Wirtschaft
Bringt zur EZB-Sitzung wohl keine Geschenke mit: Mario Draghi.
Bringt zur EZB-Sitzung wohl keine Geschenke mit: Mario Draghi.(Foto: dpa)

Ausblick enttäuscht den Markt: Draghi drückt den Euro

Die letzte EZB-Ratssitzung des Jahres lässt den Euro kalt. Die Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi wirbeln den Devisenmarkt dann kräftig auf: Die Konjunkturprognose des Notenbank-Präsidenten ist schuld.

Ein düsterer Konjunkturausblick des EZB-Chefs Mario Draghi hat den Euro am Donnerstag belastet. Er sank am Nachmittag bis auf 1,3007 Dollar und entfernte sich damit deutlich von seinem Kurs von 1,3065 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. Auch der Rentenmarkt kam in Bewegung. Der Bund-Future stieg in der Spitze auf 145,49 Punkte. Die Rendite sank im Gegenzug auf 1,312 Prozent, den niedrigsten Stand seit dem 31. August.

Das Bruttoinlandsprodukt werde voraussichtlich um 0,3 Prozent fallen, hieß es. Noch im September hatte die Notenbank mit einem Wachstum von 0,5 Prozent gerechnet. In diesem Jahr soll die Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent schrumpfen. "Die wirtschaftliche Schwäche in der Eurozone dürfte bis in das nächste Jahr hineinreichen", sagte Draghi.

"Entscheidend ist, ..."

"Die EZB hat die Wachstumsprognose und die Inflationsprognose stärker heruntergenommen als wir gedacht haben.", sagte Lothar Heßler, Volkswirt bei HSBC Trinkaus. Analyst Ralf Umlauf von der Helaba betonte aber, dass die gesenkten Konjunktur-Projektionen nicht überbewertet werden sollten. "Entscheidend ist, dass im Verlauf des Jahres 2013 verbesserte wirtschaftliche Entwicklungen erwartet werden."

Die EZB betreibe zum Jahresschluss eine Politik der ruhigen Hand. "Alles andere könnte von den Marktteilnehmern, die derzeit wieder risikofreudiger agieren, missverstanden werden", fügte Umlauf hinzu. Die Währungshüter beließen wie erwartet ihren Leitzins auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent.

Italien und der Wahlkampf

Unterdessen trennten sich Investoren wegen Spekulationen über einen Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti von italienischen Staatsanleihen. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Titel stieg daraufhin auf bis zu 4,629 Prozent, von 4,463 Prozent am Vortag.

Monti gewann zwar eine Vertrauensabstimmung im Senat, allerdings hatten zuvor die Vertreter der Partei PDL des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi den Saal verlassen. Berlusconi hatte zuletzt durchblicken lassen, er wolle bei den Wahlen im kommenden März wieder antreten. Er hatte wegen der Kursturbulenzen im Zusammenhang mit der europäischen Schuldenkrise sein Amt im November 2011 an Monti abgeben müssen. Dessen Technokraten-Regierung stützt sich auf die Abgeordneten der PDL und der Mitte-Links-Partei PD.

Unruhige Zeiten auch für Ägyptens Währung

Das Augenmerk der Investoren richtete sich zudem in Richtung Ägypten. Die anhaltenden Unruhen dort drückten die Währung des Landes auf den tiefsten Stand seit Dezember 2004. Ein Dollar verteuerte sich zeitweise auf 6,1255 ägyptische Pfund.

Auslöser der Proteste sind Dekrete des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi, mit denen er seine Entscheidung für juristisch unanfechtbar erklärte. "Wenn der Präsident die Lage beruhigen will, muss er konstruktiv mit der Opposition diskutieren", sagte Mohamed Radwan, Chef-Händler von Pharos Securities. In den zwei Wochen seit den Dekreten sind die ägyptischen Aktien um etwa elf und das ägyptische Pfund um rund ein Prozent gefallen.

Quelle: n-tv.de

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