der griechische Ministerpräsidenten Alexis Tsipras bei einer Sondersitzung des Parlaments in Athen mal wieder optimistisch, eine Einigung mit den Geldgebern in Kürze herbeizuführen. Dieser Optimismus fand jedoch kaum Widerhall bei den Gläubigern. Die Sorgen seien keineswegs kleiner geworden, hieß es im Handel.

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Am US-Finanzmarkt avancierte der Dollar zum klaren Gewinner nach seinem Schwächeanfall des Vortages. Mit der Spekulation über bald steigende Zinsen startete die Währung durch. Der Euro fiel im Gegenzug unter die Marke von 1,11 Dollar nach einem Tageshoch von 1,1290 Dollar zurück. Im späten US-Geschäft erholte er sich leicht auf 1,1116 Dollar. Gegenüber dem japanischen Yen sprang der Dollar auf den höchsten Stand seit 13 Jahren.

Goldpreis sinkt, Öl steigt

Belastet von der Stärke des Dollar und den Zinsspekulationen ging es am Goldmarkt talwärts auf den annähernd niedrigsten Stand seit drei Monaten. An der Comex ermäßigte sich der Preis für die Feinunze um 0,6 Prozent auf 1.168,10 Dollar. Im späten US-Handel kostete das zinslose Edelmetall nach dem Settlement 1.171 Dollar.

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Die Ölpreise zeigten sich hoch volatil und bildeten lange Zeit keine klare Richtung aus. Neben der Dollarstärke wurden die Notierungen auch von der Opec bewegt. Das Erdölkartell hatte beschlossen, die Förderquoten konstant zu halten. Dies kam zwar nicht unerwartet, doch schwirrten zuvor Gerüchte umher, dass es zu einer Produktionsausweitung kommen könnte, weshalb die Ölpreise letztlich anzogen. Zugleich verringerte sich die Anzahl der aktiven Bohrlöcher in den USA die 26. Woche in Folge. Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI kletterte um 1,9 Prozent auf 59,13 Dollar. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent verteuerte sich um 2,1 Prozent auf 63,31 Dollar. Auf Wochensicht war Öl jedoch billiger zu haben.

Dax auf zwischenzeitlichem Tiefstand

Der deutsche Leitindex verabschiedete sich mit deutlichen Verlusten aus einer mauen Handelswoche. Er fiel um 1,3 Prozent auf 11.197 Punkte. In den vergangenen vierzehn Tagen hat der Dax damit rund 600 Punkte eingebüßt. Sein zwischenzeitlicher Tiefststand bei 11.155 Punkten markiert zugleich den niedrigsten Stand seit dem 23. Februar. "Kippt die 11.200 nachhaltig, müssen sich Investoren sogar schon bald wieder mit einem Dax auf dem Weg Richtung 10.000 vertraut machen", kommentierte Benjamin Feingold von Feingold Research gegenüber n-tv.de den Kursverfall.

Die derzeit starken Schwankungen am Markt rühren laut Feingold von einem "Mix aus Griechenlandsorgen, US-Konjunkturdaten, Zinsdiskussionen und - wie in China - überhitzten Aktienmärkten". Mario Draghi und die EZB hätten deutlich gemacht, dass sie diese Schwankungen hinnehmen werden und die gemütliche Zeit am Zinsmarkt vorbei ist. Dies werde, sagte Feingold, auch kommende Woche für deutliche Ausschläge bei Bund-Future, Dax und Euro sorgen. "Solange die Ausschläge gepaart mit Angst erfolgen, wird die Dax-Ampel nicht auf grün springen."

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Wie bereits gestern belasteten auch heute Verluste bei den Bundesanleihen den Aktienmarkt: Die Rendite stieg bis am Nachmittag um bis zu 7 Basispunkte auf 0,91 Prozent, kamen danach aber zurück und lagen am späten Nachmittag nahezu unverändert. Auslöser für die anfänglichen Verkäufe waren bessere Auftragseingänge in Deutschland, die um 1,4 Prozent stiegen. Das war wesentlich höher als die Erwartung der Volkswirte von 0,5 Prozent. Dazu noch wurde auch der Vormonatswert nach oben revidiert. Für Aktien sind dies prinzipiell gute Nachrichten, nicht jedoch für Bonds.

