Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Macht der Worte: Euro stürzt in die Tiefe

Die Leitzinsbestätigung der EZB sorgt zunächst nur für ein Zucken am Devisenmarkt. Doch die anschließenden Ausführungen von Notenbankchef Draghi befeuern den Eurokurs - um ihn kurz darauf deutlich zu drücken.

Der Euro sackt nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. In einem kurzzeitig hochnervösen Handel schnellt die Einheitswährung erst auf ein neues Zweieinhalbjahreshoch bei 1,3995 Dollar. Dann aber rauscht sie unter die Marke von 1,39 Dollar. Am Nachmittag geht der Euro zu 1,3863 Dollar um. Das Tagestief liegt bei 1,3949 Dollar.

Anleger lasen aus den ersten Kommentaren des EZB-Präsidenten nach der Zinsentscheidung heraus, dass quantitative Lockerungen derzeit keine ernsthafte Option für die EZB darstellen. Allerdings wendete sich das Blatt schon recht bald, als der Italiener dann geldpolitische Lockerung für Juni in Aussicht stellte.

"Der EZB-Rat ist bereit, nächstes Mal zu handeln", sagte Draghi bei der Erläuterung des jüngsten Zinsbeschlusses. Eine nicht unbeträchtliche Zahl von Beobachtern rechnet damit, dass die EZB ihre Politik im Juni weiter lockern wird. Sie halten sowohl Leitzinssenkungen inklusive eines negativen Satzes für Bankeinlagen bei der EZB als auch Maßnahmen für denkbar, die auf eine höhere Liquidität im Bankensystem zielen.

Am Nachmittag setzte die EZB den Referenzkurs auf 1,3953 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7167 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82330 britische Pfund, 141,95 japanische Yen und 1,2178 Schweizer Franken fest.

Sorgenkind Wechselkurs

Die Quartalszahlen zuletzt einmal mehr verdeutlicht, dass der starke Euro teils empfindlich an den Unternehmensgewinnen knabbert. Den hohen Wechselkurs bezeichnete Draghi als Risiko, dass die Inflation in nächster Zeit noch niedriger als von der Zentralbank erwartet ausfallen könnte. Die EZB werde sowohl geopolitische Risiken als auch die Entwicklung der Wechselkurse genau beobachten.

Bereits vor einigen Tagen hatte etwa der französische Premierminister Manuel Valls eine Abwertung des Euro gefordert - und sich prompt scharfe Widerworte der Bundesbank-Spitze eingehandelt. Valls hatte den starken Euro wiederholt als Bremsklotz für die französische Wirtschaft bezeichnet.

Muss Bank of England an die Zinsen?

Vor der EZB hatte bereits die Bank of England (BoE) trotz robusten Wachstums in Großbritannien an ihrer extrem lockeren Geldpolitik festgehalten. Der Leitzins blieb auf dem Rekordtief von 0,50 Prozent. Auch der 375 Milliarden Pfund schwere Bestand an Staatsanleihen wurde nicht angetastet. Die Beschlüsse entsprachen den Erwartungen an den Märkten. Im ersten Quartal ist die britische Wirtschaft mit der stärksten Rate seit sechs Jahren gewachsen. Zudem läuft der Immobiliensektor heiß. Damit steigen die Sorgen vor einer Preisblase.

Für BoE-Gouverneur Mark Carney wird es somit zunehmend schwieriger, an seinem Versprechen festzuhalten, die Zinsen für einen längeren Zeitraum niedrig zu halten. Bislang wurde damit gerechnet, dass die Notenbank frühestens im Frühjahr 2015 die Zinsschraube erstmals nach der Finanzkrise wieder anziehen wird. Nun rückt langsam eine Erhöhung noch in diesem Jahr in den Bereich des Möglichen.

Chinas Handesbilanz teibt Yuan

Unterdessen gehen auf der anderen Seite des Erdballs die überraschend positiv ausgefallenen Handelsbilanzdaten Chinas im April nicht spurlos am Yuan vorbei. Von knapp 6,2350 Yuan gibt der US-Dollar deutlich auf 6,2254 nach. Analysten rechnen damit, dass das Exportwachstum in den kommenden Monaten an Momentum gewinnen und der Yuan deswegen wieder aufwerten wird.

Angesichts der Konsolidierung bei den Exporten und den meisten Einkaufsmanagerindizes aus China gebe es eine gute Chance, dass die chinesische Notenbank nach der Abwertung des Yuan in den ersten Monaten wieder eine Erholung der Landeswährung zulassen werde, sagt Volkswirt Bill Adams von PNC Financial Services.

Russische Separatisten drücken Rubel

Derweil gerät die russische Landeswährung Rubel nach neuen schlechten Nachrichten zur Ukraine-Krise etwas unter Druck. So wollen die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine ihr Referendum über eine Abspaltung abhalten. Sie ignoriern einen Appell des russischen Präsidenten Wladimir Putin, auf die Abstimmung zu verzichten.

Der Rubel gibt anfängliche Gewinne zum US-Dollar ab. Für einen Dollar werden 34,915 Rubel gezahlt und damit 0,1 Prozent mehr als am Vortag. Beobachter weisen darauf hin, dass die Bewegung relativ klein sei und der breite Markt kaum auf die jüngste Entwicklung in der Ostukraine reagiere.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen