Wirtschaft
Der Euro kommt nach Inflationsdaten aus Spanien unter die Räder.
Der Euro kommt nach Inflationsdaten aus Spanien unter die Räder.(Foto: REUTERS)

Fall bis auf 1,37 Dollar: Euro im Schwitzkasten der Deflationsangst

Überraschende Inflationsdaten aus Spanien bringen den Euro in Turbulenzen. Erstmals seit Oktober 2009 gehen die Preise zurück. Damit erhält die Debatte über eine Lockerung der EZB-Zinspolitik neue Nahrung. Trotz Erholung bleibt die Währung anfällig.

Am Devisenmarkt ist der Euro am letzten Handelstag der Woche heftig in Bewegung gekommen. Am Vormittag versetzten Inflationsdaten aus Spanien die Währung in den freien Fall, der erst unmittelbar über der 1,37er Marke stoppte. Die mäßige Erholung beschleunigte sich sich am Mittag rasant. Der Gemeinschaftswährung kletterte bis auf 1,3762 Dollar - und lag damit oberhalb des Startniveaus vom Morgen.

Eine nahe den Erwartungen ausgefallene Inflation in Deutschland läutete die Erholung ein. Hinzu kam laut Anlegern eine rein technische Gegenbewegung auf die jüngsten Kursverluste. "Immerhin hat der Euro vom Hoch am Dienstag bis zum heutigen Tief fast zwei US-Cent eingebüßt", sagt ein Händler.

Bei 1,3704 Dollar markierte der Euro ein neues Vier-Wochen-Tief. "Die Inflationsdaten aus Spanien haben überrascht", sagt ein Devisenhändler. In Spanien waren im März die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgekommen. Dies ist der erste Rückgang auf Jahressicht seit Oktober 2009. "Damit ist die EZB weiter in der Pflicht, zumindest verbal zu intervenieren", sagt der Händler. Sollten die Deflationssorgen weiter wachsen, sei eine kleinere Zinssenkung durch die EZB nicht mehr auszuschließen.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten von mehreren EZB-Ratsmitgliedern befeuerte Zinsspekulationen den Euro unter Druck gesetzt. So hatte etwa Bundesbankpräsident Jens Weidmann massive Wertpapierkäufe durch die EZB nicht mehr kategorisch ausgeschlossen.

Deutsche Inflation erneut gesunken

In Deutschland lag die Preissteigerung mit 1,0 Prozent auf Jahressicht knapp unter den Prognosen. Der für europäische Vergleichszwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland stieg gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent. Die Jahresteuerung ging von 1,0 auf 0,9 Prozent zurück.

Nachdem die Gemeinschaftswährung am Vormittag das Abrutschen unter die Marke von 1,37 Dollar habe vermeiden können, seien wieder Euro-Käufer an den Markt gekommen. Mit dem Anstieg über den kurzen Abwärtstrend der vergangenen Tage bei 1,3750 Dollar habe sich die Erholung noch etwas ausgeweitet. "Aber der Euro bleibt anfällig für neue Attacken der Bären", sagt ein weiterer Händler.

Am Nachmittag setzte die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,3759 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7268 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82720 britische Pfund, 140,90 japanische Yen und 1,2186 Schweizer Franken fest.

Aktien und Anleihen gesucht

Der taumelnde Euro half indes den Aktienmärkten zusätzlich nach oben. "Ein schwächerer Euro bringt für viele Unternehmen Entspannung auf der Währungsseite", sagte Michael Foeller, Sales Trader beim Wertpapierhandelshaus ICF. Denn der starke Euro wird für immer mehr deutsche Unternehmen zur Belastung. Währungsverluste schmälern die Gewinne, denn durch die Aufwertung des Euro bleibt bei Umsätzen aus Ländern mit einer schwachen Währung nach der Umrechnung in Euro weniger hängen.

Gefragt waren zudem bereits ausgegebene und höher verzinsten europäischen Anleihen. Während die Kurse stiegen, fielen im Gegenzug die Renditen der zehnjährigen spanischen und italienischen Bonds auf den tiefsten Stand seit achteinhalb Jahren. "Die Märkte positionieren sich für die nächste Ratssitzung der EZB", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. "Die Anleger erwarten, dass die Währungshüter in irgendeiner Form aktiv werden."

Renditen am Rentenmarkt fallen

Am Rentenmarkt fiel die Rendite der zehnjährigen spanischen Bonds zum Wochenschluss zeitweise auf 3,2 Prozent zurück, die der italienischen auf 3,261 Prozent. Nach der Auktion langjähriger italienischer Papiere kletterte die Rendite allerdings wieder etwas in die Höhe und lag bei 3,295 Prozent. Italien hat insgesamt zehn Milliarden Euro eingenommen und lag damit am oberen Ende des angepeilten Volumens.

Derweil raten die Währungsexperten von Morgan Stanley (MS) raten dazu, die Euro-Schwäche zum Kauf zu nutzen. Sie rechnen nicht damit, dass die Notenbank reagieren wird.

Japan kommt voran

Indes kommt Japan im Kampf gegen die Deflation weiter voran. Wie die Regierung in Tokio mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im Februar ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln um 1,3 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Damit wurde den neunten Monat in Folge ein Plus verbucht.

Die Teuerung entsprach den Erwartungen der Analysten. Die Daten gaben weiteren Grund zur Hoffnung, dass Japan sich langsam aus der seit 15 Jahren anhaltenden Deflation befreien kann. Die Notenbank will die Teuerungsrate an die Marke von zwei Prozent bringen.

Ukraine vor Pleite bewahrt

Mit Blick auf die Ukraine schreibt die Commerzbank (CoBa), dass der Staatsbankrott dank der Hilfe internationaler Kreditgeber - in den kommenden zwei Jahren 27 Milliarden Dollar - abgewendet worden sei. Die Hrywnja profitiere hiervon jedoch nicht, da das Programm des IWF mit Reformen der Geldpolitik verbunden sei. Die ukrainische Notenbank werde nun offiziell von einem Wechselkurs- zu einem Inflationsziel übergehen. Ein freier Wechselkurs entlaste die Leistungsbilanz und erlaube einen Ausbau der Devisenreserven, heißt es. Allerdings müsse die Notenbank hierfür eine weitere Abwertung der Hrywnja in Kauf nehmen.

Die ukrainische Volkswirtschaft befindet sich der CoBa zufolge in einem desolaten Zustand. Eine straffe Fiskalpolitik sowie höhere Energiepreise belasteten künftig die ohnehin schwache Konjunktur. Premierminister Jazenjuk gehe davon aus, dass das BIP in diesem Jahr um drei Prozent schrumpfen werde. Zudem könnte die Inflationsrate in den zweistelligen Prozentbereich klettern.

Nach Einschätzung von Währungsexperte Shane Oliver von AMP Capital dürften sich die derzeitige Eindeckungsrally von Verkaufspositionen im Austral-Dollar (Aussie) bis zu einem Kurs von 0,9500 US-Dollar fortsetzen. Übergeordnet werde sich allerdings voraussichtlich der Abwärtstrend der australischen Währung fortsetzen. Dies sei sowohl Folge der schwächeren Rohstoffpreise als auch des Rückgangs des Wachstums der australischen Volkswirtschaft im Vergleich mit jenem der USA. Aktuell kostet der Aussie 0,9267 US-Dollar, nachdem er im frühen Handel mit 0,9293 noch ein Jahreshoch markiert hatte.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen