Wirtschaft
Kein Kurstreiber: Donald Trump.
Kein Kurstreiber: Donald Trump.(Foto: imago/UPI Photo)
Mittwoch, 11. Januar 2017

Trotz Unruhe durch Trump: Dow nähert sich wieder der 20.000

Mit großer Spannung war an der Wall Street Donald Trumps Pressekonferenz erwartet worden. Doch der designierte US-Präsident sorgt mit seinen Äußerungen für eine volatile Stimmung am Markt. Zum Handelsende hin drehten die US-Indizes wieder ins Plus.

Die Wall Street hat zunächst verschreckt auf den Auftritt des künftigen US-Präsidenten Donald Trump reagiert. Aggressive Bemerkungen Trumps zu den Medikamentenpreisen sorgten vor allem für Druck auf die Pharmawerte. Börsianer sprachen von einer unruhigen Stimmung am Markt. Am Abend zogen die Indizes wieder an.

Von Trumps erster Pressekonferenz seit dem Wahlsieg Anfang November hatten die Investoren vor allem neue Hinweise erwartet, wie der neue Präsident das Wirtschaftswachstum forcieren will. Allein seine Ankündigung eines großangelegten Konjunkturprogramms hatte die US-Börsen auf Rekordhöhen getrieben. Zuletzt waren die Akteure aber vorsichtiger geworden. Mit ein Grund dafür ist die in Kürze beginnende Berichtssaison der Unternehmen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte nach zwischenzeitlichen Verlusten 0,5 Prozent zu und schloss bei 19.954 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,3 Prozent auf 2275 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 0,2 Prozent auf 5564 Stellen.

In New York standen Pharmawerte klar im Mittelpunkt. Auslöser war die scharfe Kritik Trumps an den Pharmafirmen. So warf er diesen vor, in ihren Preisforderungen an den Staat "über Leichen zu gehen". Dies werde sich unter seiner Regierung ändern. Gegen den Trend zulegen konnte der Pharmariese Merck, dessen Kurs 0,7 Prozent stieg. Er profitierte von einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde FDA, wonach diese eine Medikamentenkombination zur Behandlung von Lungenkrebs rasch prüfen will.

Zu den Verlierern gehörten auch die Aktien des Rüstungskonzerns Lockheed Martin, die 0,4 Prozent einbüßten. Auch hier äußerte Trump Kritik wegen seiner Ansicht nach zu hohen Kosten. Lockheeds Programm für den Kampfflieger F-35 liege weit hinter dem Zeitplan zurück und koste Milliarden mehr als ursprünglich veranschlagt. Auf der Gewinnerseite waren dagegen Energiewerte, die im Schnitt ein Prozent anzogen. Sie profitierten von steigenden Ölpreisen.

Deutschland: Dax klettert auf 17-Monatshoch

Anders in Frankfurt: Zur Wochenmitte der zweiten Börsenwoche ist es endlich geschafft: Der Dax durchbricht sein bisheriges Jahreshoch bei 11.637 Punkten nach oben und schraubt seinen Jahresbestwert auf 11.692 Zähler - ein 17-Monatshoch. "Es hat den Anschein, als setze man an der Wall Street voll auf Donald Trump", sagte ein Händler. Der Marktteilnehmer warnte allerdings: Das Enttäuschungspotenzial sei groß, das Risiko einer zumindest vorübergehenden scharfen Korrektur inklusive stark steigender Volatilitäten sei "durchaus vorhanden", unterstrich er.

Der Dax schloss 0,5 Prozent im Plus bei 11.646 Punkten. Am Dienstag war er leicht fester aus dem Handel gegangen. Der MDax verabschiedete sich 0,5 Prozent fester mit 22.364 Zählern. Der TecDax zog 0,7 Prozent auf 1847 Stellen an.

Trump und die Folgen

Unmittelbar nach seinem Wahlsieg gegen Hillary Clinton war Trump "präsidial" aufgetreten und hatte damit eine Rally an den Aktienmärkten ausgelöst. Der Dax eroberte die 11.000er Marke zurück und beendete das abgelaufene Jahr sogar mit einem leichten Aufschlag.

Danach sorgte Trump mit einzelnen Äußerungen über Twitter bei Einzelwerten und Sektoren für Kurskapriolen: So profitierten etwa Rohstoff- und Baustoffwerte von seinen Plänen eines Infrastrukturprogramms und eines angestrebten Mauerbaus an der Grenze zu Mexiko. Dagegen geriet vor allem Boeing nach Äußerungen Trumps zum Preis der neuen Air Force One unter Druck.

Für Schub am deutschen Aktienmarkt sorgte indes auch ein deutlich gefallener Euro. Der hatte jüngst binnen einer Woche rund 2 US-Cent zugelegt und damit vor allem Exportwerte hierzulande ausgebremst.

Dax: Autosektor bleibt im Fokus

Bei den Einzelwerten blickten die Anleger erneut auf die Autowerte, allen voran auf VW. Im Abgasskandal steht in den USA eine Einigung mit dem Justizministerium bevor, hieß es im Handel. Mehr als 20 Milliarden Dollar muss der Konzern demzufolge in den USA aufwenden. Der größte Brocken sei vom Eis, hieß es weiter. Gleichzeitig deuteten Aussagen von Unternehmensmanagern darauf hin, dass die Konzernspitze wissentlich den Skandal vertuschen wollte.

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VW gewannen mehr als 3 Prozent. Daimler zogen mehr als 1 Prozent an. BMW verbesserten sich 0,4 Prozent und Continental 1,3 Prozent.

