Dax-VorschauEndlich Hellas abhaken

Wenn sich Anleger etwas wünschen könnten, dann wäre es wohl eine schnelle Lösung im griechischen Schuldendrama. Dann könnte das Börsenbarometer wieder über 7000 Punkte steigen, heißt es. Trotz jüngster Verluste liegt der Dax auf Jahressicht noch ordentlich im Plus.
DAXEigentlich wollen die Anleger am deutschen Aktienmarkt
derzeit vor allem eines: die Sorgen um das taumelnde Griechenland endlich über
Bord werfen und investieren. "Es wird Zeit für eine Einigung mit
Griechenland", heißt es am Markt. Wenn diese große Unsicherheitskomponente
endlich raus sei, könnte der Dax auch die 7000 Punkte-Marke nehmen. An den
vergangenen fünf Tagen hat der Leitindex mehr als ein Prozent auf 6679 Punkte
verloren. Vor allem das anhaltende Gezerre um das zweite griechische
Rettungspaket strapazierte das Nervenkostüm der Anleger.
Die drei griechischen Regierungsparteien hatten sich am
Donnerstag zwar auf ein neues Sparpaket verständigen können. Doch auch damit
sind aus Sicht der Euro-Länder noch nicht alle Voraussetzungen für ein Ja zum
zweiten Rettungspaket erfüllt. Ein endgültiger Beschluss über die Finanzhilfen
könne erst fallen, wenn das griechische Parlament am Sonntag das mit der Troika
von EU, EZB und IWF vereinbarte Programm beschlossen habe, erklärte
Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Für Unruhe könnte der Parteichef der
griechischen Rechten sorgen, der erklärte, das Sparpaket im Parlament nicht
mittragen zu wollen. Am Mittwoch will die Eurogruppe erneut tagen, um eine abschließende
Entscheidung über die Finanzhilfen zu treffen.
Anleger setzen auf moderates Wachstum
Sollte der langersehnte Durchbruch in der nächsten Woche zu
standen kommen, dürfte dies die Türen für weiter steigende Kurse öffnen. Der
Aufwärtstrend an den Aktienmärkten sei intakt, schreibt Commerzbank-Analyst
Andreas Hürkamp in einem Kommentar. "Während im November noch
Risikofaktoren wie eine globale Rezession, ein Auseinanderbrechen des Euroraums
und eine Kreditklemme im europäischen Finanzsektor im Fokus standen, erwarten
mehr und mehr Investoren mittlerweile wieder ein anhaltendes, moderates
Wachstum der Weltwirtschaft." Der Dax hat seit Jahresanfang bereits mehr
als 13 Prozent zugelegt, nachdem er 2011 mit einem Minus von 14,7 Prozent eines
der schwärzesten Börsenjahre seiner Geschichte verzeichnet hatte.
Hinweise darauf, ob der Konjunkturoptimismus vor allem mit
Blick auf die US-Wirtschaft berechtigt ist, erhoffen sich Anleger von den am
Dienstag anstehenden Einzelhandelsumsätzen. Analysten rechnen für Januar im
Schnitt mit einem Plus von 0,6 Prozent, nach einem Mini-Wachstum von 0,1
Prozent im Vormonat. Ebenfalls aufmerksam verfolgt werden dürften die
Stimmungsindikatoren der Federal Reserve Banken von New York (Mittwoch) und
Philadelphia (Donnerstag). Experten erwarten in beiden Fällen einen Anstieg.
Bleibt Francioni?
Auf Unternehmensseite legen am Dienstag zwei Dax-Unternehmen
ihre Geschäftszahlen vor: ThyssenKrupp und MAN. Bereits am Montag dürfte sich
bei einer Sitzung des Deutsche-Börsen-Aufsichtsrats zeigen, ob sich Reto
Francioni nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse an der Spitze von
Deutschlands größtem Börsenbetreiber halten kann. Trotz Kritik der Arbeitnehmer
und der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS gehen Börsen-Insider und Experten davon
aus, dass Francioni zumindest bis zum Ende seines Vertrages im November 2013
weitermachen darf. Erwartet werden auch die vorläufigen Zahlen des
Unternehmens.
Spannend könnte es zudem bei Volkswagen werden. Dem
"Spiegel" zufolge soll dem Aufsichtsrat am Dienstag der Plan
vorgestellt werden, den Sportwagen-Herstellers Porsche über eine
Zwischenholdung zu übernehmen. Damit will der Autobauer Steuern in
Millionenhöhe sparen.