Wirtschaft
Masaaki Shirakawa, Stabilitätsgarant in der Bank of Japan, nimmt früher als angekündigt seinen Hut.
Masaaki Shirakawa, Stabilitätsgarant in der Bank of Japan, nimmt früher als angekündigt seinen Hut.(Foto: REUTERS)

In Tokio geht der Zentralbankchef: Euro zielt auf die 1,36

Nach den wilden Bewegungen zum Wochenstart schwenkt der Euro zurück stabilere Bahnen: Die Sorgen um Spanien und Italien treten in den Hintergrund. Der vorzeitige Abschied des japanischen Zentralbankchefs versetzt den Kurs des Yen in Unruhe.

Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung zieht am Dienstag leicht an: Gegen Mittag notiert der Euro bei 1,3553 Dollar und damit knapp 0,4 Prozent fester als am Vorabend. Im frühen Verlauf hatte er mit 1,3460 Dollar den tiefsten Stand seit seit gut einer Woche erreicht. Am Freitag hatte der Euro noch die Marke von 1,37 Dollar übersprungen.

Der Markt nehme die Negativ-Schlagzeilen rund um die Problemstaaten Spanien und Italien zum Anlass, Gewinne mitzunehmen, fasste Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen die Lage in einem Kommentar zusammen.

In Madrid wurden weitere Stimmen laut, die aufgrund von Korruptionsvorwürfen den Rücktritt von Ministerpräsident Mariano Rajoy forderten. In Italien wiederum fürchten Anleger bei den Ende des Monats anstehenden Wahlen ein Comeback des ehemaligen Regierungschefs Silvio Berlusconi. "Ein Regierungswechsel in beiden Ländern würde schließlich vor allem die derzeitigen Sparanstrengungen auf die Kippe stellen", urteilte die Commerzbank-Expertin.

Einige Marktbeobachter zeigten sich jedoch optimistisch, dass der Rücksetzer beim Euro nur von kurzer Dauer ist. "Die Gemeinschaftswährung hat zuletzt so stark zugelegt, weil die Anleger glaubten, dass der schlimmste Teil der Krise hinter uns liegt", sagte ein Händler. "Dieses Denken wird jetzt nicht auf einmal wieder verschwunden sein." Vermutlich handle es sich nur um ein kurzes Durchatmen nach einer starken Euro-Einkaufstour.

Ein weiteres Zeichen des anziehenden Risikobewusstseins: Die Nachfrage von Banken in der Eurozone nach EZB-Liquidität ist gestiegen. Beim wöchentlichen Refinanzierungsgeschäft der Notenbank haben die 73 bietenden Geschäftsbanken insgesamt 129,3 Mrd. Euro zum Festzins von 0,75 Prozent aufgenommen. Das sind rund 5,2 Mrd. Euro mehr als in der vergangenen Woche. Die Zinssätze für kurzzeitige Ausleihungen unter Banken haben sich kaum bewegt. Am Montag schichteten die Banken rund fünf Milliarden Euro aus den Einlagen in ihre Guthaben bei der Zentralbank um.

Der europäische Rettungsfonds ESM konnte bei der Auktion eines dreimonatigen Schatzwechsels im Umfang von 1,949 Mrd. Euro eine Durchschnittsrendite von 0,0158 Prozent erreichen. Das Bid-to-Cover lag bei 2,4 - die Nachfrage überstieg das Angebot also um mehr als das Doppelte. Es handelte sich um die zweite Versteigerung dreimonatiger Schatzwechsel durch den ESM, der bei seiner Debütauktion am 9. Januar bereits Titel im Volumen von 1,927 Mrd. Euro an den Investor brachte. Der ESM wird von Moody's mit "Aa1" bewertet, von Fitch mit "AAA". Er wurde eingerichtet, um den hochverschuldeten Ländern der Eurozone zu helfen.

Japan wechselt den Währungshüter

Der vorzeitige Abschied von Japans Notenbankchef Masaaki Shirakawa schwächte den Yen. Laut Händlern setzten die Anleger darauf, dass die Bank of Japan (BoJ) nun noch aggressiver die Geldpolitik lockern könnte. Entsprechend kauften sie Dollar und Euro. So kletterte der Dollar auf 93,30 (Vortag 92,36) Yen und notierte damit so hoch wie seit Mai 2010 nicht mehr. Der Euro legte bis auf 126,54 Yen nach 124,84 Yen am Vorabend zu.

Börsianer vermuten, dass Shirakawas Nachfolger dem neuen Ministerpräsidenten Shinzo Abe wohlgesinnter sein dürfte. Shirakawa war nur zögerlich dem Drängen Abes nach einer starken Konjunkturspritze nachgekommen. Shirakawa wird nun schon am 19. März und nicht erst wie geplant am 8. April seine Amtszeit beenden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen