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Trends rund um die 200-Tage-Linie: Was ist dran an der "Dow-Theorie"?
Trends rund um die 200-Tage-Linie: Was ist dran an der "Dow-Theorie"?(Foto: AP AP)

"Dow-Theorie" stützt Optimisten: Euro-Stärke drückt den Dax

Am Tag nach dem Fed-Entscheid währt die Zuversicht am deutschen Aktienmarkt nur kurz: Nach einem Sprung über die 10.000er-Marke kurz nach Handelsbeginn geht es mit dem Dax tief in die Verlustzone. Schuld ist angeblich der erstarkte Euro.

Nach einem Sprung über 10.000 Punkte kurz nach dem Handelsstart ging es für den Dax einen Tag nach der Zinsentscheidung der Fed kontinuierlich nach unten. Zwischenzeitlich verlor der Leitindex rund zwei Prozent und rutschte unter die 9800er-Marke. Etwas weniger dramatisch fiel das Minus am Ende aus: Der deutsche Leitindex verlor 0,9 Prozent und sank auf 9892 Punkte.

Die Aussicht auf weniger Zinserhöhungen in den USA als bislang erwartet schwächt die US-Währung. In Folge stieg der Euro auf mehr als 1,13 Dollar nach 1,1080 Dollar vor der Zinsentscheidung. Die Euro-Stärke war jedoch Gift für die Börsen in Europa. Vor allem die exportabhängigen Unternehmen aus der Eurozone litten unter einer Stärke in der Gemeinschaftswährung.

Die US-Notenbank hatte am Vorabend die Risiken für die US-Konjunktur in den Vordergrund gerückt. "Die Fed hat überrascht, indem sie zurückhaltender argumentiert hat als die Marktakteure das erwartet hatten", sagte Aneta Markowska von der Societe Generale. Die Federal Reserve signalisiere nun zwei statt vier Zinserhöhungen in diesem Jahr, sagt die Volkswirtin.

Gute Konjunkturdaten aus den USA ließen den Dax hingegen kalt: "Der Philly-Fed-Index ist klar eine positive Überraschung", so ein Aktienhändler. Nicht nur dass alle Sub-Komponenten im März zugelegt haben, der Index stieg mit einem Plus von 12,4 auf den höchsten Stand seit Februar 2015. Auf die Börsen hatte dieser positive Stimmungsumschwung allerdings keine Auswirkung.

Die Schwäche des US-Dollars trieb dagegen die Rohstoffpreise nach oben und damit auch die Aktien der Rohstoffproduzenten. Der europäische Rohstoffsektor lag mit einem Plus von 6,0 Prozent unter allen Sektoren weit vorn. Der Preis für ein Barrel der Rohöl-Nordseesorte Brent legte um 2,0 Prozent auf 41,12 Dollar zu.

Frankfurt: Lufthansa rutschen nach Zahlen ab

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Der Dax schloss am Ende 0,9 Prozent leichter auf 9892 Punkten. Für den MDax ging es 0,3 Prozent nach unten auf 20.036 Zähler. Noch deutlichere Verluste beim TecDax, der 1,9 Prozent abgab auf 1601 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es 0,8 Prozent abwärts auf 3036 Punkte.

Nur wenige Gewinner gab es im Dax. Dazu gehörten etwa Vonovia mit einem Plus von 2,0 Prozent und K+S, die 1,3 Prozent zulegten. An der Spitze jedoch standen Heidelbergcement, die sich um 2,6 Prozent verbesserten. Der Baustoffkonzern lässt die Aktionäre am kräftigen Gewinnanstieg des vergangenen Jahres teilhaben. Die Dividende soll sich auf 1,30 Euro nach 0,75 Euro im Vorjahr erhöhen.

Trotz eines Gewinnsprungs im vergangenen Jahr verbuchten die Aktien der Lufthansa Kursverluste. Sie rutschten um 4,5 Prozent ab und bildeten damit das Schlusslicht im Dax. "Die Jahreszahlen blieben ohne größere Überraschungen", urteilte DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp in einem Kommentar. Die Dividende sei etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

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Der Spezialchemiekonzern Evonik verhandelt informierten Kreisen zufolge mit Air Products über den Kauf der Sparte Performance-Materials der Amerikaner für mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar. Händler werteten dies positiv, denn damit sinke die "Gefahr" einer noch deutlich teureren Übernahme seitens Evonik. Die Aktie gewann 2,5 Prozent.

