Wirtschaft
Die Datenflut der kommenden Woche will mit scharfem Blick genau analysiert sein an den Börsen.
Die Datenflut der kommenden Woche will mit scharfem Blick genau analysiert sein an den Börsen.(Foto: REUTERS)

Was macht Bernanke?: Fed entscheidet die Richtung

Nun wird es wohl soweit sein: An den Märkten rechnen die Händler mit der beginnenden Drosselung der Anleihenkäufe durch die US-Notenbank. Daneben könnten eine Reihe von Konjunkturdaten für Bewegung sorgen. Zum Ende der Woche regieren dann die Hexen. Dennoch schielt der Dax weiter auf das Rekordhoch.

Auf dem deutschen Parkett sind die anstehende Bundestagswahl, die Fed-Sitzung sowie der Hexensabbat die bestimmenden Themen. Dabei wird mit verstärkter Unsicherheit und kräftigeren Schwankungen gerechnet. Alles in allem aber sollte die Tendenz an den Börsen weiter nach oben weisen und könnte dem deutschen Leitindex Dax ein neues Rekordhoch bescheren.

"Die Entwicklung des Aktienmarktes wird stark davon abhängen, was die Fed sagt", sagt Kapitalmarktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. US-Notenbankchef Ben Bernanke müsse klar abstecken, wie lange es dauert, bis ein nächster Schritt kommt. "Wenn es eine klare Linie gibt, dann könnten die Börsen sogar steigen. Wenn nicht, dann geht es mit der Nervosität weiter - und die Kurse dürften fallen."

Drosselung der Anleihenkäufe erwartet

Die US-Notenbank berät am Dienstag und Mittwoch über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. Seit einem dreiviertel Jahr pumpt sie über den Kauf von Immobilienpapieren und Staatsanleihen jeden Monat 85 Milliarden Dollar in die Märkte und leistet damit eine ordentliche Anschubhilfe. Seit Bernanke Ende Mai erstmals ein Zurückfahren der monatlichen Geldflut angedeutete hatte, hat die Unsicherheit über das weitere Vorgehen die Märkte in Bewegung gehalten.

Experten rechnen damit, dass die Fed am Mittwochabend voraussichtlich das Anleihekaufprogramm einschränken. Zuvor ist ein Ausbruch der Aktienmärkte nach oben auf neue Höchststände eher unwahrscheinlich. Zwar wird die US-Notenbank bekräftigen, dass der Leitzins noch länger niedrig bleibt. Die Anleger sind aber nervös, weil sie mit weiter steigenden Zinsen am langen Ende rechnen.

In der zu Ende gehenden Woche hat der Dax rund 2,8 Prozent an Wert gewonnen; der Aufschwung war zu einem großen Teil getragen von der Erleichterung, dass ein US-Militärschlag gegen Syrien zumindest vorerst vermieden werden konnte. Am Freitag war der Dax mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 8509 Zähler ins Wochenende gegangen. Das war der höchste Stand seit 22. Mai. Damals wurde im Tagesverlauf bei 8557 Punkten zudem ein Rekordhoch markiert. Die Wall Street legte auf Wochensicht mehr als drei Prozent zu und verbuchte die beste Woche seit Januar.

Die Experten der Landesbank Berlin (LBB) sehen optimistisch auf die Marktlage, zumal Dax und EuroStoxx 50 ihrer Einschätzung nach immer noch moderat bewertet sind. Vorsicht gelte dabei nach wie vor wegen des weiterhin nicht gelösten Syrien-Konflikts. Erhebliches Potenzial für größere Schwankungen sehen die Analysten zudem in dem sich abzeichnenden Kopf-an-Kopf-Rennen bei der am Sonntag (22. September) anstehenden Bundestagswahl. LBBW-Experte Berndt Fernow hält eine Große Koalition von CDU und SPD für möglich und billigt dieser "durchaus positives Überraschungspotenzial" für den Aktienmarkt zu.

Konjunkturdaten aus den USA und der Eurozone

Vor der Fed-Entscheidung am Mittwoch stehen noch drei wichtige Konjunkturindikatoren in der weltgrößten Volkswirtschaft an. Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz erwartet ein solides Plus bei der Industrieproduktion und den Baubeginnen sowie eine gedämpfte Inflation. "Damit würden die Daten das Bild eines moderaten Wachstums der US-Wirtschaft im dritten Quartal bestätigen."

Hierzulande wird der ZEW-Index am Dienstag wieder die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich ziehen. Analysten gehen davon aus, dass sich die Konjunkturerwartungen für die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone nochmals verbessert haben. Sie prognostizieren für September einen Anstieg auf 46 von zuvor 42 Punkten. 

Von Unternehmensseite her dürfte der Verkauf von Rhön-Kliniken an Fresenius weiter für Gesprächsstoff sorgen. Unter Analysten wird diskutiert, ob womöglich die Rhön-Aktionäre B.Braun und Asklepios  versuchen werden, den Verkauf von mehr als vierzig Kliniken an den Bad Homburger Gesundheitskonzern zu verhindern.

Auch ThyssenKrupp und der schleppende Verkaufsprozess der Übersee-Werke dürften weiter Thema am Markt sein. Anleger werden sicher auch über potenzielle Nachfolger von Joseph Ackermann im Siemens -Aufsichtsrat diskutieren.

Hexensabbat bewegt Kurse

In den USA legen am Mittwoch der Softwarekonzern Oracle und der Logistiker FedEx Zwischenberichte vor. Zudem steht an diesem Tag die in Italien die Frage an, ob der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi trotz seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung im Senat bleiben darf. Die Abstimmung darüber könnte sich zu einer Regierungskrise auswachsen, denn Berlusconis Parteifreunde haben bereits gedroht, bei Ausschluss die Regierung platzen zu lassen.

Am Freitag sollte dann der Große Verfall an den weltweiten Terminbörsen für weitere Spannung sorgen. Dieser sogenannte große Hexensabbat kann erfahrungsgemäß erhebliche Turbulenzen auslösen. Dann können Aktienkurse und Indizes ohne wesentliche Unternehmens- oder Konjunkturnachrichten kräftig schwanken. Dann nämlich verfallen sowohl Optionen und Futures auf einzelne Aktien und Indizes. Am Tagesende werden schließlich die von der Deutschen Börse Anfang September beschlossenen Änderungen innerhalb der Dax-Familie (Dax, MDax, TecDax und SDax) umgesetzt.

Derweil könnte die zehnjährige US-Rendite könnte in einem dritten Anlauf die Marke von 3 Prozent überwinden und weiter Richtung 3,3 Prozent steigen. Denn häufig ist der dritten Anlauf an solche Schlüsselmarken erfolgreich. Weiter steigende Zinsen dürften den Aufschwung am Aktienmarkt kurzfristig zumindest bremsen. Derzeit leidet vor allem der Goldpreis unter der Entwicklung. Steigende Zinsen bei niedrigen Inflationsraten sind Gift für das Edelmetall und dürften den Goldpreis erst einmal in der Baisse halten.

Quelle: n-tv.de

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