Wirtschaft
Offensive Geldpolitik der BoJ: Der Aktienmarkt reagiert darauf anders als die Devisen.
Offensive Geldpolitik der BoJ: Der Aktienmarkt reagiert darauf anders als die Devisen.(Foto: picture alliance / dpa)

Yen kommt zurück: Gerüchte drücken den Euro

Der Euro gibt in einer scharfen Bewegung gegenüber dem Dollar deutlich nach. Zuvor verbreitet sich das Gerücht über einen angeblichen Rücktritt des Bundesbankpräsidenten. Die Bank dementiert, die Gemeinschaftswährung erholt sich.

Der Euro ist nach vagen Gerüchten über einen möglichen Rücktritt von Bundesbankpräsident Jens Weidmann zeitweise unter die Marke von 1,33 US-Dollar gefallen. Zwischenzeitlich rutschte die Gemeinschaftswährung auf ein Tagestief bei 1,3266 Dollar. Die Bundesbank dementierte die Marktgerüchte umgehend. Ein Sprecher der Notenbank sagte, an den Gerüchten sei "nichts dran." Sie seien völlig abwegig.

Nach dem Dementi machte der Euro einen Teil der starken Kursverluste wieder wett und erholte sich auf 1,3301 Dollar. Am Morgen hatte die Gemeinschaftswährung noch ein Tageshoch bei 1,3371 Dollar erreicht, nachdem die japanische Notenbank ihre Geldpolitik abermals gelockert hatte. Der Euro stand damit zeitweise nur knapp unter dem Elf-Monatshoch, dass er am 14. Januar bei 1,3404 Dollar erklommen hatte.

"Ein Rücktritt von Weidmann wäre bitter und schlecht für den Euro", kommentierte ein Händler die Gerüchte, denen er aber keinen Glauben schenkt. Weidmann werde wegen seiner Kritik an dem zunehmenden Druck der Politik auf die Zentralbanken kaum das Handtuch werfen. Am Morgen hat sich die japanische Notenbank dem Druck der neuen Regierung gebeugt und das Inflationsziel angehoben sowie Anleihenkäufe angekündigt.

Yen im Blick

Auf die nochmals gelockerte Geldpolitik der Bank of Japan reagierte der Devisenmarkt gelassen. Im frühen europäischen Handel erholte sich der Yen sogar etwas, nachdem er im Vorfeld der Notenbanksitzung unter Druck geraten war. Am Vormittag kostete der Dollar 89 Yen und der Euro 118 Yen.

Die japanische Zentralbank hat erwartungsgemäß das Inflationsziel auf zwei Prozent verdoppelt. Außerdem kündigte sie an, ab 2014 unbegrenzt Anleihen anzukaufen. Sie will damit die Spirale aus Deflation und Rezession überwinden. Das Anleihe-Programm kam für einige überraschend, wie Währungsstratege Roy Teo von der ABN Amro Bank in Singapur sagte. Für viele entscheidend sei nun, dass es noch etliche Monate dauert, bis es greift. "Bis dahin wird die Bank of Japan nichts Aggressiveres tun, um den Yen zu schwächen", meint Teo.

Die neue japanische Regierung setzt auf eine aggressive Geldpolitik und ein massives Konjunkturprogramm, um die Wirtschaft des Landes aus der Krise zu holen. Vor wenigen Tagen beschloss das Kabinett Stützungshilfen von 10,3 Billionen Yen. Die Regierung stellte das Paket als das zweitgrößte Konjunkturprogramm in der Geschichte des Landes heraus. Ein größeres Paket gab es nur nach dem Kollaps von Lehman Brothers im Jahr 2008.

Die Devisenmarktexperten der Commerzbank halten nach den jüngsten geldpolitischen Maßnahmen der Bank of Japan in den kommenden Tagen eine Konsolidierung des Dollar und des Euro zum Yen für möglich. Marktteilnehmer, die auf eine anhaltende und durch die BoJ angeheizte Yen-Schwäche gesetzt hätten, dürften nämlich enttäuscht worden sein. Aus technischer Sicht liege die nächste große Unterstützung des Dollar bei 87,95 Yen.

Ein sofortiger Beginn der Käufe wäre sicher ein noch stärkeres Signal an den Markt gewesen, kommentiert die Commerzbank. Wieder einmal erscheine die BoJ damit nicht wirklich pro-aktiv.

"Ich selbst bin weiter negativ gestimmt für den Yen", sagt Devisenexperte Michiyoshi Kato von der Mizuho Corporate. Die Yen-Schwäche, die auf den Erwartungen an die Regierung und die BoJ beruhte sei allerdings vermutlich erst einmal vorbei.

Quelle: n-tv.de

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