Die Gewinnprognose des Chemiekonzerns Lanxess lag recht deutlich unter dem bisherigen Marktkonsens. Die Aktie fiel um 2,6 Prozent zurück. Mit Blick auf Wacker Chemie sprach Peter Spengler von der DZ Bank dagegen von "guten Ergebnissen und einem positiven Ausblick". Der Kurs stieg um 1,9 Prozent.

USA: Wall Street blickt nach oben

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Die New Yorker Aktienmärkten beendeten den Donnerstagshandel mit Gewinnen: Der Dow-Jones-Index stieg um 0,9 Prozent auf 17.481 Punkte. Das ist nicht nur ein neues Jahreshoch, sondern zugleich auch eine Trendwende auf YTD-Sicht: Der Dow kletterte damit über seinen Jahresschlusskurs 2015 und liegt nun auf Jahressicht mit 0,32 Prozent im Plus. Der breiter gefasste S&P-500 legte um 0,7 Prozent auf 2041 Stellen zu. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,2 Prozent auf 4775 Zähler.

Dank steigender Ölpreise und überzeugender Konjunkturdaten konnten die US-Börsen den Aufwärtsbewegung des Vortags fortsetzen. Als gutes Zeichen werteten Marktteilnehmer, dass der Dow-Transportation-Index erstmals seit Mai über die 200-Tagelinie stieg. Dem Leitindex DJIA war dies schon in der vergangenen Woche gelungen.

Gemäß der "Dow-Theorie" geht es mit dem Gesamtmarkt nach oben, wenn sich die beiden Indizes in ihren Aufwärtstrends bestätigen. Der Index der Transportwerte wurde vor allem von der Fedex-Aktie nach oben getragen. Sie stieg um fast 12 Prozent, nachdem der Logistiker überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt und seine Jahresgewinnprognose am oberen Rand der bisherigen Schätzung eingeengt hatte.

Die guten Fedex-Zahlen machten den Anlegern generell Mut, kommentierte Colin Cieszynski von CMC Markets die Kursgewinne am breiten Markt. Der höhere Ölpreis stütze speziell den Energiesektor, während der Bergbausektor vom Preissprung beim Gold profitiere. Die Kursgewinne in diesen rohstoffnahen Sektoren halfen, die Verluste bei Pharma- und Biotechnologieaktien zu kompensieren.

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Dass die US-Börsen sich den negativen Vorgaben aus Übersee entziehen und anfängliche Verluste hinter sich lassen konnten, war auch guten heimischen Konjunkturdaten zu verdanken. Der Philadelphia-Fed-Index für März übertraf die Erwartungen klar. Der Index beruht auf einer Umfrage unter Herstellern und bemisst das Geschäftsklima. Auch die wöchentlichen Daten zum Arbeitsmarkt fielen minimal besser aus als erwartet. Der Index der Frühindikatoren stieg im Februar zum ersten Mal seit drei Monaten wieder, wenn auch geringfügig schwächer als erwartet.

Die Daten wurden auch deshalb mit Erleichterung aufgenommen, weil "taubenhafte" Äußerungen der US-Notenbank vom Vorabend Konjunktursorgen geschürt hatten. Diese betrafen zwar eher die Weltwirtschaft als die US-Konjunktur, führten aber doch dazu, dass sich die Akteure im frühen Handel zurückhielten.

Ihre Zuversicht zogen die Anleger am Aktienmarkt auch aus der Entwicklung der Ölpreise. Das Fass der US-Sorte WTI kostete erstmals seit Anfang Januar wieder mehr als 40 Dollar. Zum Settlement notierte es bei 40,20 Dollar und damit 4,5 Prozent oder 1,74 Dollar mehr als am Mittwoch. Brentöl verteuerte sich um 3 Prozent bzw 1,21 Dollar auf 41,54 Dollar. Neben der Hoffnung auf eine Begrenzung der Produktion durch die Förderländer war es der schwächere Dollar, der dem Ölpreis Auftrieb gab.

