Wirtschaft
Wegen des unerwarteten Konjunktureinbruchs in Japan bekommen die Händler in Frankfurt Sorgenfalten.
Wegen des unerwarteten Konjunktureinbruchs in Japan bekommen die Händler in Frankfurt Sorgenfalten.(Foto: picture alliance / dpa)

Schlechte Nachrichten aus Asien: Draghi heilt Japan-Schock im Dax

Japan fällt überraschend in die Rezession zurück - solche Horror-News bekommen auch den deutschen Aktienanlegern zum Wochenbeginn gar nicht gut. Erst herrscht an den deutschen Börsen dicke Luft. Doch dann rettet mal wieder EZB-Chef Draghi den Handelstag.

Das überraschende Abrutschen Japans in die Rezession hat zum Wochenauftakt den Dax belastet. Der deutsche Leitindex wechselte im Handelsverlauf immer wieder das Vorzeichen, ging nach Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi aber 0,6 Prozent stärker bei 9.306,35 Punkten aus dem Handel. Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner sah den Dax "gefangen zwischen Hoffen und Bangen". Am Freitag hatte er fast unverändert bei 9252,94 Punkten geschlossen. Der MDax der mittelgroßen Börsenunternehmen gewann 0,3 Prozent auf 16.345,89 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax notierte 1,3 Prozent stärker bei 1.280,43 Zählern.

Halt gab dem Markt die Rede von EZB-Chef Mario Draghi vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss der Europäischen Parlaments. "Draghi betont, dass zunächst abgewartet werden müsse, wie die bisherigen EZB-Maßnahmen wirken", sagte ein Marktteilnehmer. Dies könne dahingehend interpretiert werden, dass sich Draghi noch etwas Zeit kaufe, bis der nächste Schritt gegangen werde. Alles in allem habe Draghi aber keine Überraschung geliefert.

Zuvor hatte der unerwartete Wirtschaftseinbruch in Japan den Markt belastet. In Tokio ist der Nikkei-Index fast drei Prozent eingebrochen, nachdem die japanische Wirtschaft im dritten Quartal überraschend um 0,4 Prozent schrumpfte. "Es ist ein kleiner Schock, da die Leute geglaubt hatten, dass die Bank of Japan alles unter Kontrolle hat", sagte Analyst Nicolas Cheron vom Brokerhaus FXCM. Der neuerliche Rückgang der Wirtschaftsleistung stellt die Politik des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Frage, der mit seinem Abenomics genannten Programm die Konjunktur ankurbeln wollte.

Auch die geplante neuerliche Anhebung der Mehrwertsteuer scheint nun fraglich. Die Mehrwertsteuer wurde im April von fünf auf acht Prozent angehoben und soll eigentlich im Oktober 2015 auf zehn Prozent steigen. "Premierminister Shinzo Abe wird morgen eine Pressekonferenz abhalten, auf der er gemäß allgemeiner Erwartung nicht nur vorgezogene Neuwahlen ankündigen wird, sondern auch die 2015-Steuererhöhung abblasen könnte", hieß es in einem Commerzbank-Kommentar. Japans Regierungschef hatte öffentlich mit der Idee geliebäugelt, um sich im Volk Zustimmung für die umstrittenen Steuerpläne zu holen.

Merck schließt Allianz mit Pfizer

Im Handel sorgte Merck für Gesprächsstoff. Der Darmstädter Konzern gab eine Allianz mit dem US-Pharmakonzern Pfizer zur Behandlung von Krebs bekannt. Merck winken dadurch Einnahmen von bis zu 2,3 Milliarden Euro. Merck hinke der Konkurrenz bei der Entwicklung von Krebs-Immuntherapien hinterher, schrieb Berenberg-Analyst Alistair Campbell. Mit Pfizer habe das Unternehmen nun aber einen zahlungskräftigen Partner, um die notwendigen Investitionen zu finanzieren. Die Papiere stiegen um 3,2 Prozent.

Siemens-Aktien legten 0,5 Prozent zu. Hier belastete leicht die Ankündigung, dass der Konzern die Medizintechnik-Sparte doch behalten will. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte Siemens-Chef Joe Kaeser, sie werde auf absehbare Zeit Teil des Konzerns bleiben. Einige Investoren hätten hier allerdings auf eine Ausgliederung oder einen Börsengang gesetzt, hieß es im Handel.

SMA Solar zogen im TecDax 5,6 Prozent an. Die Titel haben Nachholbedarf, denn seit Jahresbeginn haben sie rund 20 Prozent verloren. Auch Drillisch gewannen 5,9 Prozent. Die Titel des Mobilfunkanbieters haben seit Jahresbeginn über 20 Prozent gewonnen, womit sie im TecDax im Mittelfeld liegen. Zuletzt hatten Drillisch aber unter Gewinnmitnahmen zu leiden. In der vorigen Woche hatten sie 7,8 Prozent verloren.

Quelle: n-tv.de

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