Geldpolitik und Milliardenhilfen: Euro über 1,32 Dollar
Die Gemeinschaftswährung präsentiert sich stärker. Griechenlands Schuldenkrise bleibt aktuell, aber die Vorzeichen sind wieder positiv. Außerdem sorgen Nachrichten aus China für Optimismus.
Investoren wetten auf positiveNachrichten aus Brüssel und treiben den Euro in Richtung 1,33 US-Dollar. Sie setzen darauf, dassdie Euro-Gruppe neue Finanzhilfen für Athen genehmigen und eine Staatspleite dadurchzumindest vorerst abwenden wird. Zudem honorierten die Marktteilnehmer optimistischeAussagen der Bundesbank zu den Perspektiven der deutschen Wirtschaft und werteteneine neuerliche Lockerung der chinesischen Geldpolitik als wachstumsfördernd unddamit auch positiv für den Euro.
Die Gemeinschaftswährung überwindet vor der wichtigen Entscheidung über ein zweites Hilfspaket die Marke von 1,32 Dollar. Am Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,3264 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagmittag noch auf 1,3159 festgesetzt.
Die Augen der Anleger richten sich nach Brüssel, wo die Euro-Finanzminister eine endgültige Entscheidung über abermalige Finanzhilfen für Griechenland treffen wollten. Nachdem Athen Zug um Zug wichtige Forderungen der öffentlichen Geldgeber erfüllt hat, wird mit einer Freigabe des zweiten Hilfspakets über insgesamt 130 Mrd. Euro gerechnet.
Daneben dürften auch die Einzelheiten des Forderungsverzichts der privaten Gläubiger gegenüber Griechenland auf den Tisch gelegt werden. Über die nationalen Notenbanken hat die Europäische Zentralbank wohl bereits ihre Bestände an Athener Staatsanleihen in neue Schuldtitel mit anderen Konditionen getauscht, um dem Schuldenschnitt zu entgehen.
"Man spürt so eine Art Durchatmen", sagt ein Devisenhändler. "Jeder hofft, dass jetzt zu Griechenland etwas Greifbareskommt, und dass das eigentlich nur positiv sein kann. Sobald eine Einigung da ist,könnte der Euro sehr schnell über 1,3350 Dollar steigen." Dessen ungeachtet betont Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen, dass der heutige Tag von einem hohen Ereignisrisiko geprägt sei und die Volatilität an den Devisenmärkten wohl durchaus ausgeprägt sein werde. "Eine sich abzeichnende Lösung würde aber zu einem Anstieg der Risikobereitschaft beitragen und den Euro tendenziell stützen", sagt er.
"Man hat den Eindruck, dass sich die Politikerjetzt auch selber ordentlich Druck machen", sagte ein Rentenhändler mit Blickauf die Verhandlungen über das griechische Hilfspaket. "Die wollen Griechenlandja nicht untergehen lassen, und von daher steigt derzeit auch insgesamt die Zuversicht,dass die Schuldenkrise nicht in einer Sackgasse enden wird."
Blick nach China
Den Wechselkursanstieg der Gemeinschaftswährung begründen Devisenhändler auch mit der geldpolitischen Lockerung in China. Am Samstag hatte die People's Bank of China den Mindestreservesatz für die Geschäftsbanken um 50 Basispunkte auf 20,5 Prozent gesenkt. "Diese Senkung des Mindestreservesatzes ist eine gute Nachricht für die Kapitalmärkte", sagt Ma Xiaoping von HSBC. Schließlich werde durch die geldpolitische Lockerung Liquidität im Umfang von 400 Mrd. Yuan freigesetzt.
Zuversicht verbreitete in ihrem Monatsbericht auchdie Bundesbank mit Blick auf die deutsche Konjunkturentwicklung. "Die Aussichtenhaben sich zuletzt wieder spürbar aufgehellt", heißt es darin.
Quelle: n-tv.de

