Wirtschaft
Einer sagt an, der andere haut in die Tasten: Abseits der Etat-Probleme sieht die Zukunft wieder rosig aus.
Einer sagt an, der andere haut in die Tasten: Abseits der Etat-Probleme sieht die Zukunft wieder rosig aus.(Foto: AP)

Gewinnserie an der Wall Street: Dow schließt auf 5-Jahreshoch

In den USA endet der erste Handelstag der verkürzten Börsenwoche mit deutlichen Kursaufschlägen: Kurz vor Bekanntgabe der IBM- und Google-Zahlen macht sich an den New Yorker Börsen plötzlich neue Zuversicht breit. Es geht eindeutig nach oben.

Nach einem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende blicken die Anleger an der New Yorker Wall Street auf einen neuen Höchstand: Der Dow-Jones-Index mit 30 prominenten Namen aus der US-amerikanischen Unternehmenslandschaft geht am Dienstag auf dem höchsten Stand seit Ende 2007 aus dem Handel.

Grund dafür waren nach einhelliger Meinung der Marktteilnehmer die Reihe solider Unternehmenszahlen, die überwiegend positiv aufgenommen worden seien. Der Dow-Jones-Index schloss 0,46 Prozent fester bei 13.712,13 Punkten. Von seinem im Oktober 2007 erzielten Rekordhoch in Höhe von 14.198,10 Punkten ist er damit nur noch rund 500 Punkte entfernt. Der breit gefasste S&P-500-Index stieg um 0,44 Prozent auf 1492,51 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq rückte der Composite-Index um 0,27 Prozent auf 3143,18 Punkte vor. Der Auswahlindex Nasdaq-100 legte um 0,11 Prozent auf 2746,19 Punkte zu. In Frankfurt hatte der Dax den Tag mit einem Abschlag von 0,7 Prozent auf 7696,21 Zähler beendet.

Beherrscht wurde der Handelstag an der Wall Street von den Zwischenberichten bekannter Großkonzerne: Der Chemiekonzern und BASF-Konkurrent DuPont hatte zwar im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres wegen eines deutlichen Nachfragerückgangs einen operativen Gewinneinbruch erlitten. Dennoch übertraf er mit seinen Ergebnissen aus dem Schlussquartal die Analystenschätzungen. Dem Konzern setzte die schwache Nachfrage nach Farben und die Krise in der Solarbranche zu. Der Nettogewinn fiel im vierten Quartal um 70 Prozent. Allerdings lag der Umsatz über den Erwartungen von Analysten. Dupont-Titel stiegen um 1,8 Prozent.

Ein ähnliches Bild bot der Versicherungskonzern Travelers, dessen Titel sich um 2,1 Prozent auf 77,95 US-Dollar verteuerten. Trotz eines deutlichen Rückgangs wegen des Wirbelsturms "Sandy" war der Quartalsgewinn besser als erwartet ausgefallen.

Die Aktien von Johnson & Johnson hingegen gaben um 0,7 Prozent nach. Der Konsumgüter- und Medizintechnikkonzern hatte zwar seinen Umsatz erwartungsgemäß gesteigert, verdiente aber weniger als noch vor einem Jahr. Experten hatten mit einem wesentlich höheren Gewinn gerechnet.

Die Anteilsscheine von Delta Air Lines kletterten um 2,8 Prozent nach oben. Die Fluggesellschaft hatte trotz eines Gewinnrückgangs die Analystenerwartungen erfüllt und will ihre Kapazitäten verringern, um so ihre Lohn- und Treibstoffkosten zu drücken.

Bei Boeing belastete, dass der Flugzeugbauer die Auslieferung seiner neuen "Dreamliner"-Flugzeuge gestoppt hatte. Zuvor hatten bereits Luftfahrtbehörden weltweit ein Startverbot für den Hoffnungsträger von Boeing verhängt, der mit einer Pannenserie für Aufsehen gesorgt hatte. Die Aktien fielen um 1,2 Prozent.

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Die in New York gelisteten Papiere des schwächelnden Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) schossen 13 Prozent in die Höhe nachdem der Firmenchef in einem Interview ankündigte, nach der Markteinführung des Blackberry 10 Ende des Monats strategische Allianzen mit anderen Firmen prüfen zu wollen.

Die überwiegend starken Unternehmensergebnisse verdrängten klar negative Nachrichten von der Konjunktur in den Hintergrund. Mit bedenklichen Gesichtern hatten Ökonomen am Morgen (Ortszeit) zum Beispiel die Daten aus dem US-Immobilienmarkt aufgenommen: Die Zahl der Verkäufe von bestehenden Häusern in den USA war im Dezember überraschend gefallen.

Doch kurz vor den frischen Quartalssignalen von Börsenschwergewichten wie IBM, Texas Instruments oder Google blieb das Augenmerk vieler Anleger auf die Geschäftsaussichten der Unternehmen gerichtet. Auf die Zahlen der drei Vorzeigekonzerne musste Anleger allerdings bis kurz nach Handelsschluss warten. In der Kernhandelszeit legten die Titel von IBM um 0,8 Prozent zu, während die von Google um 0,3 Prozent nachgaben.

Schon im Vorfeld der Ergebnispräsentation machte sich unter Anlegern Optimismus breit: Börsianer verwiesen auf zunehmend bessere Aussichten, dass sich die Weltwirtschaft zum Besseren entwickeln könnte. Belegen müssen das allerdings erst noch die anstehenden Zwischenberichte großer Konzerne in der laufenden Woche. Am Mittwoch und Donnerstag folgen zum Beispiel die beiden Technologieschwergewichte Apple und Microsoft.

Der Software-Riese Microsoft verhandelt laut US-Medienberichten über eine finanzielle Beteiligung an der Übernahme des Computer-Herstellers Dell. Den Dell-Titeln bescherten die Meldungen ein Plus von 2,1 Prozent, während die Papiere von Microsoft um 0,3 Prozent fielen.

Einige Anleger blieben skeptisch, ob sich die unsichere Wirtschaftslage nicht doch auf Gewinne und Umsätze niederschlage, erklärten Händler. Angesichts der Flut von Firmennachrichten geriet der US-Haushaltsstreit, der die Börsen in den vergangenen Wochen bestimmte, weiter in den Hintergrund.

Zuletzt hatte der Chipkonzern Intel die Anleger verunsichert. Der Konzern wird zunehmend von der PC-Müdigkeit der Verbraucher erfasst und will mit einem gewaltigen Investitionsplan den Anschluss an moderne Trends wie Smartphones und Tablets halten. Bei Apple gibt es Befürchtungen, dass sich das iPhone 5 offenbar doch nicht so gut verkauft, wie es der vielversprechende Verkaufsstart im September vermuten ließ.

An der New Yorker Börse wechselten rund 0,7 Mrd. Aktien den Besitzer. 2074 Werte legten zu, 913 gaben nach und 129 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,78 Mrd. Aktien 1538 im Plus, 926 im Minus und 124 unverändert.

Der Euro notierte im New Yorker Handel nach einer Berg- und Talfahrt zuletzt bei 1,3324 US-Dollar. Am Markt für Staatsanleihen stiegen richtungweisende zehnjährige Papiere um 6/32 Punkte auf 98 1/32 Punkte und rentierten mit 1,844 Prozent. Die enttäuschenden Häuserdaten hätten Zweifel an der Stärke der Erholung des Immobiliensektors genährt und damit die Nachfrage nach den als sicher geltenden US-Anleihen erhöht, sagten Händler.

Quelle: n-tv.de

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