Wirtschaft
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"Eine Korrektur war überfällig": Euro verdaut den Bullard-Schreck

Die Aussicht auf eine schneller als erwartet anstehende Zinswende in den USA bringt die Gewissheiten an den Devisenmärkten gründlich durcheinander. Der Euro hat den ersten Schreck offenbar überwunden.

Der Euro steigt mit hauchdünnen Kursgewinnen in den Freitagshandel. Die Gemeinschaftswährung notiert am Morgen bei 1,3624 Dollar und damit knapp 0,1 Prozent über Vortagesniveau. Hinweise auf eine beschleunigt anstehende Zinswende in den USA hatten den Eurokurs am Vortag unter Druck gesetzt und zeitweise sogar bis unter die Marke von 1,36 US-Dollar gedrückt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag noch auf 1,3606 (Mittwoch: 1,3615) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7350 (0,7345) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,79910 (0,80225) britische Pfund, 138,49 (138,73) japanische Yen und 1,2164 (1,2168) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London mit 1311,75 (1316,75) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 30.460,00 (30.470,00) Euro.

Anzeichen, dass die US-Notenbank Fed etwas früher als bisher erwartet die Zinsen anheben könnte, hatten den Dollar am späten Nachmittag kräftig angetrieben. Der Präsident der regionalen Notenbank von St. Louis, James Bullard, hatte seiner Erwartung Ausdruck gegeben, dass der Leitzins bereits Ende des ersten Quartals 2015 angehoben wird.

Am Markt wurde mit einer ersten Leitzinsanhebung bislang eigentlich erst ab Mitte 2015 gerechnet. Höhere Zinsen in den USA würde den Dollar für Anleger attraktiver machen. "Eine Korrektur beim Euro war aus einer Reihe von Gründen überfällig", sagte Sebastian Sachs, Devisenexperte beim Bankhaus Metzler. Die Aussagen von Bullard seien ein willkommener Anlass für die Verkäufe gewesen. "Schließlich ist offensichtlich, dass die US-Notenbank auf eine Zinswende zusteuert, während die EZB ihre Geldpolitik eher noch weiter lockern dürfte."

EZB-Präsident Mario Draghi hatte eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik bis Ende 2016 angedeutet, worauf der Euro zunächst aber kaum reagiert hatte. Auch die Probleme in Frankreich und Italien seien bisher am Markt nicht ausreichend berücksichtigt worden, sagte Sachs.

US-Daten überlagern Bullard

Im asiatisch geprägten Handel setzten neue Sorgen um die US-Konjunktur dem Dollar deutlich zu. Zur japanischen Landeswährung fiel der Greenback auf 101,32 Yen zurück, den tiefsten Stand seit mehr als fünf Wochen. Der Euro notierte in der Nacht mit 1,3628 Dollar leicht fester als im New Yorker Schlussgeschäft vom Donnerstag.

Unter Investoren sind die Zweifel an einem überzeugenden Comeback der US-Konjunktur im zweiten Quartal zuletzt gewachsen. Die Konsumausgaben vom Mai hatten gezeigt, dass sich die Amerikaner trotz sinkender Arbeitslosigkeit und steigender Einkommen bislang zurückhalten. Händlern zufolge dürfte das die Einschätzungen zum Zinsausblick wieder zurechtstutzen. Viele Investoren rechneten nun trotz der Bullard-Aussagen damit, dass die Zinsen in den USA zunächst auf einem niedrigen Niveau bleiben dürften.

Quelle: n-tv.de

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