Eon führen Gewinner an

RWE verteuerten sich 3,6 Prozent, gestützt von einer Hochstufung durch die Barclays Bank. Eon rückten 5,5 Prozent vor. Nach der "Financial Times" berichteten nun auch "Handelsblatt" und "Börsenzeitung", dass der aktivistische Investor Knight Vinke Eon dazu dränge, das Stromnetz abzuspalten. Eon waren der Topgewinner im Dax.

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Lufthansa beendeten den Handel kaum verändert. Der Billigflieger Ryanair hatte im abgelaufenen Jahr erstmals mehr Passagiere befördert als die Kranich-Airline und ihre Töchter. Die nackten Zahlen: etwa 117 Millionen gegenüber 110 Millionen Passagieren.

Deutsche Bank schlossen rund 2,5 Prozent fester. Börsianer hoffen, dass die Bank ihren Hypothekenvergleich mit dem US-Justizministerium zeitnah unter Dach und Fach bringen wird.

Europa: Es weihnachtet sehr

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Sainsbury-Aktien stiegen nach besseren Verkaufszahlen aus dem Weihnachtsgeschäft mehr als 6 Prozent. Wie Hargreaves Lansdown anmerkte, seien die flächenbereinigten Umsätze im dritten Quartal um 1 Prozent gestiegen. Positiv habe sich vor allem die jüngst übernommene Argos entwickelt - hier ging es mit den flächenbereinigten Umsätzen um 4 Prozent nach oben. Die Strategie von Sainsbury Preisnachlässe zu gewähren, scheine sich auszuzahlen. Zugleich warnte Hargreaves Lansdown, dass die Schwäche des Pfunds künftig niedrigere Margen und Gewinne für Sainsbury bedeuten wird.

Devisen: Euro, Peso und Lira sacken ab

Der Euro konnte die frühen Gewinne zum Dollar nicht halten. Am Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung deutlich zurück und unter die 1,05er Marke. Am Abend gewann sie allerdings wieder an Festigkeit und notierte zu US-Handelsschluss mit 1,0579 US-Dollar um 0,2 Prozent höher. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0503 Dollar fest nach 1,0567 Dollar am Dienstag und 1,0516 Dollar zum Wochenstart.

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Noch deutlicher unter Abgabedruck gerieten indes die türkische Lira und der mexikanische Peso. Trumps geplanten Strafzölle auf mexikanische Waren lassen den Peso schon seit längerer Zeit taumeln. Unklar ist bislang, was von seinen Plänen in welcher Härte Trump tatsächlich umsetzen will und kann. Ein Dollar war 21,8471 Peso wert, ein Rekordtief für die mexikanische Währung. Wegen der hohen Abhängigkeit Mexikos vom Handel mit den USA reagiert der Peso besonders stark auf die politischen Entwicklungen im nördlichen

Die türkische Lira sackte ebenfalls auf ein Rekordtief: Ein Dollar kostete bis zu 3,8951 Lira. Auch zum Euro war sie so schwach wie nie zuvor. Händler mussten für einen Euro zeitweise über 4 Lira hinblättern. Seit geraumer Zeit ist die türkische Währung vor allem wegen Terroranschlägen und der politischen Unsicherheit unter Druck.

Rohstoffe: Gegenbewegung mit Schwung

Nach den deutlichen Verlusten in der bisherigen Woche legte der Ölpreis zur Wochenmitte deutlich zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zu US-Handelsschluss 55,15 Dollar. Das waren 2,8 Prozent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 2,6 Prozent auf 53,06 Dollar.

Der Preisanstieg kam überraschend, denn die Rohöllagerbestände in den USA waren in der Woche zum 6. Januar kräftig gestiegen. Sie kletterten nach Angaben der staatlichen Energy Information Administration (EIA) um 4,079 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche. Analysten hatten lediglich ein Plus von 0,7 Millionen erwartet. In der Vorwoche hatten sich die Lagerbestände um 7,1 Millionen Barrel verringert. Bei den bereits am Dienstag veröffentlichten Daten des privaten American Petroleum Institute (API) war mit 1,5 Millionen Barrel ebenfalls eine Zunahme registriert worden.

Asien: Shanghai Composite fällt aus der Reihe

Bis auf die Börse in Shanghai präsentierten sich die Handelsplätze in Südostasien am Mittwoch mehr oder weniger ausnahmslos mit Aufschlägen. In Japan setzten Anleger auf sich auszahlende Investitionen in den USA, nachdem der Stimmungsindex für kleinere Unternehmen in den USA auf das höchste Niveau seit 2004 geklettert war und damit die Erwartungen übertroffen hatte. In Australien kam die Unterstützung vom Rohstoffsektor.

Der Nikkei-Index schloss 0,3 Prozent fester bei 19.365 Punkten. Der Shanghai Composite beendete den Handel 0,8 Prozent schwächer bei 3137 Zählern. Der S&P/ASX-200 zog an, auch der Kospi und der HSI verbuchten Gewinne.

Unter den Einzelwerten zogen in Tokio Toshiba rund 4 Prozent an. Laut Medienberichten wollen die Hauptgläubiger das Unternehmen weiterhin unterstützen. Der Konzern bereitet riesige Abschreibungen auf das US-Nukleargeschäft vor. In Sydney stützten Aufschläge im Rohstoffsektor: BHP Billiton, Fortescue Metals und Rio Tinto sprangen zum Teil über 4 Prozent nach oben. In Indien waren Stahlwerte gesucht, nachdem in Medienberichten von möglichen Schließungen chinesischer Stahlwerke die Rede gewesen war.

Quelle: n-tv.de

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