Bei den Einzelwerten ging es mit Jabil Circuit um 10,6 Prozent nach unten. Der Auftragsfertiger, der auch Apple beliefert, hatte mit seinen Geschäftszahlen die Erwartungen enttäuscht und senkte außerdem seinen Umsatzausblick für das Gesamtjahr von 20 auf 18,5 Milliarden Dollar. Analysten glauben, dass Apple im Dezember auf breiter Front Aufträge in seiner Zuliefererkette gekürzt hat.

Auch Williams-Sonoma verfehlte die Erwartungen des Marktes. Bei dem Anbieter von Kochutensilien und Haushaltswaren enttäuschten die flächenbereinigten Umsätze und veranlassten das Unternehmen, seine Gewinn- und Umsatzprognose für das laufende Quartal zu senken. Die Aktie fiel um 6,3 Prozent.

Asien: Nikkei schert aus

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Die Reaktion an den asiatischen Aktienmärkten auf die neuesten Aussagen der Fed war die gleiche wie in den USA: Die Aktienmärkte legten zu und der Dollar neigte auf breiter Front zur Schwäche.

Gegen die breite Tagestendenz lag der Nikkei-Index in Tokio im späten Handel im Minus. Er verlor 0,2 Prozent und schloss bei 16.936 Punkten, nachdem er zunächst ebenfalls positiv auf die US-Notenbank reagiert hatte. An den anderen Plätzen hielten sich die Gewinne aber.

In Hongkong ging der Hang Seng um 1,0 Prozent nach oben auf 20.462 Zähler, der Shanghai Composite stieg um 1,2 Prozent und schloss bei 2905 Punkten. Der Kospi in Südkorea gewann 1,0 Prozent und in Australien verzeichnete der Markt einen Anstieg von 1,0 Prozent. Eher enttäuschend ausgefallene Arbeitsmarktdaten bremsten dort kaum.

Rohstoffe: Öl über 40-Dollar-Marke

Bei den Ölpreisen ging es weiter aufwärts. Der jüngste Rückenwind für die Ölpreise kam bereits am Mittwoch von Berichten, wonach sich die großen Förderländer im kommenden Monat treffen wollen, um über eine Begrenzung der Produktion zu verhandeln. Außerdem waren die Ölvorräte der USA in der vergangenen Woche nicht so stark gestiegen wie befürchtet.

Ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent verteuerte sich im Vergleich zum US-Settlement um 2,0 Prozent auf 41,12 US-Dollar. US-Leichtöl der Sorte WTI kostete am späten Nachmittag 39,63 Dollar pro Fass, das war ein Anstieg um 3,0 Prozent.

Das Gold verteidigte seine Gewinne nach der Entscheidung der US-Notenbank und kostete am späten Nachmittag 1264 Dollar. Das waren etwa 30 Dollar mehr als vor Bekanntgabe der Fed-Zinsentscheidung. Das Edelmetall profitierte Beobachtern zufolge auch von seiner Funktion als Inflationsschutz, denn die langsameren Zinserhöhungen haben auch zum Ziel, die Inflation anzukurbeln. Dazu gewinnt das zinslos gehaltene Gold in einem Umfeld niedriger Zinsen an Attraktivität.

Devisen: Euro über 1,13 US-Dollar

Der Kurs des Euro hat seine starken Gewinne vom Vortag ausgebaut. Im Hoch kostete die Gemeinschaftswährung 1,1342 US-Dollar und damit so viel wie letztmalig Mitte Februar. Am späten Nachmittag waren es noch 1,1314 Dollar. Der amerikanische Dollar befand sich dagegen zu vielen Währungen auf dem Rückzug. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1311 (Mittwoch: 1,1064) Dollar festgesetzt.

Ausgangspunkt der starken Euro-Gewinne war die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed vom Mittwochabend. Anstatt vier Zinsanhebungen erwartet der geldpolitische Ausschuss nur noch zwei Zinsschritte in diesem Jahr. Der Dollarkurs wurde dadurch stark belastet. Seitdem hat der Euro zum Dollar um etwa zweieinhalb Cent zugelegt.

Noch stärker profitierten Währungen, die im Falle höherer US-Zinsen besonders stark unter Druck geraten würden. Zusätzliche Unterstützung erhielt der Südafrikanische Rand von einer abermaligen Zinsanhebung der südafrikanischen Zentralbank.

Quelle: n-tv.de

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