Wirtschaft
Japan erlebt einen relativ ruhigen Handelstag.
Japan erlebt einen relativ ruhigen Handelstag.(Foto: AP)

Sichere Häfen werden wieder verlassen: Fernost-Börsen erholen sich

Der Mittwochhandel verläuft in Fernost weniger spektakulär als am Vortag. Die Ölpreise stabilisieren sich. In Russland fängt sich der Rubel wieder. Nun blicken die Börsianer nach Amerika. Dort könnte sich die Fed zur weiteren Zinsentwicklung äußern.

Ohne einheitliche Richtung haben die Börsen in Ostasien den Handel beendet. Nachdem der Verkaufsdruck der vergangenen Tage nachließ, schlossen die meisten Indizes aber mit Erholungsgewinnen, gestützt von deutlichen Gewinnen an den Aktienmärkten in Europa. Auch von Schnäppchenkäufen nach den vorangegangenen Verlusten war die Rede.

Die sich andeutende Stabilisierung bei den Ölpreisen sorgte ebenso wieder für etwas Zuversicht wie die beruhigte Lage am Devisenmarkt. Dort hat sich der Rubel nach seinen zwischenzeitlich dramatischen Verlusten fürs erste wieder gefangen. Nach Tagestiefs von fast 80 Rubel je Dollar am Dienstag, kostete der Dollar zuletzt 68,57 Rubel. Das Preis für ein Fass Öl der Nordseesorte Brent lag zuletzt bei 59,48 Dollar, verglichen mit 59,81 im späten US-Handel.

Die etwas nachlassende Verunsicherung an den Finanzmärkten machte sich auch beim sicheren Hafen Yen bemerkbar. Er gab leicht nach auf 117,20 Yen je Dollar nach Tageshochs am Dienstag von deutlich unter 116. Beim Gold tat sich in Asien nach dem Rücksetzer von 1.220 auf knapp unter 1.200 Dollar je Feinunze am Vortag wenig.

Der nachgebende Yen hellte die Stimmung an der Tokioter Börse wieder auf, weil er günstig für die Exportindustrie des Landes ist. Der Nikkei-Index gewann 0,4 Prozent auf 16.819 Punkte, obwohl das Exportwachstum Japans im November mit 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr schwächer ausfiel als erwartet. Wegen rückläufiger Importe fiel das japanische Handelsbilanzdefizit im November aber dennoch niedriger aus als gedacht.

"Nach mehreren Tagen mit Kursverlusten sind Aktien jetzt definitiv billig genug, um zu kaufen; der Markt bleibt aber anfällig für externe Effekte wie volatile Währungen und Rohstoffe", sagte Aktienexperte Hiroichi Nishi von SMBC Nikko Securities. "Die Turbulenzen sind noch längst nicht ausgestanden", befürchtet er.

Alle Augen seien nun auf die Aussagen der US-Notenbank gerichtet, nach dem Ende der zweitägigen Beratungen im späteren Tagesverlauf, hieß es. Die entscheidende Frage sei, wie der Passus zum zukünftigen Zinsniveau ausfalle. Nach den jüngsten Verwerfungen an den globalen Finanzmärkten mehrten sich die Stimmen, dass US-Notenbankchefin Yellen eher "taubenhaft" auftreten dürfte. Vor kurzem hatten dagegen verstärkt Spekulationen die Runde gemacht, dass die allgemein erwartete Zinserhöhung in den USA früher kommen könnte angesichts positiver US-Konjunkturdaten. Steigende US-Zinsen könnten dazu führen, dass Anlegergelder aus riskanteren Anlagen beispielsweise in den Schwellenländern abgezogen werden.

Ungebrochen war der Aufwärtstrend in Schanghai. Der Shanghai-Composite legte um 1,3 Prozent zu auf ein neuerliches Mehrjahreshoch von 3.060 Punkten. Kurstreiber sei weiter die Erwartung geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur, hieß es. Angesichts der Abschwächung der Konjunktur habe Peking gar keine Wahl, als weitere Maßnahmen zu ergreifen, auch zur Abwehr deflationärer Tendenzen, meinte Analyst Li Huiyong von Shenyin & Wanguo Securities. Er rechnet mit einer Erleichterung bei den Mindestreserveanforderungen bei den Banken.

Für einen positiven Impuls sorgte der MNI-Indikator zur Stimmung der Unternehmen in China. Er ist im Dezember unerwartet gestiegen und drängte den enttäuschenden HSBC-Einkaufsmanagerindex vom Wochenbeginn in den Hintergrund.

Tagesfavoriten in Schanghai waren erneut Aktien aus dem Finanzsektor wie Bank of Ningbo, China Minsheng Banking und China Citic Bank mit Gewinnen von je 10 Prozent. Auch die Kurse der Brokerhäuser stiegen erneut kräftig um bis zu 10 Prozent.

Bei den weiteren Einzelwerten rutschten Japan Tobacco in Tokio um weitere gut 7 Prozent ab. Die Aktie litt erneut unter der Schwäche des Rubels, die das stark wachsende Geschäft des Unternehmens in Russland beeinträchtigt. Inpex profitieren wie andere Aktien aus dem Ölsektor auch von der zaghaften Erholung bei den Ölpreisen und legten um fast 3 Prozent zu. Nishimatsuya Chain brachen derweil um 12 Prozent ein, nachdem der Einzelhändler für Babybedarf enttäuschende Geschäftszahlen vorgelegt hatte.

Japan Display profitierten von günstigen Wachstumsprognosen für den Elektronik- und Informationstechnologiesektor sowie einer Kurszielerhöhung und gewannen 5,8 Prozent.

Nach sechs Tagen in Folge mit Verlusten schaffte die Börse in Sydney wieder ein kleines Plus. Angeführt wurden die Gewinner von Aktien aus dem Energiesegment wie Santos, Woodside Petroleum und Oil Search, deren Kurse zuletzt wegen der Ölpreismalaise unter die Räder gekommen waren. Die Kurse der Goldminenbetreiber litten dagegen unter dem zuletzt wieder gesunkenen Goldpreis.

Quelle: n-tv.de

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