Wirtschaft
Große Enttäuschung am Finanzmarkt: Die Währungshüter der USA signalisieren, dass sie die sehr lockere Geldpolitik weiterhin gemäßigt drosseln wollen.
Große Enttäuschung am Finanzmarkt: Die Währungshüter der USA signalisieren, dass sie die sehr lockere Geldpolitik weiterhin gemäßigt drosseln wollen.(Foto: REUTERS)

US-Daten deckeln Dollar: Euro hält sich wacker

Die europäische Gemeinschaftswährung ist nach den kräftigen Kursgewinnen in dieser Woche zunächst nicht zu großen Sprüngen aufgelegt. Doch dann legt sie überraschend zu. Händler stehen vor einem Rätsel.

Der Euro hat am Nachmittag plötzlich an Wert gewonnen. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete 1,3744 Dollar und näherte sich damit dem Siebenwochenhoch von 1,3773 Dollar. Zwischenzeitlich hatte der Euro sogar die Marke von 1,3750 Dollar überwunden.

Im Devisenhandel konnte man sich auf die schnelle Bewegung keinen Reim machen und sprach von einem ordergetriebenen Geschäft. Fundamentale Gründe seien jedenfalls nicht zu erkennen, und die nur leicht schwächeren US-Immobilienmarktdaten seien kein überzeugender Grund, hieß es.

Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs noch auf 1,3707 Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,7296 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82183 britische Pfund, 140,50 japanische Yen und 1,2195 Schweizer Franken fest.

Charttechnisch orientierte Analysten sehen den Euro bei 1,3703 Dollar unterstützt. Sollte die Marke halten, dann dürfte wieder etwas Nachfrage nach dem Euro in den Markt kommen und die Gemeinschaftswährung stützen, so Technik-Analystin Karen Jones von der Commerzbank. Sollte sie nicht halten, werde nach unten der Raum frei bis 1,3562 Dollar, wo das Tief vom 12. Februar liege.

Impulse sind zur Zeit Mangelware. Vor dem Wochenende stehen nur wenige Konjunkturdaten an. Die EZB dürfte ein Auge auf die Entwicklung der Verbraucherpreise in Italien werfen. Die Notenbank steht wegen des ungewöhnlich schwachen Preisauftriebs im Währungsraum unter Druck, ihre Geldpolitik unter Umständen weiter zu lockern. Für Bewegung könnten auch Zahlen vom amerikanischen Häusermarkt sorgen.

US-Konjunktur im Fokus

Doch nach einer Reihe uneinheitlich ausgefallener US-Konjunkturdaten lassen Dollar-Anleger derzeit Vorsicht walten. Händlern zufolge fehlt vielen Investoren derzeit ein eindeutiger Hinweis, wie es um die US-Wirtschaft bestellt ist. Während Daten aus der US-Industrie zuletzt positiv überraschten, fielen die Frühindikatoren und der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia eher enttäuschend aus.

Vom Zustand der US-Konjunktur hängt ab, wie schnell die Notenbank Fed ihre milliardenschweren Anleihenkäufe zurückfährt. Es sehe derzeit allerdings so aus, als ließe sich die Fed nicht durch die zum Teil schwächeren Konjunkturdaten irritieren, sagte Sim Moh Siong von der Bank of Singapore. Seit Jahresbeginn hat die US-Notenbank ihre monatlichen Anleihenkäufe um zehn Milliarden Dollar reduziert - derzeit pumpt die Notenbank noch 65 Milliarden Dollar in das Finanzsystem.

Serie enttäuschender US-Daten

Am Vortag hatten einmal mehr enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA den Euro gestützt. Zu Beginn des Jahres waren Baubeginne und Baugenehmigungen überraschend stark zurückgefallen. Bereits am Tag zuvor waren die US-Immobiliendaten enttäuscht ausgefallen. Sie hatten die Reihe von schlechter als erwartet ausgefallenen US-Wirtschaftszahlen fortgesetzt. Für zusätzliche Nervosität sorgte das veröffentlichte Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed. Die Währungshüter wollen ihr Niedrigzinsversprechen bald anpassen. Das Protokoll zeigte aber, dass die Notenbanker sich noch nicht einig darüber sind, woran sich die Zinsentwicklung künftig ausrichten soll.

Angesichts der jüngsten US-Konjunkturdaten mache sich am Devisenmarkt Enttäuschung breit, heißt es in einem Kommentar des Bankhauses Metzler. Zu Beginn des Jahres hatten die meisten Volkswirte einen vergleichsweise kräftigen Aufschwung in den USA erwartet.

Mittlerweile neige der Dollar aber schon seit Tagen zur Schwäche und der Euro bekomme im Gegenzug Auftrieb, schreiben die Metzler-Experten weiter. "Noch ist es aber zu früh, die hochgesteckten Erwartungen für die US-Wirtschaft zu korrigieren, da bei der einen oder anderen Konjunkturzahl auch der Kälteeinbruch in den USA übel mitspielt."

Blick in die Schweiz

Auf dem aktuellen Wechselkursniveau erscheint den Devisenanalysten der Credit Agricole der Schweizer Franken zum US-Dollar teuer. Die Positionierungen am Markt und die technische Analyse deuteten auf eine kurzfristige Korrektur. Die Kaufsignale zu Gunsten des Dollars nähmen zu. Aktuell geht der Greenback mit 0,89 Franken um nach Wechselkursen um 0,8895 im späten US-Handel am Vortag. Im Juli 2013 waren für einen US-Dollar noch 0,99 Franken bezahlt worden.

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Quelle: n-tv.de

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