Wirtschaft
Einiges berappen musste der  Fotograf für dieses druckfrische Tableau aus Dollar, Euro und Schweizer Franken.
Einiges berappen musste der Fotograf für dieses druckfrische Tableau aus Dollar, Euro und Schweizer Franken.(Foto: REUTERS)

Der Wendepunkt der Schuldenkrise?: Euro spürt neue Kräfte

Mit Kursen über 1,3460 Dollar lässt der Euro kurz vor dem Wochenende die Dezember-Einbrüche hinter sich. Auch die Wechselkurse zu Yen und Pfund zeugen von der neuen Stärke der europäischen Gemeinschaftswährung. Der Euro zieht massiv an.

Der Kurs des Euro ist am Freitag deutlich gestiegen und hat die Marke von 1,35 US-Dollar ins Visier genommen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,3462 US-Dollar gehandelt. Im frühen Handel hatte der Euro zeitweise nur 1,3357 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,3412 (Donnerstag: 1,3300) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7456 (0,7519) Euro.

"Die Schuldenkrise in der Eurozone ist am Devisenmarkt in den Hintergrund getreten", sagte Roland Ratzig, Devisenexperte bei der BayernLB. Nach der Einigung auf das zweite Hilfspaket für Griechenland am vergangenen Wochenende habe sich die Risikoneigung zunehmend verstärkt. In das positive Bild habe auch eine sehr erfolgreich verlaufene Auktion italienischer Staatsanleihen gepasst, sagte Ratzig. Italien hatte sich am Vormittag problemlos und zu deutlich niedrigeren Renditen refinanziert.

Zudem hätten die zuletzt positiven Konjunkturdaten aus der Eurozone und den USA die Stimmung an den Märkten gehoben, sagte Ratzig. So fielen in den USA Daten zum Verbrauchervertrauen und zum Häusermarkt besser als erwartet aus. Der Devisenexperte sieht weiteres Aufwärtspotenzial für den Euro. Rückschläge seien jedoch immer möglich. "Hier bleibt die Entwicklung in der Euro-Schuldenkrise entscheidend", sagte Ratzig.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84815 (0,84610) britische Pfund, 107,99 (106,72) japanische Yen und 1,2048 (1,2053) Schweizer Franken fest. In London wurde der Preis für die Feinunze Gold am Nachmittag mit 1777,50 (1777,00) Dollar fixiert. Ein Kilogramm Gold kostete 42.000,00 (42.190,00) Euro.

Die Geldschwemme als Grund?

"Das ist ein starker Short Squeeze, der mit Eröffnung des US-Handels noch an Dynamik gewonnen hat", betonte eine Marktteilnehmerin mit Blick auf die neue Stärke des Euro. Damit rücke der Aufwärtstrendkanal bei 1,3530 und der mittelfristige Abwärtstrend bei 1,3640 Dollar als nächste Ziele ins Blickfeld. Als weiteren Grund verwiesen Händler den bevorstehenden zweiten Dreijahrestender der EZB. Am Mittwoch nächster Woche könnte sich damit eine neue Liquiditätsflut über die europäischen Banken ergießen. Die fast 500 Mrd. Euro, die beim ersten Tender im Dezember von den Instituten geliehen wurden, hatten zu einer Entspannung an den Anleihemärkten von Italien, Spanien und anderen Ländern der europäischen Peripherie geführt.

Doch ausgemacht ist eine fortgesetzte Rally der Gemeinschaftswährung nicht. Dafür gibt es mehrere gewichtige Gründe. Die Deutsche Bank weist darauf hin, dass mit weiteren Langfristtendern nicht zu rechnen sei. Mit dem Nachlassen des Liquiditätsrausches könnte aber schnell der Kater einsetzen. Zudem ist die Eurokrise noch längst nicht überwunden, denn auch mit dem zweiten Rettungspaket ist Griechenland noch nicht über den Berg.

Was bringt die Wahl?

Zwar hat das griechische Parlament die Vereinbarung zur Umschuldung mit den privaten Investoren am Donnerstag angenommen. Analysten verweisen aber auf die hohen Umsetzungsrisiken der beschlossenen Maßnahmen zur Gesundung des Landes. Die Wahl im April könnte den gesamten Reformprozess ohnehin schnell beenden. "Man hat sich wieder einmal nur Zeit erkauft. Die nächste Bitte um Hilfe kommt bestimmt", fügt eine Marktteilnehmerin hinzu.

Zudem könnte auch Portugal ein zweites Hilfspaket benötigen. Deutschland jedoch sperrt sich bislang gegen eine Aufstockung des Volumens für den permanenten Rettungsschirms ESM. Eine Einigung auf dem EU-Gipfel in der kommenden Woche zeichnet sich nicht ab. Nicht zuletzt ist auch der Dreijahrestender mit Unsicherheit verbunden. "Wird es deutlich mehr als die erwarteten 500 Mrd. Euro, haben wir noch Potenzial, wird es sehr viel weniger, kann es zu einem Einbruch kommen", sagt ein Händler. Damit steht die Euro-Erholung auf tönernen Füßen und ein Rückschlag muss einkalkuliert werden.

Die Feinunze Gold wurde am Morgen mit 1778,50 Dollar zum Fixing festgestellt, zum Nachmittags-Fixing waren es dann 1777,50 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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