Wirtschaft
Europaflagge auf dem Reichstagsgebäude: Wie lange hält Deutschland durch?
Europaflagge auf dem Reichstagsgebäude: Wie lange hält Deutschland durch?(Foto: picture alliance / dpa)

Eurozone in der Rezession: Euro drückt nach oben

Drei politische Themenkomplexe beherrschen aus der Sicht von Devisenstrategen die Großwetterlage im internationalen Handel: Der Umgang mit Griechenland, die Perspektiven in Washington und die Personalentscheidungen in Peking. Neue Anhaltspunkte kommen aus der Eurozone.

Hat möglicherweise mehr Einfluss auf den Lauf der Weltwirtschaftsgeschichte als die "Fiskalklippe": Die Ernennung von Xi Jinping zum neuen Parteichef in China.
Hat möglicherweise mehr Einfluss auf den Lauf der Weltwirtschaftsgeschichte als die "Fiskalklippe": Die Ernennung von Xi Jinping zum neuen Parteichef in China.(Foto: AP)

Etwas besser als erwartet ausgefallene Wachstumsdaten in einigen europäischen Ländern haben den Euro leicht angeschoben. Die Gemeinschaftswährung stieg bis auf 1,2773 Dollar nach 1,2735 Dollar im New Yorker Vortagesgeschäft. Zuletzt notierte der Euro bei 1,2757 Dollar.

Überrascht haben vor allem die BIP-Daten aus Italien und Frankreich. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts fiel in Italien im dritten Quartal mit 0,2 Prozent weniger stark aus als befürchtet. Die französische Wirtschaft ist von Juli bis September dagegen sogar gewachsen: Das BIP stieg um 0,2 Prozent. Von Im Vorfeld befragte Ökonomen hatten eine Stagnation vorausgesagt.

Insgesamt sank die Wachstumsrate der Eurozone um 0,1 Prozent im Vergleich zum Frühjahr. Die Vorab-Schätzungen lagen bei einem Minus von 0,2 Prozent. "Die Eurozone ist zwar klar in einer rezessiven Phase, aber immerhin gab es einige positive Überraschungen", sagte ein Händler.

Überraschend schlechte Einzelhandelsdaten aus Großbritannien drückten dagegen das Pfund Sterling am Donnerstag auf ein Zwei-Monats-Tief. Die Währung des Vereinigten Königreichs gab zum Dollar zeitweise auf 1,5828 Dollar nach. Die Einzelhandelsumsätze in Großbritannien sind im Oktober um 0,8 Prozent gesunken - Analysten hatten nur mit einem Rückgang um 0,1 Prozent gerechnet. Das verstärke die schlechte Stimmung, sagte ein Händler. Die Bank of England hatte sich am Mittwoch skeptisch zur Entwicklung der britischen Konjunktur geäußert und die Türen für eine weitere geldpolitische Lockerung offen gehalten.

Ein neuer Mann lenkt China

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Asiatische Devisenexperten mussten sich dagegen auch mit möglicherweise epochalen Weichenstellungen in der Führungsriege der staatlich gelenkten chinesischen Volkswirtschaft befassen: Der Stellvertreter des chinesischen Präsidenten , Xi Jinping, ist zum Abschluss des 18. Volkskongresses zum neuen Chef der Kommunistischen Partei ernannt worden.

Xi werde auch die Führung des chinesischen Militärs übernehmen, berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Der Politiker dürfte mit der Ernennung zum Chef der Kommunistischen Partei Chinas nun auch für das Amt des Staatschefs gesetzt sein.

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Wie Xinhua weiter berichtete, wurde der stellvertretende Regierungschef Li Keqiang in den innersten Parteizirkel befördert; er dürfte damit den amtierenden Ministerpräsidenten beerben. Die beiden Politiker werden voraussichtlich im März mit ihren neuen Aufgaben betraut und dürften zehn Jahre im Amt bleiben. Die Weichen für den historischen Machtwechsel wurden auf dem einwöchigen Parteitag leitet Machtwechsel ein der Kommunistischen Partei in Peking gestellt.

Spekulationen um die Zentralbankspitze

Chinas Zentralbankchef scheint den Wiedereinzug in den inneren Machtzirkel der Kommunistischen Partei verpasst zu haben. Zhou Xiaochuan wird seinen Posten voraussichtlich räumen müssen. Auf dem KP-Parteitag fehlte der Name von Zhou Xiaochuan auf der Liste des 205-köpfigen Zentralkomitees, aus dem sich alle Führungskader der obersten Ebene rekrutieren. Damit dürfte Zhou als Zentralbankchef bald seinen Hut nehmen müssen.

