Wirtschaft
Verliert die Weltkonjuktur den Faden? Und gewinnen die Denver Broncos oder die Seattle Seahawks?
Verliert die Weltkonjuktur den Faden? Und gewinnen die Denver Broncos oder die Seattle Seahawks?(Foto: AP)

Wall-Street-Vorschau: Eine Börsenwoche ohne Chinesen

In China beginnt das "Jahr des Pferds", Millionen von Anlegern bleiben den Märkten fern. An den US-Börsen dagegen steht nach dem Super Bowl harte Arbeit an. Die Strahlen des Börsenradars pendeln zwischen Schwellenlandkrise und Arbeitsmarkt.

In der kommenden Woche werden sich die Anlagestrategen an der Wall Street wieder mit einem ungewohnt großen Anteil an Auslandsnachrichten befassen. Der Kursverfall bei den Schwellenland-Währungen rückt eine ganze Reihe aufstrebender Wirtschaftsmächte ins Rampenlicht. Vorgaben aus China sind bis auf weiteres nicht zu erwarten: Die Handelsplätze in China bleiben teilweise bis Ende der Woche feiertagsbedingt geschlossen.

"Die Turbulenzen in den Schwellenländern erweisen sich als hartnäckiger Belastungsfaktor", sagte LBBW-Analyst Berndt Fernow mit Blick auf die Börsenstimmung in den USA. "Wichtig ist jetzt, dass die gesamte Weltkonjunktur nicht den Faden der Erholung verliert und ins Straucheln gerät", ergänzte sein Kollege Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM.

Gleich zu Wochenbeginn dürften sich die Blicke der New Yorker Händler dagegen verstärkt auf die hauseigene Konjunkturagenda richten: Am Montag werden mit den Bauausgaben und dem ISM-Index richtungsweisende zur Lage am Immobilienmarkt und in der US-Industrie erwartet. Im Anschluss folgen die monatlichen Zahlen zum Pkw-Absatz im US-Automarkt.

Mitte der Woche legen prominente Unternehmen wie Twitter und Walt Disney Quartalsergebnisse vor. Daneben stehen Lagerdaten zu den Rohölbeständen, die ADP-Daten zur Lage am Arbeitsmarkt und der ISM-Index aus dem Dienstleistungssektor an. Am Donnerstag werden sich Analysten mit Bilanzen von Schwergewicht und Opel-Mutter General Motors (GM) sowie den Zahlen des Tabakkonzerns Philip Morris und des "Farmville"-Betreibers Zynga befassen. Zuvor werden die Währungshüter in London und Frankfurt ihre Entscheidungen für Pfund-Gebiet und Eurozone bekannt gegeben haben. Die Anzahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe und die Kennzahlen zur US-Handelsbilanz runden das Bild ab.

Gewichtigster Termin der Woche dürfte für US-Anleger dagegen - neben den Ergebnissen des Super Bowls - der offizielle Januar-Bericht zur Lage im US-Arbeitsmarkt sein. Der viel beachtete Job Report gibt Auskunft über die wirtschaftliche Entwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft und gilt als maßgebliche Orientierungsmarke der US-Geldpolitik. Der Bericht ist wie üblich für Freitag gegen 14.30 Uhr (MEZ) angekündigt.

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Aus der Sicht der US-Börsianer war der zurückliegende Börsenmonat ungewöhnlich schlecht. Den letzten Handelstag im Januar beendeten die US-Indizes noch einmal mit deutlichen Verlusten. Schlechte Zahlen von Unternehmen wie Amazon und Chevron drückten nach Angaben von Händlern gemeinsam mit den Schwellenlandsorgen auf die Stimmung.

Der Dow-Jones-Index ging 0,94 Prozent tiefer bei 15.698,85 Punkten aus dem Handel. Der Januar war mit einem Minus von 5,30 Prozent der schwächste Monat für den US-Leitindex seit Mai 2012. Auf Wochensicht verlor der Dow 1,1 Prozent. Der S&P-500-Index gab am letzten Januartag 0,65 Prozent auf 1782,59 Punkte ab und büße im Wochenvergleich 0,4 Prozent ein. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq zog sich auf Tagessicht um 0,47 Prozent auf 4103,88 Punkte zurück. Im Wochenvergleich bedeutete das ein Minus von 0,6 Prozent. Der Auswahlindex Nasdaq 100 fiel am Freitag um 0,30 Prozent auf 3521,92 Punkte.

Schlechte Unternehmensbilanzen hätten den Erholungsversuch vom Vortag wieder zunichte gemacht, sagten Händler. Einige Börsianer sprachen auch wegen der Spannungen in den "fragile five" der Emerging Markets von einer wieder nervösen Schaukelbörse. Zu dieser Gruppe der "zerbrechlichen Fünf" zählen Beobachter Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und die Türkei. Die einzelnen Staaten kämpfen jeweils mit ganz eigenen Herausforderungen. Allerdings werden diese teils hausgemachten Probleme durch einen mächtigen übergeordneten Faktor verschärft: Die abebbende Liquiditätsschwemme in den USA löst einen massiven Kapitalabfluss aus, weil die Straffung der US-Geldpolitik Investitionen in den Vereinigten Staaten wieder attraktiver macht.

Dazu kommen Bedenken hinsichtlich des Erholungstempos in den USA: Der Blick in die Bilanzen aus der laufenden Berichtssaison weckte zuletzt neue Zweifel. Die Zahlen des Onlinehändlers Amazon gelten als Spiegel der Konsumfreude in der US-Bevölkerung. Entsprechend negativ wirkten die weithin als enttäuschend aufgenommenen Ergebnisse. Auch überraschend gute Konjunkturdaten konnten dem Markt zum Monatsende nicht helfen. Die Stimmung der Einkaufsmanager in der US-Region Chicago hatte sich im Januar weniger eingetrübt als befürchtet und der Index der Universität Michigan war überraschend gut ausgefallen.

Die Kauflaune der US-Konsumenten trübte sich im Januar etwas ein. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen sank nach endgültigen Berechnungen auf 81,2 Punkte, nach 82,5 Zählern im Dezember. Ökonomen hatten mit 81,0 Punkten gerechnet. Ende 2013 war die US-Wirtschaft dank der Konsumlaune der Verbraucher kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt war von Oktober bis Dezember mit einer Jahresrate von 3,2 Prozent gewachsen. Impulse seien in diesem Zeitraum vor allem aus dem privaten Konsum gekommen, hieß es. Ob dieser Effekt auf die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2014 erhalten bleibt, wird sich unter anderem bei der Vorlage des offiziellen Arbeitsmarktberichts für Januar zeigen.

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Quelle: n-tv.de

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