Wirtschaft
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"Es handelt nur, wer handeln muss": Euro zeigt sich lebhaft

Am Devisenmarkt sind die Umsätze dünn - doch die Ausschläge haben es in sich: In einer rasanten Achterbahnfahrt katapultiert sich die Gemeinschaftswährung zwischenzeitlich auf ein Zwei-Jahres-Hoch. Bergab geht es derweil für die Türkische Lira.

Am Devisenmarkt gibt es zum Wochenschluss noch einmal deutliche Bewegungen. So kletterte der Euro mit 1,3894 Dollar zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Aktuell kommt die Gemeinschaftswährung aber wieder kräftig zurück und notiert sogar wieder unterhalb von 1,38 bei 1,3777 Dollar. "Wir sehen bei dünnen Umsätzen, dass sich der Trend der vergangenen Tage verstärkt", sagt ein Händler. Der Euro gelte weiter als Fluchtwährung. Die EZB habe, im Gegensatz zu den anderen großen Notenbanken, kaum Möglichkeiten, die Währung zu schwächen.

Die Umsätze blieben zwischen Weihnachten und Neujahr aber gering. "Es handeln nur noch die, die müssen. Die Volumina sind extrem dünn", sagt ein Börsianer. Noch am Morgen tendierte die Gemeinschaftswährung deutlich unter 1,37 Dollar. Insgesamt ist der Euro vom Tagestief sogar um gut zwei Cent weggekommen. Händler beobachten, dass die Aufwärtsbewegung Stoploss-Orders ausgelöst und so die Bewegung verstärkt habe.

Am Nachmittag legte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3814 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7239 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen setzte die Zentralbank die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83665 britische Pfund, 145,02 japanische Yen und 1,2234 Schweizer Franken fest.

Vorläufer der Bilanzprüfung?

Einige Marktteilnehmer führten die Aufwärtsbewegung des Euro darüber hinaus auch auf die anstehende Bilanzprüfung der Banken durch die Europäische Zentralbank (EZB) zurück. "Die Banken wollen für die Gesundheitschecks gerüstet sein", sagt ein Händler. Deshalb versuchten die Geldhäuser in der Euro-Zone zum Jahresende ihre Bilanzen aufzubessern, was eine erhöhte Euro-Nachfrage nach sich ziehe.

Zugleich warnte Bundesbankchef Jens Weidmann vor den negativen Folgen von dauerhaft niedrigen Zinsen. Ein geringerer Preisdruck dürfe kein Freibrief für beliebige geldpolitische Lockerungen sein, sagte Weidmann, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sitzt. "Und wir müssen darauf achten, die Zinsen wieder rechtzeitig anzuheben, sollte sich Inflationsdruck aufbauen", sagte er der "Bild-Zeitung" laut einem Vorabbericht von Freitag.

Starke Verwerfungen an türkischen Märkten

Chart

Angesichts der Euro-Bewegung verweist der Händler auch auf die massive Flucht aus der Türkischen Lira. Wegen der weitreichenden Korruptionsvorwürfe gegen seine Vertrauten hatte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seine Regierung komplett neu aufgestellt. Dies drückt die türkische Lira zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit Einführung der aktuellen türkischen Währung Anfang 2005.

In der Türkei erschüttert der Korruptionsskandal das Vertrauen der Finanzmärkte in das aufstrebende Schwellenland. So mussten für einen US-Dollar zeitweise 2,1761 türkische Lira gezahlt werden und damit so viel wie noch nie. Neben der Währung gerieten aber türkische Staatsanleihen und der Aktienmarkt des Landes massiv unter Verkaufsdruck, nachdem sich ausländische Investoren teilweise aus dem Markt verabschiedet haben.

Bei der richtungsweisenden Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit stieg der Zinssatz im Vormittagshandel um 0,46 Prozent auf 10,27 Prozent. Zuvor erreichte die Rendite bei 10,33 Prozent den höchsten Stand seit 2010. "Die jüngsten Meldungen unterminieren die Fassade der Wirtschaftskompetenz der Regierung", sagt US-Anlagestratege Michael Shaoul von Marketfield Asset Management. Bisher galt der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan als Architekt des Aufschwungs in der Türkei.

Dem Dollar gelingt dagegen erstmals seit Oktober 2008 wieder der Sprung über die Marke von 105 Yen, er kann dieses Niveau allerdings nicht ganz behaupten. Die Devisen-Analysten der ANZ verweisen auf die schwache technische Verfassung der japanischen Devise und schließen einen Anstieg des Dollar bis auf 112 Yen nicht aus. Die Verbraucherpreise in Japan stiegen im November zum Vorjahr um 1,2 Prozent. Das ist zwar der stärkste Zuwachs seit langem.

Ökonomen rechnen aber damit, dass die Teuerung bald ihren Höhepunkt erreicht hat und die Bank von Japan dann im Kampf gegen die Deflation ihre Geldpolitik weiter lockert. Dadurch dürfte der Yen noch kräftiger abwerten.

Quelle: n-tv.de

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