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Vom Regen in die Traufe: Euro steckt unter 1,30er Marke fest

Der EZB-Präsident erweist mit seinen Äußerungen dem Euro einen Bärendienst. Dass die Gemeinschaftswährung unter 1,30 Euro notiert, sollte aber die Exportunternehmen freuen - und auch die Konjunktur ankurbeln.

Der überraschend schwache US-Arbeitsmarktbericht hat dem Dollar am Freitag zugesetzt. Der Euro stieg um einen halben US-Cent auf 1,2986 Dollar. Händlern zufolge setzten nun wieder mehr Anleger darauf, dass sich die US-Notenbank mit einer Anhebung der Zinsen noch Zeit lassen dürfte.

Zuvor hatte der Euro nach der überraschenden Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag an die Talfahrt vom Vortag angeknüpft und war weiter leicht abgerutscht. In der Nacht hatte er zuvor bei 1,2923 US-Dollar den tiefsten Stand seit Juli 2013 markiert. Die Gemeinschaftswährung notiert aber dennoch weiter unter der Marke von 1,30 Dollar und bekommt damit die neue Offensive der EZB gegen die europäische Wirtschaftsflaute zu spüren. Der Schweizer Franken liegt zum Euro bei 1,2057 und zum Dollar bei 0,9320.

Die EZB hat am Donnerstag den Leitzinssatz auf 0,05 Prozent von 0,15 Prozent gesenkt. Die neue Lockerung der Geldpolitik durch die EZB mit der überraschenden Zinssenkung habe den Euro auf Talfahrt geschickt, sagte Experte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Die Maßnahmen der EZB wirken auch zum Wochenschluss weiter nach.

Angesichts wachsender Deflationsrisiken hält sich die Zentralbank auch die Tür für massive Wertpapierankäufe weiter offen. Sollte eine zu lange Phase niedriger Inflation drohen, sei der EZB-Rat zu weiteren unkonventionellen Maßnahmen entschlossen, sagte Notenbankchef Mario Draghi. Ein solches unkonventionelles Vorgehen - im Fachjargon Quantitative Easing genannt - dient als letztes Mittel, um eine Deflation zu verhindern.

Hierzu könnte die EZB laut Draghi beispielsweise öffentliche Schuldtitel wie etwa Staatsanleihen oder auch private Papiere in großem Stil aufkaufen. Auch ein Programm zum Ankauf beider Wertpapierarten sei möglich, betonte Draghi. Mit entsprechenden Käufen hatten bereits die Notenbanken der USA, Japans und Großbritanniens ihre Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder angekurbelt. Auf breiter Front fallende Preise gelten als besonders gefährlich, weil eine solche Deflationsspirale die Konjunktur auf Dauer abwürgen kann. Zuletzt betrug die Inflationsrate in der Euro-Zone nur noch 0,3 Prozent.

Die EZB hat auf ihrer Sitzung nun zunächst beschlossen, sogenannte Kreditverbriefungen (ABS) sowie Pfandbriefe aufzukaufen. Damit sollen Banken zur verstärkten Kreditvergabe angeregt werden und der seit Jahren am Boden liegende Markt für Verbriefungen in Gang gebracht werden.

Quelle: n-tv.de

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