Mittwoch, 21. Juli 2010
Fed-Chef: "Unsicherheit": Euro fällt nach Bernanke-Rede
Der Termin ist eigentlich Routine: Der US-Kongress bittet den Notenbankchef alle sechs Monate um einen Bericht zur Lage der Wirtschaft. Doch diesmal fallen Bernankes Formulierungen auf einen unguten Nährboden. Am Devisenmarkt schießen die Spekulationen ins Kraut.Aussagen von Top-Notenbanker Ben Bernanke zur Situation der US-Wirtschaft haben den Euro am Mittwoch im New Yorker Handel deutlich unter Druck gebracht.
Die zuvor über weite Strecken seitwärts tendierende Gemeinschaftswährung rutschte mit dem Beginn der Rede vor dem Senat auf ein Tief von 1,2734 US-Dollar ab. Marktteilnehmer begründeten dies mit der gestiegenen Risikoscheu angesichts unklarer Konjunkturperspektiven. Der Dollar selbst gilt als vergleichsweise "sicherer Hafen".
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor noch auf 1,2817 (Dienstag: 1,2844) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7802 (0,7786) Euro.
Der Fed-Chef hatte unter anderem von einem unsicheren Ausblick gesprochen. Angesichts der trägen Erholung deutete Bernanke darüber hinaus neue Schritte zur Ankurbelung der Wirtschaft an.
Die Federal Reserve (Fed) sei darauf vorbereitet, weitere geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen, um das Wachstum in den USA zu befördern, sagte Bernanke. Dies könnte angesichts "ungewöhnlich unsicheren Wirtschaftsausblick" notwendig werden.
Konkrete Schritte nannte Bernanke in seinem halbjährlichen Konjunkturbericht vor dem US-Senat jedoch nicht. Zudem unterstrich er, dass die Notenbank weiter die Beendigung unkonventioneller Maßnahmen verfolge, die während der Finanzkrise ergriffen wurden.
US-Wachstum bis zu 3,5 Prozent
Wegen der eher langsamen Erholung sei es auch notwendig, die Zinsen für einen "längeren Zeitraum" auf dem historisch niedrigen Niveau zu belassen. Zwar sei die Erholung unter anderem wegen einer steigenden Binnennachfrage und zunehmenden Exporten insgesamt auf einem guten Weg. So sei für 2010 beim Wachstum mit einem Plus zwischen 3 und 3,5 Prozent zu rechnen. Doch es bestünden auch große Risiken, sagte der Fed-Chef.
Insbesondere die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den USA gäbe Anlass zur Sorge, weil sie den Konsum belaste. Darüber hinaus sei der Häusermarkt nach wie vor schwach, das Überangebot an Immobilien drücke auf die Preise. Zudem nannte Bernanke die europäische Schuldenkrise als großen Unsicherheitsfaktor.
mmo/dpa
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