Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Negative Zinsen?: EZB sorgt für leichten Schauer beim Euro

Das Gespenst negativer Zinsen geht wieder um. Entsprechende Aussagen des Bundesbank-Präsidenten lassen die Gemeinschaftswährung den Rückzug antreten. Weitere taubehafte Äußerungen aus Europa sorgen für Druck.

Die EZB hebt die Debatte über negative Einlagezinsen wieder auf die Agenda und bringt so den Euro unter Druck. Damit entfernt sich die Gemeinschaftswährung auch von der 1,40er Marke, die zuletzt zunehmend als kritischer Punkt genannt worden war. Hintergrund der Ausführungen ist zudem die weiter geringe Inflation in der Eurozone.

Den Auftakt machte am Dienstag Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Seiner Einschätzung nach wären negative Einlagesätze ein probates Mittel, um dem Deflationsdruck in der Eurozone entgegen zu wirken. Zuvor hatte EU-Kommissionvize Antonio Tajani gesagt, bei einem Kurs von 1,40 Dollar wäre der Euro zu stark. Später dann meinte EZB-Ratsmitglied Jozef Makuch noch Spielraum für einen schwächeren Euro zum Jahresende zu sehen. Der Markt dürfte gespannt sein, was EZB-Präsident Mario Draghi zu sagen hat, der um 17.00 Uhr einen Vortrag am SciencesPo-Institut in Paris hält.

"Zinsinstrument fast ausgereizt, aber noch nicht völlig"

Unmittelbar zuvor sagte EZB-Mitglied Erkki Liikanen, dass ein negativer Satz auf Bankeinlagen bei EZB als Instrument nicht mehr umstritten sei. Wolle die EZB mit konventionellen Instrumenten gegen eine zu niedrige Inflation vorgehen. Zugleich deutete er an, dass sich die Notenbank auch durch mögliche Nebenwirkungen nicht davon abhalten lassen würde, wenn sie so einen Schritt für erforderlich halten sollte. "Meiner Meinung nach sind negative Einlagenzinsen nicht mehr umstritten", sagte er. Die EZB habe ihr Zinsinstrument zwar fast ausgereizt, aber noch nicht völlig.

Groß angelegte Wertpapierkäufe wollte Liikanen ebenfalls nicht prinzipiell ausschließen. Die EZB-Satzung lasse Käufe am Sekundärmarkt zu, allerdings müsse die Zentralbank darauf achten, welche Risiken sie auf ihre Bilanz nehme, sagte der Finne.

In ihrer Summe drückten die Aussagen die Gemeinschaftswährung wieder unter die Schwelle von 1,38 Dollar. Bei 1,3780 Dollar wird mehrfach die Unterstützung getestet. Ein erster Anlauf zum neuerlichen Überpringen der 1,38er Marke scheiterte.

Unterdessen setzte die Europäische Zentralbank am Nachmittag einen Referenzkurs von 1,3789 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7252 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse auf 0,83480 britische Pfund, 141,22 japanische Yen und 1,2197 Schweizer Franken fest.

Bereits am Vortag hatten schwache Konjunkturzahlen aus Deutschland und Äußerungen von EZB-Ratsmitglied Erkki Liikanen den Euro auf Talfahrt geschickt. Allerdings konnte er seine Tagesverluste letztlich wieder abschütteln. Devisenhändler machten dafür unter anderem technische Faktoren verantwortlich.

Anschlusskäufe sorgten für Erholung am Vortag

So sei es nach dem Überwinden des Widerstands von 1,3815 Dollar zu Anschlusskäufen gekommen. Dies habe sich dann beim Überwinden der Marke von 1,3835 Dollar wiederholt, sagte ein Teilnehmer. Ab diesem Niveau rechnen Marktakteure mit einem Einschreiten der EZB gegen den hohen Euro - und dies nicht nur auf verbaler Ebene. In der Spitze kostete ein Euro 1,3876 Dollar. Die Rally stoppte jedoch, bevor der Euro seine Tiefstände vom 17. und 18. März bei 1,3879 Dollar wieder toppen konnte.

Nach Ansicht von Karen Jones, technische Analystin bei der Commerzbank (CoBa), kann die jüngste kräftige Erholung des Euro zum Dollar nicht darüber hinwegtäuschen, dass der fundamentale Ausblick für die Entwicklung für die Einheitswährung unverändert negativ ist. Erst ab einem Kurs des Euro von 1,3920 Dollar sei eine Rückkehr zu den jüngsten Höchstständen von bis zu 1,3958 Dollar vorstellbar. Sollte eine Bewegung nach oben ausbleiben, sieht Jones das Februartief von 1,3643 Dollar als Ziel. Aktuell kostet der Euro 1,3809 Dollar.

Ungarn will nach Zinssenkung pausieren

Chart

In Ungarn hat die Notenbank die Leitzinsen abermals gesenkt und signalisiert nun eine Pause. Die Zentralbank setzte den Schlüsselzins von 2,7 auf 2,6 Prozent herab. Mit 20 Zinssenkungen in Folge sei die Geldpolitik ihrem Ziel nunmehr beträchtlich näher gekommen, mittelfristig für stabile Preise zu sorgen und zugleich die Wirtschaft angemessen anzukurbeln. Falls sich die Lage an den internationalen Finanzmärkten deutlich verschlechtere, bestehe wohl kaum noch Spielraum für weitere Zinssenkungen, hieß es weiter. Die Investoren zeigten sich unbeeindruckt von der Zinssenkung: Der Kurs der Landeswährung Forint blieb zum Dollar weitgehend unverändert.

Notenbankgouverneur György Matolcsy gilt als Anhänger einer lockeren Geldpolitik und enger Vertrauter von Ministerpräsident Viktor Orban. Die Kosten für Zentralbankgeld haben sich in Ungarn seit August 2012 deutlich verringert: Damals lag der Leitzins noch bei 7,0 Prozent.

Rupie klettert weiter

Derweil setzt die indische Rupie ihre Rally zum Dollar den dritten Tag fort. Inzwischen markiert sie ein neues Sechs-Monats-Hoch. Ursache ist der anhaltende Zufluss von Mitteln ausländischer Anleger. Hinzu kommen die Erwartungen, dass die Fed die Zinsen früher als erwartet anheben könnte. Dies belastet den Dollar.

Die Rupie hat mit ihrer Stärke in jüngster Zeit andere asiatische Währungen hinter sich gelassen. Zurückzuführen ist dies auch auf den verbesserten wirtschaftlichen Ausblick vor den im April und Mai stattfindenden Parlamentswahlen. Bei diesen könnte die unternehmensfreundliche oppositionelle Bharatiya Janata Party (BJP) siegen. Aktuell kostet der Dollar 60,5155 Rupien. Eine technische Stützung liegt bei 60,27 Rupien.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen