Wirtschaft
Nicht ist in Stein gemeißelt: Verlässt Schottland das Königreich? Leitet die Fed die Zinswende ein?
Nicht ist in Stein gemeißelt: Verlässt Schottland das Königreich? Leitet die Fed die Zinswende ein?(Foto: picture alliance / dpa)

Anspannung am Markt: Eine Börsenwoche für die Geschichtsbücher?

Schottland, Fed und Hexensabbat: Die kommende Börsenwoche dürfte es in sich haben. Dabei stehen kaum Unternehmensdaten auf der Agenda. Die anderen Entscheidungen könnten nachhaltige Entwicklungen einleiten.

Das Referendum über eine Loslösung Schottlands von Großbritannien wird in der neuen Woche für reichlich Diskussionsstoff an den Finanzmärkten sorgen. Ein "Ja" zur Unabhängigkeit würde die Anleger wegen zahlreicher unbeantworteter Fragen verunsichern, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft, sagt Volkswirt Nicolas Doisy vom Vermögensverwalter Amundi.

Ähnlich urteilt Finanzmarkt-Experte Ingo Theismann von der Vermögensverwaltung Consulting Team. "Besonders die Währungsfrage ist brisant, da bis heute völlig offen ist, ob Schottland dann eine eigene Währung einführt, beim britischen Pfund bleibt oder gar der Eurozone beitreten wird."

Für Azad Zangana, Europa-Volkswirt beim britischen Vermögensverwalter Schroders, besteht die größte Sorge darin, "dass Investoren und Unternehmen dem Land den Rücken kehren, weil ein unabhängiges Schottland deutlich weniger attraktiv ist, als es als Teil des Vereinten Königreichs derzeit ist".

Frank Engels, Leiter Portfoliomanagement Renten bei der Fondsgesellschaft Union Investment, befürchtet bei einer schottischen Abspaltung von Großbritannien "fundamentale Unsicherheit - und zwar für einen langen Zeitraum".

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In den jüngsten Umfragen liegen Befürworter und Gegner einer  schottischen Unabhängigkeit fast gleichauf. Die Abstimmung ist am Donnerstag. Die Spekulationen um die Zukunft Schottlands drückten das britische Pfund in der alten Woche zeitweise auf ein Zehn-Monats-Tief von 1,6050 Dollar. Auch schottische Unternehmen wie Royal Bank of Scotland (RBS) gerieten zeitweise unter Verkaufsdruck.

Dax und Dow Jones setzten zurück

Der Dax gab in einer Woche ein Prozent nach. An der Wall Street sah es nicht besser aus. Die wichtigsten Indizes verzeichneten Kursverluste, nachdem es fünf Wochen in Folge aufwärts gegangen war. Der Standardwerteindex Dow Jones und der breiter gefasste S&P 500 fielen um rund ein Prozent, der Technologieindex Nasdaq-Composite büßte 0,3 Prozent ein.

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"Nach dem Rückenwind durch EZB-Präsident Mario Draghi hatte der  Dax zuletzt nicht mehr viel zu bieten", schrieb Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. "In der nachrichtenarmen Zeit zwischen Anfang September und Anfang Oktober müssen schon besondere Impulse her, um den Markt zu treiben", sagt Saurenz weiter. "Die Korrektur der US-Börsen lässt weiter auf sich warten, doch wenn sie kommt, wird das auch den Dax nicht unberührt lassen", meint Händlerin Sarah Brylewski vom Broker Ayondo.

Ein Belastungsfaktor für die Börsen ist die Dauerkrise in der Ukraine, wo die Waffenruhe zwischen der Regierung und den pro-russischen Separatisten brüchig ist. Russland hat eine Antwort auf die verschärften Sanktionen der EU angekündigt. Sollte Russland mit harten Gegenmaßnahmen reagieren, müsse mit weiteren Kursverlusten gerechnet werden, betont Analyst Michail Kusmin von Investcafe.

Ebenfalls Beachtung finden die Gouverneurs- und Kommunalwahlen in Russland, erstmals unter Beteiligung der annektierten Krim-Halbinsel. Sie gelten als wichtiger Stimmungstest für die Politik von Kremlchef Wladimir Putin in Krisenzeiten - insbesondere nach weiteren europäischen und US-amerikanischen Sanktionen gegen Russland.

Woche der Notenbanken

Daneben werden die Notenbanken in der neuen Woche wieder in den Fokus rücken. Am Mittwoch gibt die Fed ihre Beschlüsse zur Geldpolitik bekannt. Die Commerzbank-Analysten Bernd Weidensteiner und Christoph Balz rechnen damit, dass die US-Notenbank für das Frühjahr 2015 eine Zinserhöhung signalisieren wird. "Unsere Analyse vergangener Zinszyklen spricht zudem dafür, dass die Fed die Zinsen stärker anheben dürfte als allgemein erwartet", schreiben sie in einem Kommentar.

Am Tag darauf gibt die Europäische Zentralbank (EZB) bekannt, wie stark sich die europäischen Geschäftsbanken sich mit den neuen, zweckgebundenen Billig-Krediten der EZB (TLTROs) eingedeckt haben. "Gut vorstellbar, dass sich einige Banken entscheiden, nicht im September, sondern erst im Dezember die angebotenen TLTRO-Geschäfte zu nutzen, da der Finanzierungsbedarf der Geschäftsbanken zum Jahresende in der Regel höher liegt", sagt AllianzGI-Analystin Ann-Katrin Petersen.

Bei den Konjunkturdaten blicken Anleger unter anderem auf den ZEW-Index am Dienstag. Das Barometer für die Stimmung der Börsenprofis ist einer Reuters-Umfrage zufolge auf 5,6 Punkte von 8,6 Zählern zurückgegangen.

Auf Unternehmensseite sind die Termine dünn gesät. Am Donnerstag will Alibaba den Ausgabepreis für seinen geplanten Rekord-Börsengang bekanntgeben. Der außerhalb Chinas weitgehend unbekannte Amazon -Konkurrent peilt ein Emissionsvolumen von 21 Milliarden Dollar an. Zum Abschluss der Woche verfallen Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien.

In den Tagen vor dem sogenannten Hexensabbat schwanken die Kurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Quelle: n-tv.de

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