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Devisen-VorschauEuro auf alles gefasst

11.02.2012, 17:44 Uhr
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Letzte Runde? (Foto: dapd)

Das Endspiel um die griechische Mitgliedschaft im Euroraum steht an. Zwar sind angeschlagene Boxer gefährlich, dass die bei den Verhandlungen um Schuldenschnitt und Rettungspaket in die Ecke getriebenen Hellenen jedoch gleich Selbstmord aus Angst vor dem Tod begehen werden, ist wenig wahrscheinlich. Daher dürfte Athen das bis Mittwoch laufende Ultimatum der Geber erfüllen. Der Euro wird davon nicht mehr profitieren, ist ein abermaliges Hilfsprogramm doch bereits eingepreist.

Angesichts des auf einen weiteren Höhepunkt zusteuernden

Dramas um Hellas bleibt den für die kommende Woche avisierten makroökonomischen

Kennziffern lediglich die Statistenrolle. Den Auftakt macht am Dienstag in

Deutschland der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen. Volkswirte rechnen für

Januar mit einem Anstieg auf minus 15,0 von minus 21,6 Punkten im Januar.

Manchen Ökonomen gilt der Indikator als guter Vorläufer des als wichtiger

erachteten ifo-Geschäftsklimaindex, der am 23. Februar auf dem Programm steht.

Aus den USA wird ebenfalls am Dienstag der Umsatz des

Einzelhandels im ersten Monat des laufenden Jahres erwartet. Für

Volkswirtschaften wie die US-Ökonomie, die den Feldversuch unternehmen, ohne

Verarbeitendes Gewerbe zu bestehen, ist der Private Konsum überlebenswichtig.

Volkswirte rechnen für Januar mit einem Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 0,7

Prozent binnen Monatsfrist. Für den guten Start 2012 dürften vor allem die

Autohändler gesorgt haben. Sie verkauften auf das Jahr hochgerechnet 14,1

Millionen Fahrzeuge, 4,7 Prozent mehr als im Dezember. Dies war der stärkste

Absatz seit dem Frühjahr 2008, sieht man von der durch die Abwrackprämie

zwischenzeitlich ausgelösten Spitze einmal ab. Da der Benzinpreis im Januar um

3 Prozent anzog, dürften auch Umsätze an den Tankstellen deutlich zugelegt

haben.

Am Mittwoch steht dann die US-Industrieproduktion auf der

Agenda. Sie sollte im Januar angesichts der Kauflust der Privaten Verbraucher

um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen sein. Im Verarbeitenden Gewerbe

zog die Fertigung angesichts des Anstiegs der Arbeitsstunden um 1,3 Prozent

wohl sogar noch stärker an. Bremsspuren dürfte jedoch die Produktion der

Energieversorger hinterlassen haben, die aufgrund des milden Winters wohl den

sechsten Monat in Folge zurückgegangen ist.

Ebenfalls zur Wochenmitte werden die Schnellschätzungen

zum Wirtschaftswachstum im Euroraum im vierten Quartal erwartet. Während das

deutsche Bruttoinlandsprodukt um lediglich 0,3 Prozent gegenüber dem

vorangegangenen Vierteljahr gesunken sein dürfte, wird die Wirtschaftsleistung

Italiens wohl gleich um 0,7 Prozent zurückgegangen sein. Für das gesamte

Gemeinsame Währungsgebiet erwarten Ökonomen ein Minus von 0,3 Prozent.

Mit dem Empire-State-Manufacturing-Index ist darüber

hinaus der erste regionale US-Stimmungsindikator für Februar avisiert. Hier

lautet der Volkswirtekonsens auf plus 14,5 nach plus plus 13,5 Punkten. Der

Index misst die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe der Region New York. Das

als weniger volatil und damit aussagekräftiger geltende Pendant für die Region

Philadelphia steht am Donnerstag auf dem Programm. Ökonomen rechnen mit plus

8,4 nach plus 7,3 Punkten im Vormonat. Beide Stimmungsindikatoren gelten als

wichtige Vorläufer des landesweiten ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe,

der für den 1. März angekündigt ist.

Die Protagonisten in den kommenden Tagen werden

allerdings ohne Zweifel die Hellenen sein. Denn nachdem sich die Geber

angesichts der vorangegangenen Enttäuschungen entschlossen haben, Athen noch

stärker an die Kandare zu nehmen, müssen sie bis Mittwoch beweisen, dass sie

die beschlossenen Sparmaßnahmen auch umsetzen können. Dabei sind drei Bedingungen

zu erfüllen: Das Parlament muss am Sonntag dem mit der EU und dem IWF

ausgehandelten Abkommen zustimmen. Zudem müssen 2012 weitere 325 Mio. Euro

eingespart werden. Und schließlich müssen sich alle Athener Regierungsparteien

schriftlich zum Spar- und Reformprogramm bekennen.

Allerdings hat der Führer der rechts-populistischen

LA.O.S, Giorgios Karatzaferis, bereits angekündigt, er werde keine

"Demütigung" des Landes hinnehmen und nicht zustimmen. Doch das kann

nicht sonderlich überraschen, steht die Mehrheit für die Zustimmung doch

rechnerisch auch ohne LA.O.S. Und angesichts des im April anstehenden

Urnengangs macht solch patriotisches Gehabe beim Wahlvolk einen schlanken Fuß.

Doch letztlich werden es sich die Griechen auch

unabhängig davon sehr genau überlegen, ob sie nicht das Lied derjenigen singen

wollen, deren Brot sie essen. Denn die Alternative wäre wohl noch

schmerzhafter, das zeigt der Blick nach Argentinien, das nach dem

Staatsbankrott 2001 kurz vor einem Bürgerkrieg stand. Und letztlich war auch

Zeus so sehr in Europa verliebt, dass er mit ihr drei Kinder zeugte.

Quelle: DJ