Wirtschaft
Alte und Neue Welt: Der Euro gibt deutlich nach.
Alte und Neue Welt: Der Euro gibt deutlich nach.(Foto: AP)

"Ausstieg ist noch weit entfernt": Euro landet bei 1,29

Diesmal haben es die Erläuterungen von Europas oberstem Währungshüter in sich: Nach dem unspektakulären Zinsentscheid löst EZB-Chef Draghi mit seinen Aussagen vor der Fachpresse Wirbel an den Devisenmärkte aus. Die Märkte reagieren deutlich, der Euro fällt.

Der Kurs des Euro ist mit der Aussicht auf weiterhin sehr niedrige Zinsen in der Eurozone kräftig abgerutscht. EZB-Chef Mario Draghi hatte angekündigt, dass die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Rekordtief bleiben werden oder sogar noch weiter sinken könnten. Zeitgleich mit den Draghi-Aussagen rutschte der Euro über einen US-Cent ab und fiel auf ein Tagestief bei 1,2882 Dollar. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,2984 (Mittwoch: 1,2959) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7702 (0,7717) Euro.

Die Aussicht auf dauerhaft niedrige Zinsen im Euroraum löste an den Devisenmärkten ungewöhnlich starke Bewegungen aus: "Die Zinsen werden für eine längere Zeit auf dem gegenwärtigen Niveau oder darunter liegen", sagte Draghi wörtlich. Damit gab Draghi den Finanzmärkten die erhoffte Orientierung über den künftigen geldpolitischen Kurs der EZB.

Die EZB hatte ihren Leitzins zuvor weiter auf dem Rekordtief von 0,50 Prozent belassen. Anschließend stellte Notenbankchef Draghi die Anleger auf eine langfristige geldpolitische Lockerheit ein und sprach von einem "beispiellosen Schritt" der Notenbank. EZB-Experte Michael Schubert hob die Vorgänge in der Frankfurter Zentrale der Notenbank ebenfalls hervor und sprach von einer "historischen Entscheidung". Bislang hatte die EZB nur davon gesprochen, ihren expansiven Kurs so lange wie nötig fortzusetzen.

Draghi bezeichnete das neue Vorgehen der EZB als "Forward Guidance". Mit diesem geldpolitischen Instrument aus dem Werkzeugkasten der Notenbanken sollen die Zinserwartungen gefestigt und die Konjunktur gestützt werden. Das Werkzeug wird seit längerem von der US-Notenbank Fed und seit Frühjahr auch von der japanischen Zentralbank verwendet. Die Bank of England dürfte bald einen ähnlichen Kurs einschlagen, wie die britische Notenbank unter Führung des neuen Chefs Mark Carney kurz vor der EZB-Zinsentscheidung signalisierte.

Nach Auffassung von Marktteilnehmern bereitet Draghi die Märkte auf eine baldige Zinssenkung vor. "Die EZB wird die Märkte so lange mit billigem Geld versorgen, wie diese danach verlangen", meinte ein Händler. Draghi habe die nächste Zinssenkung unmissverständlich in Aussicht gestellt. In der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid zeigte sich Draghi deutlich pessimistischer hinsichtlich eines Wirtschaftsaufschwungs im Euroraum: Die Konjunktur im Euroraum wird sich demnach erst Ende 2013 und im Verlauf des kommendes Jahres erholen. Bisher war von der zweiten Hälfte 2013 die Rede gewesen.

Zudem bezeichnete er die Risiken für den Inflationsausblick als "noch" weitgehend ausgewogen. Der EZB-Rat habe eine Neigung zu Zinssenkungen angenommen, sagte der Währungshüter. Die EZB macht damit zum ersten Mal in ihrer Geschichte Aussagen über ihren künftigen Zinskurs.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85980 (0,84920) britische Pfund, 129,64 (128,85) japanische Yen und 1,2328 (1,2285) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1251,75 (1250,00) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 30.360,00 (30.410,00) Euro.

Quelle: n-tv.de

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