Devisen-VorschauEuro auf alles gefasst

Das Endspiel um die griechische Mitgliedschaft im Euroraum steht an. Zwar sind angeschlagene Boxer gefährlich, dass die bei den Verhandlungen um Schuldenschnitt und Rettungspaket in die Ecke getriebenen Hellenen jedoch gleich Selbstmord aus Angst vor dem Tod begehen werden, ist wenig wahrscheinlich. Daher dürfte Athen das bis Mittwoch laufende Ultimatum der Geber erfüllen. Der Euro wird davon nicht mehr profitieren, ist ein abermaliges Hilfsprogramm doch bereits eingepreist.
Angesichts des auf einen weiteren Höhepunkt zusteuernden
Dramas um Hellas bleibt den für die kommende Woche avisierten makroökonomischen
Kennziffern lediglich die Statistenrolle. Den Auftakt macht am Dienstag in
Deutschland der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen. Volkswirte rechnen für
Januar mit einem Anstieg auf minus 15,0 von minus 21,6 Punkten im Januar.
Manchen Ökonomen gilt der Indikator als guter Vorläufer des als wichtiger
erachteten ifo-Geschäftsklimaindex, der am 23. Februar auf dem Programm steht.
Aus den USA wird ebenfalls am Dienstag der Umsatz des
Einzelhandels im ersten Monat des laufenden Jahres erwartet. Für
Volkswirtschaften wie die US-Ökonomie, die den Feldversuch unternehmen, ohne
Verarbeitendes Gewerbe zu bestehen, ist der Private Konsum überlebenswichtig.
Volkswirte rechnen für Januar mit einem Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 0,7
Prozent binnen Monatsfrist. Für den guten Start 2012 dürften vor allem die
Autohändler gesorgt haben. Sie verkauften auf das Jahr hochgerechnet 14,1
Millionen Fahrzeuge, 4,7 Prozent mehr als im Dezember. Dies war der stärkste
Absatz seit dem Frühjahr 2008, sieht man von der durch die Abwrackprämie
zwischenzeitlich ausgelösten Spitze einmal ab. Da der Benzinpreis im Januar um
3 Prozent anzog, dürften auch Umsätze an den Tankstellen deutlich zugelegt
haben.
Am Mittwoch steht dann die US-Industrieproduktion auf der
Agenda. Sie sollte im Januar angesichts der Kauflust der Privaten Verbraucher
um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen sein. Im Verarbeitenden Gewerbe
zog die Fertigung angesichts des Anstiegs der Arbeitsstunden um 1,3 Prozent
wohl sogar noch stärker an. Bremsspuren dürfte jedoch die Produktion der
Energieversorger hinterlassen haben, die aufgrund des milden Winters wohl den
sechsten Monat in Folge zurückgegangen ist.
Ebenfalls zur Wochenmitte werden die Schnellschätzungen
zum Wirtschaftswachstum im Euroraum im vierten Quartal erwartet. Während das
deutsche Bruttoinlandsprodukt um lediglich 0,3 Prozent gegenüber dem
vorangegangenen Vierteljahr gesunken sein dürfte, wird die Wirtschaftsleistung
Italiens wohl gleich um 0,7 Prozent zurückgegangen sein. Für das gesamte
Gemeinsame Währungsgebiet erwarten Ökonomen ein Minus von 0,3 Prozent.
Mit dem Empire-State-Manufacturing-Index ist darüber
hinaus der erste regionale US-Stimmungsindikator für Februar avisiert. Hier
lautet der Volkswirtekonsens auf plus 14,5 nach plus plus 13,5 Punkten. Der
Index misst die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe der Region New York. Das
als weniger volatil und damit aussagekräftiger geltende Pendant für die Region
Philadelphia steht am Donnerstag auf dem Programm. Ökonomen rechnen mit plus
8,4 nach plus 7,3 Punkten im Vormonat. Beide Stimmungsindikatoren gelten als
wichtige Vorläufer des landesweiten ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe,
der für den 1. März angekündigt ist.
Die Protagonisten in den kommenden Tagen werden
allerdings ohne Zweifel die Hellenen sein. Denn nachdem sich die Geber
angesichts der vorangegangenen Enttäuschungen entschlossen haben, Athen noch
stärker an die Kandare zu nehmen, müssen sie bis Mittwoch beweisen, dass sie
die beschlossenen Sparmaßnahmen auch umsetzen können. Dabei sind drei Bedingungen
zu erfüllen: Das Parlament muss am Sonntag dem mit der EU und dem IWF
ausgehandelten Abkommen zustimmen. Zudem müssen 2012 weitere 325 Mio. Euro
eingespart werden. Und schließlich müssen sich alle Athener Regierungsparteien
schriftlich zum Spar- und Reformprogramm bekennen.
Allerdings hat der Führer der rechts-populistischen
LA.O.S, Giorgios Karatzaferis, bereits angekündigt, er werde keine
"Demütigung" des Landes hinnehmen und nicht zustimmen. Doch das kann
nicht sonderlich überraschen, steht die Mehrheit für die Zustimmung doch
rechnerisch auch ohne LA.O.S. Und angesichts des im April anstehenden
Urnengangs macht solch patriotisches Gehabe beim Wahlvolk einen schlanken Fuß.
Doch letztlich werden es sich die Griechen auch
unabhängig davon sehr genau überlegen, ob sie nicht das Lied derjenigen singen
wollen, deren Brot sie essen. Denn die Alternative wäre wohl noch
schmerzhafter, das zeigt der Blick nach Argentinien, das nach dem
Staatsbankrott 2001 kurz vor einem Bürgerkrieg stand. Und letztlich war auch
Zeus so sehr in Europa verliebt, dass er mit ihr drei Kinder zeugte.