Wirtschaft
Am Devisenmarkt kehrt nach der Einigung auf neue Milliardenhulfen für Griechenland wieder Ruhe ein.
Am Devisenmarkt kehrt nach der Einigung auf neue Milliardenhulfen für Griechenland wieder Ruhe ein.(Foto: picture alliance / dpa)

Volatil ins Wochenende: Euro wieder über 1,30

Der Bundestag segnet die Milliardenhilfen für Griechenland ab. Dem Euro hilft das, sich über der 1,30er Marke zu stabilisieren. Doch dann kommt konjunktureller Gegenwind aus den USA und die Gewinne bröckeln. Am Ende steht aber die 1,30er Marke.

Der Euro schaut auf einen ereignisreichen Handelstag zurück. Nach einem starken Beginn, bei dem sich die Gemeinschaftswährung über der psychologisch wichtigen Marke von 1,30 Dollar stabilisierte, schenkte sie sie am Nachmittag wieder her. Der Markt führte das auf die Reaktion der US-Futures auf die Konsumausgaben zurück. Sie waren im Oktober überraschend zurückgegangen. "Das schürt ein bisschen die Sorge vor einem nicht so guten Weihnachtsgeschäft", sagte ein Händler.

Die Ausgaben fielen um 0,2 Prozent, erwartet waren unveränderte Daten. Dies war der erste Rückgang seit Mai. Analysten weisen allerdings auf Effekte durch den Hurrikan Sandy hin, der Ende Oktober an der Ostküste wütete.

Gegen Abend dann die erneute Kehrtwende: Der Euro eroberte sich die 1,30-Dollar-Marke zurück, pendelte aber mit 1,3007 Dollar nur leicht darüber. Das Tageshoch lag bei 1,3029 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2986 Dollar nach 1,2994 Dollar am Donnerstag fest. Der Dollar kostete damit 0,7701 Euro.

Die allgemeine Grundstimmung sei nach der Einigung auf neue Griechenland-Hilfen positiv. Die Hilfen wurden auch vom Deutschen Bundestag abgesegnet. Etliche Investoren habe das veranlasst, ihre Euro-Positionen auszubauen. Gut kamen den Händlern zufolge auch Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi an, wonach sich die Eurozone ab der zweiten Jahreshälfte 2013 erholen werde.

Yen legt wieder zu

Das geplante Konjunkturpaket von rund 11 Mrd. Dollar in Japan trieb den Yen zum US-Dollar. "Vor allem die US-Trader hatten wohl mit mehr gerechnet", sagt ein Marktbeobachter. Zudem habe sich das noch in der Nacht erzielte Siebenmonatstief dazu angeboten, Gewinne mitzunehmen. "Die gute Nachricht ist aber, dass in Japan noch vor der Wahl nächsten Monat agiert werden soll", so ein anderer Händler. Dies zeige, wie ernsthaft und vordringlich dieses Thema mittlerweile behandelt werde. Der Dollar fällt wieder unter 82,50 Yen.

Zloty unter Druck

Ein überraschend schwaches Wirtschaftswachstum belastete indes die polnische Währung Zloty. Euro und Dollar verteuerten sich in der Spitze um jeweils etwa ein halbes Prozent auf 4,1103 beziehungsweise 3,1629 Zloty. Diese Konjunkturdaten könnten die bislang unentschiedenen Ratsmitglieder der polnischen Nationalbank dazu bringen, kommende Woche für eine Zinssenkung zu stimmen, sagte Analyst Marcin Mazurek von der BRE Bank. "Wir rechnen mit einer Senkung um 25 Basispunkte, aber Teile des Marktes werden auf 50 Basispunkte wetten."

Das polnische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im dritten Quartal um 1,4 Prozent, nach einem Plus von 2,3 Prozent im Vorquartal. Das ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt ein Wachstum von 1,8 Prozent vorausgesagt.

Schwaches BIP belastet Real

Der Brasilianische Real gab zum Dollar nach, nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des lateinamerikanischen Landes im 3. Quartal selbst die pessimistischsten Erwartungen verfehlt hat. Für einen Dollar werden nunmehr 2,0971 Real gezahlt. Vor der Veröffentlichung der Daten kostete der Greenback 2,0930 Real.

Volkswirte dürften nach diesen Daten ihre Schätzungen für das laufende und das kommende Jahr senken. Eigentlich war für das dritte Quartal dieses Jahres eine deutliche Erholung der Wirtschaft prognostiziert worden. Womöglich hatten diejenigen doch recht, die gestern noch sagten, dass die Zinssenkungsserie der brasilianischen Zentralbank noch nicht zu Ende sei.

Yuan-Dollar angespannt

Der Dollar markierte indes zum sogenannten Offshore-Yuan ein Rekordtief bei 6,2040 Yuan erreicht. Gelegenheitskäufe hätten die US-Währung aber rasch wieder etwas Boden gut machen lassen, sagte ein Händler bei einer Bank in Taiwan. Ein Dollar kostete 6,2150 Offshore-Yuan nach 6,2170 im späten asiatischen Handel am Donnerstag.

Anleger seien zuversichtlich, dass der Yuan aufwerte, berichtete der Marktteilnehmer. Er glaubt, dass der Dollar zum Offshore-Yuan unter Druck bleibt, sieht aber bei 6,2000 Yuan eine starke Unterstützung. Die Hong Kong Treasury Markets Association hat den Dollar am Freitag mit 6,2051 Offshore-Yuan festgestellt nach 6,2196 Yuan am Donnerstag.

Quelle: n-tv.de

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