Für Belastung sorgte auch Griechenland: Anders, als vom griechischen Premier Tsipras behauptet, hat das Land alle im Juni fälligen Zahlungen an IWF nun doch gebündelt. Das bedeutet, dass die am Freitag fällige Kredit-Tranche über 300 Millionen Euro nicht bezahlt wird. Griechenland steht damit in einer Reihe mit Sambia, dass die Möglichkeit zur Bündelung von Krediten bereits 1980 genutzt hatte. Insgesamt muss Griechenland diesen Monat rund 1,5 Milliarden Euro an den IWF zahlen. Die Verschiebung der Zahlung könnte aber auch eine taktische Finte darstellen.

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Die Societe Generale betonte, er müsse sich dort auf heftigen Widerstand aus den eigenen Reihen einstellen. Athen könnte mit der Verschiebung ein starkes Signal an Brüssel senden, dass es die Forderungen der Gläubiger in dieser Form nicht erfüllen will. Für die Märkte heißt dies vor allem, dass die Volatilität weiterhin hoch bleiben wird.

Deutschland: Autowerte sind große Verlierer

Neben dem Minus des Dax zeigte auch der MDax eine negative Entwicklung und fiel um 1,3 Prozent auf 20.006 Zähler. Der TecDax wies einen Abschlag von 1,4 Prozent auf und fiel auf 1668 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 verlor 1,2 Prozent auf 3513 Punkte.

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Hauptverlierer waren erneut die Autowerte. Ihre hohe Index-Gewichtung lastete besonders auf dem Dax. BMW fielen um 0,7 Prozent und sanken zum ersten Mal seit Februar unter die 100-Euro-Marke. Auch Daimler und VW verloren zwischen 1,3 und 1,7 Prozent.

Deutsche Bank schnitten ebenfalls schwach ab. Händler verwiesen auf einen Bericht, dem zufolge die Bank in Russland in Geldwäschegeschäfte verstrickt sein könnte. "Die Bank kommt nicht zur Ruhe", sagte ein Händler. Kurs minus 1,7 Prozent.

Auf Unternehmensseite war die Nachrichtenlage ansonsten extrem dünn. Berenberg hatte die Airbus-Aktie weiter zum Kauf empfohlen und das Kursziel deutlich erhöht. Brachte aber nichts: Airbus verloren 1,6 Prozent.

Asien: Minus in Tokio, Plus in Shanghai

Die meisten asiatischen Aktienbörsen sind zum Wochenausklang den Abwärtstrend der Wall Street gefolgt. Für die zurückhaltende Stimmung der Anleger gab es im Wesentlichen zwei Gründe: zum einen die Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands, das heute vom IWF erstmals in der seit Jahren anhaltenden Finanzkrise einen Zahlungsaufschub erhielt. Außerdem belasteten enttäuschende Konjunkturdaten die US-Börsen. Die Produktivität der US-Wirtschaft ließ auch zum Jahresanfang nach. Die Investoren erwarteten zudem mit Spannung die ebenfalls heute anstehenden US-Arbeitsmarktzahlen.

Eine Fortsetzung ihrer Achterbahnfahrt erlebten die chinesischen Börsen. Im Handelsverlauf legten sie mehr als ein Prozent zu. Der SSE Composite Index in Shanghai notierte zuletzt 1,5 Prozent höher. In Tokio schloss der Leitindex Nikkei der 225 führenden Werte 0,13 Prozent im Minus bei 20.460 Punkten. Der breiter gefasste Topix ging mit einem Minus von 0,41 Prozent und 1667 Zählern aus dem Handel. Der MSCI-Index asiatisch-pazifischer Aktien außerhalb Japans lag 0,34 Prozent im Minus.

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Quelle: n-tv.de

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