Wirtschaft
James Bullard: Das "Tapering" könnte im Oktober beginnen - vorausgesetzt die Konjunkturdaten rechtfertigen eine  Drosselung.
James Bullard: Das "Tapering" könnte im Oktober beginnen - vorausgesetzt die Konjunkturdaten rechtfertigen eine Drosselung.(Foto: REUTERS)

Fed-Spekulationen aus St. Louis: Euro hält sich knapp über 1,35

An den Devisenmärkten blicken Währungsstrategen ungewöhnlich ratlos in Richtung Wochenende: Gerade erst hat die US-Notenbank gekniffen und bei ihrer ultralockeren Geldpolitik festgehalten, da streut der Chef der Notenbank von St. Louis Gerüchte, dass es im Oktober losgeht.

Der Euro hat am Freitag einen Großteil seiner jüngsten Gewinne verteidigt. Gleichwohl ist eine leichtes Zucken nicht zu übersehen. Für Druck auf den Euro sorgen Spekulationen über eine Drosselung der Fed-Anleihenkäufe. Auch europäische Anleihen reagierten mit Abschlägen. Der Chef der Notenbank von St. Louis, James Bullard, hat in einem Bloomberg-Interview gesagt, ein Rückfahren der milliardenschweren Konjunkturhilfen schon im Oktober sei möglich. Erst am Mittwochwabend hatte die US-Notenbank die Märkte jedoch damit überrascht, dass sie genau das nicht getan hat und vorerst auch nicht vor hat.  

Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,3509 Dollar, vor den Aussagen hatte sie um 1,3545 Dollar notiert. Am Donnerstag war sie in Reaktion auf den überraschenden Fed-Entscheid über eine Fortsetzung der massiven Konjunkturhilfen bis auf ein Siebeneinhalb-Monats-Hoch von 1,3569 Dollar gestiegen.

Ein Dollar war zuletzt 0,7399 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs am Donnerstagmittag auf 1,3545 (Mittwoch: 1,3352) Dollar festgesetzt.

Der Bund-Future gab auf Tagessicht 37 Ticks nach auf 138,19 Zähler, vor den Äußerungen Bullards hatte er um 138,45 Zähler notiert. Der Dax verlor wenige Punkte und notierte kaum verändert um 8691 Punkte.  

Analysten gehen davon aus, dass sich Anleger im Lauf des Tages für die Bundestagswahlen am Sonntag positionieren werden. Dass die Wahl starke Spuren am Devisenmarkt hinterlassen wird, gilt unter Beobachtern als unwahrscheinlich. Als Hauptgrund wird das parteiübergreifende Bekenntnis zu einer gemeinsamen europäischen Währung genannt.

"Interessant für den Devisenmarkt dürfte es erst werden, wenn die Alternative für Deutschland (AfD) ins Parlament einzieht", schrieb die Commerzbank unter Verweis darauf, dass die Partei jegliche Hilfsprogramme für in Not geratene Länder ablehne. "So gesehen, wäre es also nicht ganz unlogisch, wenn der Devisenmarkt den Einzug dieser Partei ins Parlament mit Euro-Verlusten quittieren würde." Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA könnte die AfD den Einzug in den Bundestag schaffen.

Veränderte Prioritäten?

Die Konjunkturdaten am Donnerstaf hatten durchweg überzeugt: Vor allem der Konjunkturindex der regionalen US-Notenbank aus Philadelphia ("Philly-Fed-Index") fiel deutlich besser aus als erwartet, konnte aber den Märkten wenig Impulse verleihen. Beobachter wogen stattdessen immer noch das Für und Wider der Notenbankbeschlüsse ab. Einige zeigten sich irritiert von der Kommunikation der Fed vor ihrer Sitzung.

"Zu Recht stellen sich viele Marktteilnehmer nun wohl die Frage, was Hinweise der Fed letztlich wert sind", meinte zum Beispiel Lutz Karpowitz von der Commerzbank. In der Entscheidung sah er letztlich einen Hinweis, dass die Fed aus der ultraexpansiven Geldpolitik eigentlich gar nicht aussteigen wolle. Dass fast alle FOMC-Mitglieder trotz spürbaren Wirtschaftswachstums an den Wertpapierkäufen festhielten, könne darauf hindeuten, dass sich die Prioritäten in der US-Geldpolitik verschoben hätten, so Karpowitz.

Rupie reagiert auf Leitzinsanhebung

Die überraschende Leitzinsanhebung der indischen Notenbank konnte die Indische Rupie derweil nicht beflügeln. Volkswirte hätten eine Anhebung des Leitzinsniveaus in Indien nicht auf der Rechnung gehabt, hieß es im Handel. Der Schritt sei erforderlich, um die Teuerung auf ein erträglicheres Niveau zu bringen, verlautbarte der neue Notenbankgouverneur Raghuram Rajan.

Doch die Indische Rupie wurde von der Zinserhöhung nicht gestützt. Zwar stieg der Kurs in einer ersten Reaktion, der US-Dollar fiel bis auf 61,88 Rupien von Kursen knapp über 62 Rupien. Doch dann schnellte der Dollar bis auf 62,47 Rupien in die Höhe. Aktuell geht dieser bei 62,28 Rupien um.

Laut Devisenhändlern reagierte die indische Währung auf den Abwärtsstrudel am indischen Aktienmarkt, wo die Leitzinsanhebung für erheblichen Verkaufsdruck sorgte. Ein Dollar-Tagesschluss über 62,45 Rupien löste aus technischer Sicht weiteren Verkaufsdruck bei der Rupie aus, heiß es im Handel.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen