Wirtschaft
Die Krisenpolitik zeigt Wirkung: Mit der Aufhellung am Häusermarkt rückt die Trendwende in greifbare Nähe.
Die Krisenpolitik zeigt Wirkung: Mit der Aufhellung am Häusermarkt rückt die Trendwende in greifbare Nähe.(Foto: picture alliance / dpa)

Fulminant in den Feierabend: Dow schließt komplett im Plus

Kurz vor "Thanksgiving" und dem Start ins Weihnachtsgeschäft bricht an den New Yorker Börsen neue Zuversicht aus: Die Kurse steigen auf breiter Front. Anleger quittieren scheinbar jede halbwegs positive Nachricht mit Zukäufen. Doch ein Blick auf die Charts verrät: Die Wall Street steigt nicht, sie schwingt nur zurück.

"Es ist ziemlich deutlich geworden, dass beide Seiten kompromissbereit sind und verhandeln wollen."
"Es ist ziemlich deutlich geworden, dass beide Seiten kompromissbereit sind und verhandeln wollen."(Foto: REUTERS)

Zwei große Faktoren haben an der Wall Street zu Wochenbeginn für kräftigen Rückenwind gesorgt und Anlegern zurück in den Aktienmarkt gelockt: Vage Aussichten auf eine Lösung im US-Haushaltsstreit und unerwartet starke Signale aus dem Immobilienmarkt.

Der Dow-Jones-Index mit den 30 Standardwerten aus der US-Industrie verzeichnete mit plus 1,65 Prozent auf 12.795,96 Punkte den größten Tagesgewinn seit zweieinhalb Monaten. In der Vorwoche hatten Sorgen um ein Stolpern der US-Wirtschaft über die "Fiskalklippe" den Aktienindex insgesamt noch ein Minus von 1,77 Prozent eingebrockt. Für den marktbreiten S&P500-Index ging es zum Wochenauftakt um 1,99 Prozent auf 1386,89 Punkte nach oben. An der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich der Composite Index um 2,21 Prozent auf 2916,07 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 gewann 2,43 Prozent auf 2595,83 Punkte.

Im US-Haushaltsstreit hatten sich die konkurrierenden Parteien vor dem Wochenende etwas angenähert. Darauf schien der Markt nun zu reagieren. In Verbindung mit guten Nachrichten vom US-Häusermarkt springt an verhalf der neu gewonnene Optimismus der Anleger dem US-Aktienmarkt zu einem fulminanten Wochenauftakt.

Im Oktober wurden überraschend mehr bestehende Wohnimmobilien verkauft als im Monat davor. Die Amerikaner hätten offenbar weniger Angst um ihre Arbeitsplätze und wagten daher wieder häufiger den Kauf eines Eigenheims, lautete die nachvollziehbare Erklärung am Markt. Niedrige Zinsen erleichtern die Entscheidung zum Hauskauf ebenfalls.

US-Präsident Obama fordert Kompromisse hatte sich am Sonntag zuversichtlich gezeigt, dass sich Regierung und Kongress im Haushaltsstreit auf einen Kompromiss einigen werden. Die Republikaner hatten nach einem Treffen mit Obama und dessen Demokraten ihre Bereitschaft zu Gesprächen über höhere Steuern signalisiert. Ohne Konsens im Haushaltsstreit drohen zum Jahreswechsel automatisch Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten. "Es ist ziemlich deutlich geworden, dass beide Seiten kompromissbereit sind und verhandeln wollen", sagte Joseph Tanious von JP Morgan Funds.

Doch mahnen Analysten zur Vorsicht, denn die Erholung stütze sich derzeit nur auf vage Formulierungen. "In Zeiten, in denen die Anleger hoffen, dass die moderate US-Konjunkturerholung einen Gegenpol zu den negativen Nachrichten aus Europa bildet, sind Hoffnungen auf eine baldige Lösung der Fiskalklippe ein positives Szenario für den Markt", so Ilya Spivak von DailyFX.

Vor allem vor dem Hintergrund der verkürzten Handelswoche könnte das Thema Fiskalklippe verstärkt gespielt werden, allerdings dürften auch die Umsätze abnehmen. Am Donnerstag bleiben aufgrund von "Thanksgiving" die Börsen in den USA geschlossen. Am Freitag finden an der Wall Street und dem US-Anleihemarkt jeweils verkürzte Sitzungen statt.

