Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

iPhone mildert Blackberry-Schock: Gewinnmitnahmen an der Wall Street

Die Rekordjagd von Dow & Co ist beendet. Da die Fed alles beim Alten belassen hat, bleibt die wichtigste Frage an den Finanzmärkten: Wann ist Schluss mit der Geldflut? Bei den Unternehmen schocken die Verluste von Blackberry, da machen die iPhones deutlich mehr Freude.

Zum Wochenausklang haben die Anleger an der Wall Street Gewinne mitgenommen. Technologiewerte hielten sich dabei etwas besser als der übrige Markt, obwohl Smartphonehersteller Blackberry mit einer Gewinnwarnung schockte. Am heutigen Freitag kamen nämlich die neuen iPhone-Modelle in die Läden. Die zunächst harsch kritisierten Geräte scheinen sich nun doch reger Nachfrage zu erfreuen. Bestimmte Modelle seien schon ausverkauft, meldete iPhone-Hersteller Apple.

Die Apple-Aktie konnte anfängliche Gewinne zwar nicht halten und fiel um 1 Prozent. Die Blackberry-Aktie traf es aber ungleich härter. Sie brach um 17 Prozent ein. Das kanadische Unternehmen hat in seinem zweiten Geschäftsquartal nach vorläufigen Angaben fast eine Milliarde Verlust geschrieben, weil das neue Blackberry-Modell sich als Ladenhüter entpuppte. Blackberry muss nun kräftig sparen und fängt bei der Belegschaft an: Von 11.500 Mitarbeitern müssen 4.500 gehen.

Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index verlor 0,4 Prozent. Düsterer sah es aber bei den Standardwerten aus: Der Dow-Jones-Index büßte 1,2 Prozent auf 15.451 Punkte ein. Der S&P-500 gab um 0,7 Prozent nach.

Wegen des großen Verfalltermins am Freitag war das Umsatzvolumen mit 2,04 (Donnerstag: 0,74) Milliarden Aktien überdurchschnittlich hoch. Die Kursgewinner waren mit 883 klar in der Unterzahl, während die Zahl der Verlierer mit 2.225 angegeben wurde und 71 Titel unverändert schlossen.

Zentrales Thema war abermals die überraschende Entscheidung der US-Notenbank vom Mittwoch, an ihrer ultralockeren Geldpolitik zunächst festzuhalten. Der vorläufige Verzicht auf das gefürchtete "Tapering" war mit Erleichterung aufgenommen worden und trieb die Kurse an der Wall Street zur Wochenmitte auf Rekordhochs.

Inzwischen wird die Notenbank aber von vielen Beobachtern, aber auch aus den eigenen Reihen, für ihre Kommunikationspolitik kritisiert. Aufgrund von Äußerungen verschiedener Vertreter der Federal Reserve in den Wochen vor der Zinssitzung hatte sich am Markt die Überzeugung durchgesetzt, dass die Fed noch in diesem Monat mit dem Ausstieg aus ihrer quantitativen Lockerung (QE3) beginnen wird. Der Aufschub erwischte viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß. Indem sie die Erwartungen des Marktes enttäuscht habe, habe die Federal Reserve ihre Glaubwürdigkeit an der Wall Street beschädigt, räumte Esther George, Präsidentin der Kansas City Fed, ein.

Inzwischen ist den Anlegern aber klar: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wer das nicht wahrhaben wollte, wurde von James Bullard, Präsident der Federal Reserve of St. Louis, eines besseren belehrt. Bullard sagte, dass die US-Notenbank ihre Stimuli schon im Oktober etwas zurückfahren könnte. Derzeit kauft die Fed jeden Monat Staatsanleihen und Hypothekenpapiere für 85 Milliarden Dollar.

Die Aussicht auf eine Fortsetzung dieser Käufe hatte die Kurse am Anleihemarkt am Mittwoch kräftig nach oben getrieben. Zum Wochenausklang legten sie nochmals leicht zu. Die Rendite zehnjähriger Treasurys sank um einen Basispunkt auf 2,75 Prozent.

Der Goldpreis kam deutlicher zurück. Er war ebenfalls nach oben geschossen, weil die Anleger als Folge der fortgesetzt lockeren Geldpolitik eine steigende Inflation befürchteten und sich dagegen absichern wollten. Die Feinunze sank zum Settlement um 2,7 Prozent bzw 36,80 Dollar auf 1.332,30 Dollar. James Turk, Gründer und Chairman von GoldMoney, sprach von einer "logischen" Korrektur des steilen Preisanstiegs.

Am Ölmarkt gab der Preis für die US-Referenzsorte WTI den zweiten Tag in Folge nach. Hier würden die Fed-Beschlüsse ausgepreist, sagen Händler. Das schwarze Gold hatte am Mittwoch von der Aussicht auf noch mehr Konjunkturstimuli profitiert. Das Barrel WTI fiel um 1,6 Prozent bzw 1,72 Dollar auf 104,67 Dollar. Brentöl stieg dagegen um 0,4 Prozent bzw 0,46 Dollar auf 109,22 Dollar.

Am Devisenmarkt kam der Euro etwas zurück. Die Gemeinschaftswährung behauptet sich aber oberhalb der Marke von 1,35 Dollar, die sie am Mittwoch nach der Fed-Sitzung erstmals seit Anfang Februar zurückerobert hatte. Im späten US-Handel kostete ein Euro etwa 1,3520 Dollar.

An der Börse waren Aktien des Apple-Zulieferers Broadcom anfangs gesucht. Sie gaben aber ihre Gewinne wieder ab und schlossen kaum verändert. Aktien von Avago Technologies und TriQuint Semiconductor, die mutmaßlich ebenfalls Bauteile für das iPhone liefern, gewannen 2,1 sowie 1,8 Prozent.

Der Kurs des Stahlkonzerns AK Steel brach um 8,1 Prozent ein, nachdem das Unternehmen im dritten Quartal einen überraschend hohen Verlust eingefahren hatte.

Abwärts ging es auch für die Microsoft-Aktie, die 2,5 Prozent verlor. Erstmals seit zwei Jahren hatte der Konzern wieder Finanzanalysten zu einem Treffen eingeladen. Wichtige Fragen wie zum Beispiel die Besetzung des CEO-Postens blieben aber unbeantwortet. Der scheidende Konzernlenker Steve Ballmer räumte immerhin Fehler beim Geschäft mit Mobiltelefonen ein.

Aktien von Caterpillar verbilligten sich um 3,4 Prozent. Der Hersteller von Baumaschinen hatte in einer Pflichtmitteilung von einem sinkenden Absatz im Einzelhandel berichtet.

An ihrem letzten Handelstag im Dow verloren Bank of America 1,2 Prozent und Alcoa 1,8 Prozent. Hewlett-Packard, die ebenfalls aus dem Index fallen, gaben um 0,4 Prozent nach. Die drei Titel werden ab Montag durch Goldman Sachs, Visa und Nike ersetzt. Während die Visa-Aktie 2,1 Prozent gewann und Goldman um 1,2 Prozent stiegen, verloren Nike 0,2 Prozent.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen