Wirtschaft
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Griechenland-Hilfen kommen: Euro gibt nach

Die Griechen bekommen ihr zweites Milliardenpaket. Die Skepsis am Markt bleibt dennoch. Das bekommt der Euro deutlich zu spüren.

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Der Euro profitiert nur kurz von der Verabschiedung des zweiten Rettungspakets für Griechenland. Nach der Einigung steigt die Gemeinschaftswährung am Morgen zwar auf 1,3292 US-Dollar, im Verlauf fällt sie allerdings wieder zurück und tendiert am frühen Nachmittag bei 1,3214 Dollar. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagmittag noch auf 1,3266 Dollar festgesetzt.

Am frühen Dienstagmorgen hatten die Finanzminister des Euroraums das zweite Hilfspaket für Griechenland freigegeben. Das hochverschuldete Mittelmeerland erhält von öffentlichen Geldgebern weitere 130 Mrd. Euro. Die privaten Gläubiger Athens, in erster Linie Banken und Versicherungen, müssen tiefer als bislang geplant in die Tasche greifen. Im Gegenzug hat sich Griechenland zu einem harten Spar- und Reformkurs verpflichtet, dessen Umsetzung scharf kontrolliert werden soll.

"Die Einigung bewegt sich zu sehr im Rahmen der Erwartungen, um größere Bewegungen auszulösen", hieß es von einem Teilnehmer. Außerdem ist noch unklar, wie viele private Gläubiger sich an dem Schuldenschnitt freiwillig beteiligen. Die Zahl wird für Mittwoch erwartet. Sollte die Beteiligung nicht ausreichen, hat die griechische Regierung bereits angekündigt, diese notfalls durch Gesetzesänderungen zu erzwingen.

Daneben muss das zweite Rettungspaket noch durch eine Reihe nationaler Parlamente verabschiedet werden. Insgesamt wird das Paket als leicht positiv an den Märkten für den Euro gewertet. Allerdings sind Anleger skeptisch hinsichtlich der langfristigen Aussichten der Gemeinschaftswährung. Angesichts der hohen Implementierungsrisiken ist vollkommen unklar, ob Griechenland mit diesem Paket tatsächlich gerettet ist. Auch könnte Portugal in Zukunft ein neues Hilfspaket benötigen.

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Einige Analysten lasen aus den Vereinbarungen denn auch wenig Positives für den Euro heraus. Der etwas höher als erwartet ausgefallene Schuldenschnitt für private Gläubiger sei für den Devisenmarkt nicht relevant, argumentiert die Commerzbank. Die angestrebte Senkung des Schuldenstands auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dürfte ebenfalls kaum interessieren: "Zu sehr dürfte das Vertrauen des Devisenmarktes in den letzten Jahren gelitten haben, als dass noch jemand auf von Politikern verkündete Schuldenziele hört", schreibt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Ich vermute, dass zumindest eine große Minderheit im Devisenmarkt überhaupt nicht glaubt, dass Griechenland es bis 2020 ohne weiteren Schuldenschnitt schaffen wird."

Portugal im Fokus

Am Rentenmarkt war zumindest eine gewisse Erleichterung spürbar: Die Renditen italienischer und spanischer zehnjähriger Anleihen gaben etwas nach und bewegten sich um 5,44 (spätes Vortagesgeschäft: 5,84) beziehungsweise 5,13 (5,17) Prozent. Die als sichere Häfen geltenden Bundesanleihen fiel um bis zu 20 Ticks, so dass die Rendite auf 1,99 (1,97) Prozent stieg.

Ein anderer Trend war dagegen bei portugiesischen Papieren zu beobachten. Die zehnjährigen Anleihen des finanziell ebenfalls klammen Staats gaben nach und die Rendite kletterte auf 12,41 (12,28) Prozent. "Portugal hat zunächst einmal weniger Hilfe gebraucht als Griechenland, aber die Befürchtung ist wohl, dass Portugal in absehbarer Zeit ebenfalls zusätzliche Hilfen benötigen könnte", sagt ein Händler.

Portugal tritt solchen Spekulationen entgegen. Allerdings hat der portugiesische Oppositionschef Antonio Seguro von den internationalen Geldgebern zuletzt eine Fristverlängerung zur Umsetzung des verordneten strengen Sparkurses gefordert. Das derzeitige Hilfsprogramm hat ein Volumen von 78 Mrd. Euro. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte unlängst seine Bereitschaft angedeutet, Portugal notfalls bei dem mit EU und IWF vereinbarten Rettungsprogramm entgegenzukommen.

Quelle: n-tv.de

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