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Überaus starke Kursaufschläge gab es unter anderem an der Nasdaq: Apple-Papiere zogen um 7,2 Prozent auf 565,73 Dollar an. Apple plant Kreisen zufolge die Errichtung seines ersten Datenzentrums außerhalb der USA, und zwar in Hongkong. Gefragt waren unter anderem die Aktien der weltweit zweitgrößten Baumarktkette Lowe's, die um 6,2 Prozent anzogen. Lowe's hat im Quartal unter anderem von spürbar angezogenen Einkäufen im Vorfeld des Wirbelsturms "Sandy" profitiert.

Die Aktien von Intel blieben mit einem Anstieg um nur 0,3 Prozent auf 20,25 Dollar hinter dem Markt zurück. Der amtierende Präsident des Konzerns, Paul Otellini, will sein Amt auf der Aktionärsversammlung im kommenden Mai niederlegen. In den kommenden sechs Monaten werde der Board nach einem Nachfolger suchen und dabei interne und externe Kandidaten in Erwägung ziehen, teilte Intel mit.

Ein Milliarden-Zukauf des weltgrößten Netzwerk-Ausrüsters Cisco kam bei Anlegern gut an. Cisco kauft für 1,2 Mrd. Dollar die auf Cloud Computing spezialisierte Meraki. Die Aktien gewannen 1,7 Prozent. Die Aktien von General Motors (GM) zogen um 4,5 Prozent an. Zum Bau der Billigmarke Baojun eröffnete der Autokonzern zusammen mit seinen chinesischen Partnern am Sonntag ein neues Werk in dem asiatischen Land.

Der Kurs des Fleischverarbeiters Tyson Foods verbesserte sich um 10,9 Prozent auf 18,72 Dollar. Die Hähnchenfleischsparte war im vierten Geschäftsquartal in die Gewinnzone zurückgekehrt, hieß es aus New York. Dies habe die Schwäche der Segmente Rind und Schwein mehr als kompensiert.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 710 Mio. Aktien den Besitzer. 2683 Werte legten zu, 348 gaben nach, und 64 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,77 Mrd. Aktien 1949 im Plus, 521 im Minus und 88 unverändert.

Ein weiteres Zeichen für die neu gewonnene Zuversicht erkannten Beobachter am Rentenmarkt: Aus Anleihen wurde tendenziell Geld abgezogen. Die Immobilienmarktdaten hätten den Konjunkturoptimismus der Anleger befeuert, hieß es, und ihr Sicherheitsbedürfnis verringert. Die zehnjährigen Staatsanleihen fielen um 9/32 auf 100-4/32. Sie rentierten mit 1,61 Prozent. Bei den 30-jährigen Bonds betrug das Minus 20/32 auf 99-25/32. Sie hatten eine Rendite von 2,76 Prozent.

Die Aussicht auf eine Einigung im US-Haushaltsstreit ließ den Preis für Gold auf den höchsten Stand seit einem Monat klettern. Die Feinunze stieg an der Comex um 1,2 Prozent bzw 19,70 Dollar auf 1.734,40 Dollar. Eine Rezession der US-Wirtschaft könnte den Preisauftrieb dämpfen und Gold als Inflationsschutz unattraktiv machen, sagten Händler. Ein Kompromiss würde dagegen eine Ausweitung des Haushaltsdefizits der USA bedeuten. In diesem Fall dürften Anleger das harte Edelmetall dem Papiergeld vorziehen.

Öl verteuerte sich mit der Entwicklung im Nahen Osten. Das Barrel WTI stieg um 2,7 Prozent bzw 2,36 auf 89,28 Dollar. Die europäische Referenzsorte Brent gewann 2,5 Prozent bzw 2,75 Dollar auf 111,70 Dollar. Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas nehme an Schärfe weiter zu, was den Ölpreis mit der Sorge um eine Ausweitung des Konflikts nach oben treibe, sagte ein Analyst. Ein Test der Marke von 90 Dollar sei durchaus möglich.

Am Devisenmarkt profitierte der Euro einen Tag vor der Sondersitzung der Eurogruppe von der Hoffnung auf neuerliche Finanzhilfe für Griechenland. Die Gemeinschaftswährung stieg auf 1,2815 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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