Wirtschaft
In den USA gewinnt die Wirtschaft an Kraft: "Aus makroökonomischer Sicht bleibt der US-Arbeitsmarkt eine wahre Freude."
In den USA gewinnt die Wirtschaft an Kraft: "Aus makroökonomischer Sicht bleibt der US-Arbeitsmarkt eine wahre Freude."(Foto: REUTERS)

"Eine wahre Freude": Dow schleicht ins Wochenende

Den ermutigenden Daten vom Arbeitsmarkt zum Trotz geht es an den New Yorker Aktienmärkten nur in kleinen Schritten nach oben. "Die Fundamentaldaten sehen nach einem Full House aus", meint ein Marktteilnehmer zweifelnd. Disney-Aktien geben kräftig nach.

Die US-Börsen haben sich angesichts gemischter Signale vom Arbeitsmarkt nur wenig vom Fleck bewegt. "Wir befinden uns in einem Pausenmodus, in dem die Kursgewinne der vergangenen Wochen verdaut werden", umschrieb ein Börsianer das Geschehen. Dennoch markierten der Dow-Jones-Index der Standardwerte und der breiter gefasste S&P 500 neue Allzeithochs. Ein höherer Ölpreis trieb vor allem Aktien aus dem Energiesektor an.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,1 Prozent höher bei 17.573 Punkten, nachdem er im Verlauf zwischen 17.493 und 17.575 Stellen gependelt war. Der breiter gefasste S&P-500 ging mit 2031 Stellen aus dem Handel, was ein Plus von 0,03 Prozent bedeutete. Der Composite-Index an der Technologiebörse Nasdaq gab 0,1 Prozent auf 4632 Zähler nach. Im Wochenvergleich verbesserte sich der Dow Jones um 1,1 Prozent, der S&P 500 um 0,7 und die Nasdaq um knapp 0,1 Prozent. Der Dax verlor 0,9 Prozent auf 9291 Punkte und damit auf Wochensicht 0,4 Prozent.

Den wichtigsten Impuls des Tages lieferten die Daten aus dem Job Report: Laut offiziellem Regierungsbericht zur Lage am US-Arbeitsmarkt wurden im Oktober in den USA nur 214.000 neue Jobs geschaffen - Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von 231.000 gerechnet. Allerdings sank die Arbeitslosenquote auf 5,8 Prozent, den tiefsten Stand seit Juli 2008. Die Erholung am US-Arbeitsmarkt setzt sich damit im Oktober mit robustem Tempo fort.

Analysten zufolge reichten die Daten nicht aus, um die Kurse deutlich nach oben zu bringen, schürten aber auch keine Zweifel an einer grundsätzlichen Erholung. "Man muss einfach auf die Konjunktur setzen", erklärte David Kelly von JPMorgan Funds. "Die Fundamentaldaten sehen nach einem Full House aus: Die Bilanzen sind wirklich solide, wir wachsen mit einem schönen Tempo und das Vertrauen hat sich verbessert."

"Aus makroökonomischer Sicht bleibt der US-Arbeitsmarkt eine wahre Freude", bestätigte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Vaduz. "Damit dürfte auch die US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen auf ihrem soliden Erholungskurs bleiben."

Allerdings, so gab er zu bedenken, könnte dies auch die US-Notenbank Fed mit ihrer geplanten Zinsanhebung eher früher als später auf den Plan rufen. Auch sein Kollege Paul Ashworth von Capital Economics schlug in diese Kerbe: Die insgesamt starken Daten implizierten, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen früher als erwartet anheben könnte, schrieb er und rechnet mit einem ersten Schritt bereits im März 2015.

Eines der Bremsklötze an der Wall Street waren die Aktien von Walt Disney mit einem Minus von 2,2 Prozent. Ursache war ein Gewinnrückgang beim Sportkanal ESPN. Die Anteilsscheine von Abercrombie & Fitch stürzten um knapp 17 Prozent ab, weil der Modekette die Kunden weglaufen und das Geschäft deshalb im abgelaufenen Quartal deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb.

Zu den stärkeren Energiewerten gehörten Chesapeake mit einem Plus von drei Prozent. Auch Newfield legten dank des höheren Ölpreises mehr als drei Prozent zu.

Kräftige Gewinne verbuchten Aktien aus der Spielebranche. Trotz weiterer Verluste legten etwa die Anteilsscheine von Zynga um knapp 3 Prozent zu. Der Nettoverlust des Onlinespiele-Entwicklers war nicht ganz so hoch wie erwartet ausgefallen. Die Papiere von King Digital Entertainment verteuerten sich um 4 Prozent. Der Entwickler des Smartphone-Spiels "Candy Crush" hatte mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen.

Titel von Sears Holdings schnellten um 31 Prozent nach oben. Der Handelskonzern plant den Verkauf von 200 bis 300 Niederlassungen, die er dann zurückmieten will. Für First Solar ging es um fast 11 Prozent abwärts. Der Zulieferer für die Solarindustrie hatte mit einem schwachen Umsatz im abgelaufenen Jahresviertel enttäuscht.

Der Kurs des Euro stieg im US-Geschäft zuletzt auf 1,2453 Dollar, nachdem er im europäischen Mittagshandel noch unter 1,24 Dollar notiert hatte.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,77 Milliarden Aktien den Besitzer. 1869 Werte legten zu, 1188 gaben nach und 139 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,87 Milliarden Aktien 1321 im Plus, 1370 im Minus und 128 unverändert.

Am Rentenmarkt sorgten die Arbeitsmarkt-Daten für Kursgewinne. Der Bericht stärkte die Überzeugung einiger Investoren, dass die US-Notenbank noch mindestens bis Ende 2015 mit einer Zinserhöhung warten wird. Das zehnjährige Papier gewann 19/32 auf 100-19/32. Dadurch sank die Rendite auf 2,30 Prozent. Die 30-jährigen Titel legten 1-4/32 zu auf 101-24/32 und rentierten mit 3,04 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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