Wirtschaft
Am deutschen Aktienmarkt lähmt das Warten auf neue Notenbank-Signale die Bewegungsfreude.
Am deutschen Aktienmarkt lähmt das Warten auf neue Notenbank-Signale die Bewegungsfreude.(Foto: picture alliance / dpa)

Kein Ausbruch in Sicht: Fed-Spekulationen haben Dax fest im Griff

Auf dem deutschen Aktienmarkt lastet auch in der kommenden Woche die Unsicherheit über die noch verbleibende Zeit des billigen Geldes. Auch stehen keine Termine an, die für mehr Klarheit sorgen könnten. Neue Hinweise wird es wohl nicht vor September geben. Aus historischer Sicht dürfte zudem die anstehende Bundestageswahl wie ein Stimmungskiller wirken.

An den Aktienmärkten wird der Fed-Exit auch in der kommenden Woche das dominierende Thema sein. Erneut werden sich die Anleger und Händler den Kopf darüber zerbrechen, ab wann die US-Notenbank beginnt, die das Tempo der Geldpressen zu drosseln. Entsprechend schwankungsanfällig seien die Börsen, betonen Analysten.

"Der Dax wird in den kommenden Wochen allerdings in einer Spanne von 8150 bis 8450 Punkten gefangen bleiben", sagt Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg. Ein Ausbruch sei frühestens Anfang September zu erwarten, wenn der Offenmarktausschuss der Fed erneut zusammentritt, um über eine Drosselung der Wertpapier-Käufe zu beraten. In der alten Woche kam der Dax bereits kaum vom Fleck und notierte am Freitagmittag bei 8358 Punkten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rutschte dagegen um gut zwei Prozent ab.

Etliche Fragezeichen bleiben

Bislang kauft die Fed zur Ankurbelung der US-Konjunktur monatlich Anleihen und Immobilienpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf. US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte vor einigen Wochen angekündigt, den Geldhahn ab Jahresende langsam zudrehen zu wollen, sofern sich die US-Konjunktur weiter erhole.

Der Beginn des sogenannten "Tapering" im September sei entgegen der allgemeinen Markterwartung noch nicht ausgemacht, sagt Klude. Der US-Arbeitsmarkt entwickele sich zwar ordentlich - doch die Realwirtschaft hinke hinterher.

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Das "Tapering" werde aber auf jeden Fall vor Jahresende beginnen, sagt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Da gleichzeitig eine Straffung der europäischen Geldpolitik auf absehbare Zeit nicht zu erwarten sei, werde der Euro sein aktuelles Niveau von 1,33 Dollar mittelfristig nicht halten können. "Selbst eine weitere Zinssenkung ist bei einer Serie von enttäuschenden Konjunkturdaten noch nicht völlig vom Tisch."

Kaum Impulse erwartet

Von Notenbank-Seite erwarten Börsianer keine neuen Hinweise auf den Startschuss für das "Tapering". Die Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle des Offenmarktausschusses am Mittwoch werde wohl keine Überraschungen bereithalten. Gleiches gelte für das am Donnerstag beginnende alljährliche Notenbanker-Treffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Mit Bernanke, Mario Draghi (EZB) und Jens Weidmann (Bundesbank) fehlen drei Führungsfiguren.

Anleger richten ihre Blicke daher auf den europäischen Einkaufsmanager-Index am Donnerstag. Analysten rechnen für August mit einem Anstieg. Zugleich warnt MM Warburg-Experte Klude allerdings vor überzogenen Erwartungen an die Konjunkturentwicklung der Euro-Zone. "Wir rechnen eher mit einer Bodenbildung als einer Erholung." Sein Commerzbank-Kollege Leuchtmann sagt einen "schmerzhaft langsames" Wachstum voraus.

Firmenbilanzen stehen in der neuen Woche nur vereinzelt auf der Agenda. So wollen am Dienstag der US-Einzelhändler JCPenney und die Baumarkt-Kette Home Depot Zahlen vorlegen. In Deutschland präsentieren der Autovermieter Sixt (Mittwoch) und der TV-Sender RTL (Donnerstag) ihre Bilanzen.

Und auch, ob es in den kommenden Wochen am Aktienmarkt lebhafter zugehen wird, ist eher unwahrscheinlich. Denn laut einer Studie ist aus historischer Sicht während der heißen Phase des Wahlkampfes eher mit einer Abkühlung zu rechnen. "Betrachtet man für alle Wahltermine seit 1959 jeweils die Aktienmarktentwicklung in den Tagen vor und nach der Wahl, so ergibt sich die einheitliche Tendenz, dass der Aktienmarkt in den 50 Tagen vor der Wahl grundsätzlich zur Schwäche neigt", sagt Dekabank-Aktienstratege Joachim Schallmayer. In den 50 Tagen nach der Wahl gehe es hingegen genauso flott wieder nach oben - vor allem bei einem Regierungswechsel.

Quelle: n-tv.de

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