Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

US-Jobmarkt und EZB: Euro fällt auf neues Jahrestief

Unveränderte Gemengelage - unveränderte Reaktion: Spekulationen über die Zinswende in den USA sowie Hoffnungen auf eine weitere EZB-Hilfen setzen dem Euro zu. Die Gemeinschaftswährung richtet sich scheinbar unterhalb der Marke von 1,23 Dollar ein.

Anhaltende Spekulationen auf eine nahende Zinserhöhung in den USA sowie Ausführungen eines EZB-Mitglieds zur Inflation schicken den Euro auf ein neues Jahrestief. Die Gemeinschaftswährung setzt bis auf 1,2247 Dollar zurück und stabilisiert sich dann.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2258 Dollar fest - gut ein Cent weniger als am Freitag. Der Dollar kostete damit 0,8158 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,78450 britische Pfund, 148,45 japanische Yen und 1,2023 Schweizer Franken fest.

"Das ist nun eher eine Euro-Schwäche als eine Dollar-Stärke", sagt ein Händler. Denn der Euro tendiert auch gegen den Yen schwach, der sich wiederum gegen den Dollar von seinen jüngsten Tiefs etwas erholt. Zur Begründung verweisen Händler auf die Abstufung Italiens, die die Spekulationen um Staatsanleihenkäufe der EZB erneut befeuert. 

Hinzu kämen Zinserhöhungsspekulationen, die einmal mehr von den US-Arbeitsmarktdaten genährt würden, sagen Börsianer. Im November entstanden in den USA 321.000 neue Jobs - so viele wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Außerdem profitiere der Dollar von der Schwäche der europäischen und der japanischen Währung, schrieben die Analysten der Societe Generale (SocGen) in einem Kommentar. Schließlich planten die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan (BoJ) eine weitere Lockerung ihrer jeweiligen Geldpolitik. Aus diesem Grund habe der Dollar noch viel Luft nach oben.

Anhaltende Spekulationen auf eine nahende Zinserhöhung treiben den Dollar. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, stieg um 0,2 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Hoch von 89,518 Punkten. Zur japanischen Währung markierte der "Greenback" mit 121,81 Yen sogar ein Sieben-Jahres-Hoch. britische Pfund notierte mit 1,5539 Dollar auf dem Niveau von September 2013.

Nowotny: Teuerung wird weiter sinken

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Obendrein schätzt Österreichs Zentralbankchef Ewald Nowotny, dass die Teuerung in der Euro-Zone in den nächsten Monaten weiter zurückgehen. "Für das erste Quartal 2015 müssen wir mit großer Wahrscheinlichkeit mit sinkenden Inflationsraten rechnen", sagte Nowotny. Damit dürfte die Teuerung in "sehr sensible Bereiche" fallen.

Die EZB steht an der Schwelle zu weiteren Maßnahmen gegen die seit langem schwache Konjunktur und die für ihren Geschmack viel zu niedrige Inflation. Erst in der vergangenen Woche hatte EZB-Präsident Mario Draghi die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik weit aufgemacht. Im Gespräch sind auch Staatsanleihenkäufe, die in Deutschland sehr kritisch gesehen werden.

Nowotny malte zudem ein dunkles Bild von der Konjunktur in der Euro-Zone. Diese sei derzeit die "Schwachstelle der Weltwirtschaft". Aktuell sei eine "massive Abschwächung der Konjunktur im Euro-Raum" zu beobachten, gegen die die EZB sich stemmen werde, so das Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB). Dies solle über die Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1000 Milliarden Euro geschehen.

Ohne Zentralbank rollte der Rubel - hinab

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Die Talfahrt der Ölpreise hat am die Börse in Moskau und den Rubel unter Druck gesetzt. Der Micex-Leitindex für die in Rubel gelisteten Aktien fiel um bis zu 3,5 Prozent, der RTS-Index für die Dollar-Werte verlor bis zu 4,2 Prozent. Der Rubel fiel zum Dollar um 2,2 Prozent. Anzeichen für eine Intervention der Zentralbank machten Händler in Moskau zunächst nicht aus.

"Die einzige Stütze für den Rubel ist die Zentralbank, ohne sie kann der Rubel nur nach unten rollen", sagte ein Händler. Allerdings sei der Erfolg solcher Käufe bei einem ohnehin steigenden Dollarkurs und fallenden Ölpreisen fraglich. Somit könnte eine Zinserhöhung letztlich die einzige Waffe gegen den Kursverfall des Rubel sein. Die Zentralbank berät am Donnerstag die Zinspolitik. Schon im Oktober hatte sie die Zinsen um 1,5 Prozent auf 9,5 Prozent erhöht. Die Einschätzungen, ob sie weiter an der Zinsschraube dreht, gehen auseinander.

Südafrika bereitet Sorgen

In Südafrika haben enttäuschende Konjunkturdaten die Währung des Landes auf Talfahrt geschickt. Ein US-Dollar verteuerte sich um bis zu 1,2 Prozent und war mit 11,4835 Rand so teuer wie zuletzt im Oktober 2008. Südafrikanische Anleihen warfen Investoren ebenfalls aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der richtungsweisenden Titel mit einer Laufzeit bis 2026 auf 7,825 Prozent.

Das Defizit der südafrikanischen Leistungsbilanz - der Summe aller grenzüberschreitend gehandelten Waren und Dienstleistungen sowie der Geldströme - ging zwar im dritten Quartal auf sechs von revidierten 6,3 Prozent im Vorquartal zurück. Analysten hatten im Schnitt jedoch mit einem Wert von 5,8 Prozent gerechnet. Dies sei ein weiteres schlechtes Omen für die anstehende Überprüfung der südafrikanischen Bonitätsnote durch die Rating-Agentur Fitch, sagte Volkswirtin Razia Khan von Standard Chartered.

Quelle: n-tv.de

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