Bereits am Wochenende waren Spekulationen über seinen Abgang aufgekommen, als Zhou auf einer Pressekonferenz darauf angesprochen wurde. Der Notenbank-Gouverneur wird im Januar 65 Jahre alt. Diese Altersgrenze gilt generell für Führungsmitglieder mit Kabinettsrang, doch hielten sich nicht immer alle Amtsinhaber daran. Zhou führt die chinesische Notenbank bereits seit knapp zehn Jahren. Ob China damit auch in der Geldpolitik vor einem größeren Kurswechsel steht, blieb zunächst unklar.

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Vor dem Hintergrund der Rezessionsgefahr in Japan und den anstehenden Neuwahlen legte der US-Dollar weiter gegenüber dem japanischen Yen zu. Ein Dollar kostete zuletzt 80,86 Yen. Am späten Mittwoch in New York lag er noch bei 80,24 Yen. Das entspricht einem Anstieg von 1,1 Prozent über Nacht. Der Yen hatte am Mittwoch den stärksten Rückgang gegenüber dem Dollar in mehr als zwei Monaten verzeichnet.

Japans Premier hat sich für Neuwahlen ausgesprochen. Es wird damit gerechnet, dass die liberal-demokratische Partei, die sich derzeit in der Opposition befindet, als Sieger aus der Wahl hervorgehen wird. Sie setzt zur Unterstützung der Wirtschaft auf die Notenpresse, was den Yen gegenüber dem US-Dollar schwächen dürfte.

Washington droht die Lähmung

Schwerer als Pekinger Personalfragen und japanische Konjunktursorgen wiegen aus der Sicht der Devisenmärkte derzeit jedoch die Sorgen um die Budgetverhandlungen in den USA. Sie hätten auch an der New Yorker Der Wall Street dickes Minus die Stimmung zuletzt schwer belastet, hieß es. "Es gibt deutliche Bedenken hinsichtlich der drohenden USA nähern sich der Klippe und dem Willen der Politiker für eine Lösung", sagte John Buckingham von Al Frank Asset Management.

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US-Präsident Barack Obama machte zuletzt deutlich, wie er die Obama setzt Prioritäten mit den Republikanern führen will. Er möchte die Mittelschicht weiter von den Steuergeschenken der Bush-Regierung profitieren lassen, die Wohlhabenden aber stärker zur Kasse bitten. Dagegen wehren sich die Republikaner, die Steuererhöhungen ablehnen und lieber Sozialleistungen streichen wollen. Das Krisenszenario einer parteipolitisch motivierten Blockade steht damit weiter ernsthaft im Raum.

Wirtschaftliche Sorgen zweitrangig

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Wirtschaftliche Fragen hinsichtlich einer Konjunkturerholung blieben im Hintergrund. Das Protokoll der Sitzung des Offenmarktauschusses (FOMC) der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) vom 23. und 24. Oktober hatte kaum Auswirkungen auf die Lagebeurteilung.

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Geteilter Meinung sind die Mitglieder des FOMC demnach, wie lange sie die fortsetzen sollen. Ein Teil der Ausschussmitglieder befürchtet, dass die Fed Schwierigkeiten bekommt, die geschaffene Liquidität im Falle eines Aufschwungs wieder einzufangen. Der andere Teil will die Bond-Ankäufe weit ins kommende Jahr hinein fortsetzen. Für die Fed stellt sich die Frage auch vor dem Hintergrund, der im Dezember auslaufenden "Operation Twist".

Belastet zeigten sich die Märkte am Vorabend auch von schwachen Umsätzen im US-Einzelhandel und den neuesten Daten zur Inflation im Dollarraum. Im Oktober sanken die Einzelhandelserlöse in den USA um 0,3 Prozent und damit etwas stärker als mit minus 0,2 Prozent erwartet. Zugleich reduzierten sich auch die Erzeugerpreise im Oktober um 0,2 Prozent, obwohl hier mit einem leichten Preisauftrieb gerechnet worden war. Auch die viel beachtete Kerninflation fiel. Zum Einzelhandelsumsatz sprach ein Analyst von möglichen Belastungen aufgrund des Wirbelsturms Sandy. "Dennoch mahnen die Daten bezüglich des Konsums im vierten Quartal zur Vorsicht", so der Teilnehmer weiter.

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Quelle: n-tv.de

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