Wirtschaft

Devisen-Vorschau: Euro-Rally vorbei?

Der Euro hat im Juli bisher eine fulminante Aufholjagd hingelegt. Analysten bezweifeln jedoch, dass die europäische Gemeinschaftswährung das Tempo halten kann, auch wenn es nicht aussieht, als ob der Dollar sich in nächster Zeit auf eine Erholung freuen kann.

Geht der kometenhafte Aufstieg weiter?
Geht der kometenhafte Aufstieg weiter?(Foto: dpa)

Der Euro hat seit Anfang des Monats gegenüber dem Dollar um rund sechs Prozent zugelegt. In gut zwei Wochen ist das eine sehr starke Performance im Währungspaar. Von seinem Jahrestief bei 1,1875 US-Dollar am 7. Juni konnte die Gemeinschaftswährung sogar um gut neun Prozent zulegen. Eine solche Rally lässt sich in diesem Tempo nicht fortführen. Das schnelle Schließen von Short-Positionen im Euro hat maßgeblich die kräftige Erholungsbewegung unterstützt. Dieser Effekt dürfte allerdings langsam auslaufen.

Nun gilt es, die aktuellen fundamentalen Daten einzuordnen, um das Währungspaar einzuloten. Die Schuldenkrise in der Eurozone scheint zunächst in Bahnen gelenkt, mit denen der Kapitalmarkt umzugehen versteht. So konnten einige Peripheriestaaten aus der Eurozone in den vergangenen zwei Wochen zu adäquaten Zinsen am Kapitalmarkt Geld aufnehmen. Dies belegt zumindest das zurückgekehrte Vertrauen der Anleger, dass sie in Zukunft ihr Geld vom Schuldner zurückgezahlt bekommen.

Die Devisenstrategen von Metzler stellen in ihrer jüngsten Studie heraus, dass die US-Amerikaner die Zeche des "Über-die-Verhältnisse-Lebens" irgendwann bezahlen müssen. Dieser Eindruck mache sich nun auch am Devisenmarkt breit, wo der Dollar-Index jüngst deutlich nachgegeben hat. Metzler geht davon aus, dass das US-Wachstum in der 2. Jahreshälfte deutlich niedriger ausfallen sollte als in den beiden ersten Quartalen des laufenden Jahres.

Sollte diese Entwicklung eintreten, dürfte die Diskussion um ein Double-Dip-Szenario verstärkt geführt werden. Einerseits rückten US-Zinsanhebungen damit in noch weitere Ferne und andererseits seien damit weitere Maßnahmen zur Geldmengenausweitung zumindest wieder vorstellbar. Während es noch vor Wochen hieß, die Eurozone breche auseinander und die Gemeinschaftswährung habe keine Zukunft, stehe nun der Greenback wieder am Pranger, heißt es.

Die Commerzbank weist darauf hin, dass in der kommenden Woche die Veröffentlichung der Ergebnisse des europäischen Banken-Stresstests ansteht. Sollten mehrere Banken durchfallen oder die Kriterien aus Sicht des Marktes nicht streng genug gewesen sein, könnte dies den Euro unter Druck bringen.

Leicht skeptisch beurteilt die Citigroup die Euro-Rally. Zweifelsfrei habe die Gemeinschaftswährung in den vergangenen Tagen von Eindeckungen profitiert, nachdem der Stresstest für die europäischen Banken als "nicht zu stressig" eingestuft wird. Sollte die Risikoaversion weiter zurückgehen, dürfte es bei einem Zinsniveau nahe Null schwierig werden, das US-Haushaltsdefizit zu finanzieren.

In den USA stehen in der kommenden Woche wichtige Daten zum Immobilienmarkt auf der Agenda. Diese dürften nach Einschätzung der Postbank die nach wie vor sehr angespannte Lage auf dem Häusermarkt untermauern. Die steuerliche Förderung von Immobilienkäufern lief im April aus. Danach fiel der Immobiliensektor in ein Nachfrageloch. Am Donnerstag werde der Index der Frühindikatoren für Juni veröffentlicht. Das deutlich gesunkene Verbrauchervertrauen dürfte erstmals seit 14 Monaten wieder zu einem leichten Rückgang des Frühindikators von 0,2 Prozent geführt haben.

Aus der Eurozone stehen einige wichtige Stimmungsindikatoren zur Veröffentlichung an, von denen der ifo-Geschäftsklimaindex am Freitag den Höhepunkt bilde. Dabei dürfte das Muster der vergangenen Monate auch im Juli seine Fortsetzung finden. Während die deutsche Wirtschaft aktuell eine sehr hohe Wachstumsdynamik an den Tag lege, wachse gleichzeitig der Konjunkturpessimismus für die kommenden Monate.

Quelle: n-tv.de

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