Wirtschaft
Schwindelerregende Aussichten vom Fünfjahreshoch: Ist die magische Kursmarke zum greifen nah?
Schwindelerregende Aussichten vom Fünfjahreshoch: Ist die magische Kursmarke zum greifen nah?(Foto: REUTERS)

Dax-Vorschau: Gipfelsturm auf die 8000

Die Mischung aus starken Konjunktursignalen und soliden Zwischenbilanzen könnte den deutschen Aktienmarkt in der kommenden Woche weiter nach oben tragen: Marktstrategen trauen dem Dax durchaus einen Anstieg über sein bisheriges Allzeithoch zu. Die 8000er-Marke könnte fallen.

Mitten in der laufenden Bilanzsaison rückt eine magische Kursmarke in Reichweite: Im Dax nehmen Anleger ernsthaft die psychologisch bedeutsame Schwelle bei 8000 Punkten in Angriff. Die Voraussetzungen für weiter steigende Aktienkurse sind nach Einschätzung der DZ Bank jedenfalls gegeben, denn in Europa habe sich die Schuldenkrise ebenso verflüchtigt wie in den USA die Debatte um die Fiskalklippe.

Bei rekordniedrigen Zinsen und der immer noch günstigen Bewertung von Aktien stelle sich deshalb die Frage, so die Marktstrategen, ob 2013 der "große Wechsel" aus Anleihen in Aktien bevorstehe. Andere Analysten sagen den Aktienbörsen mittel- und langfristig ebenfalls eine rosige Zukunft voraus, auch wenn die Experten der Landesbank Berlin auf kurze Sicht vor einer Konsolidierung an den Börsen warnen.

Allzu weit entfernt ist der deutsche Leitindex aber nicht mehr von seiner 8000er-Marke: Auf Wochensicht verzeichnete der Dax zuletzt ein Plus von zwei Prozent. Nach dem starken Konjunktursignal des Ifo-Index war das richtungsweisende deutsche Börsenbarometer am Freitag mit einem Plus von 1,42 Prozent auf 7857,97 Zählern auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren aus dem Handel gegangen. Das bisherige Allzeithoch von 8151 Punkten aus dem Juli 2007 liegt nicht mehr weit entfernt. Genau genommen sind es weniger als 300 Punkte, die den Dax von einem neuen historischen Rekordhoch trennen.

Frische Unternehmensergebnisse könnten dabei den Ausschlag geben: Denn in die bisher recht ordentlich verlaufene Bilanzsaison kommt in der anstehenden Woche auch in Deutschland neuer Schwung. Allerdings müssen Anleger nach Ansicht der Commerzbank-Analysten die Absatzmärkte der jeweiligen Konzerne im Auge behalten. Denn obwohl sich die Euro-Schuldenkrise abschwäche, werde sie diejenigen Firmen bremsen, die ihre Waren hauptsächlich nach Europa lieferten.

"Die MDax -Unternehmen erzielen im Durchschnitt immer noch mehr als 70 Prozent ihrer operativen Erträge in Europa, bei Dax-Unternehmen liegt der Anteil hingegen inzwischen unter 60 Prozent. Unternehmen mit hohen Ertragsanteilen außerhalb Europas - insbesondere USA und Asien - sollten von dieser Entwicklung auch in diesem Jahr profitieren", urteilten die CoBa-Analysten.

Deutsche Bank, Infineon und Merck

Am Donnerstag steht das Zahlenwerk der Deutschen Bank im Mittelpunkt. Analysten rechnen wegen der Kosten für den Konzernumbau mit einem Gewinnrückgang im Gesamtjahr, für das Schlussquartal erwarten einige Experten sogar einen Verlust. Das Institut selbst hatte schon Mitte Dezember vor "signifikant negativen" Auswirkungen auf den Gewinn gewarnt, weil der Umbau und das milliardenschwere Sparprogramm nicht so einfach wegzustecken seien.

Ebenfalls am Donnerstag öffnet das Dax-Mitglied Infineon die Bücher. Am Freitag folgt der Darmstädter Pharmakonzern Merck KGaA mit seinem Ergebnis für das vierte Quartal.

Eon, BASF und Boeing

Zuvor veröffentlicht Eon am Mittwoch eine neue Prognose für 2013. Dem Energiekonzern setzt der Atomausstieg in Deutschland und ein Schuldenberg von mehr als 35 Mrd. Euro zu. In der abgelaufenen Woche verbuchte die Aktie mit einem Abschlag von mehr als 3 Prozent auf Wochensicht das größte Minus von allen 30 Dax-Werten.

Aus den USA legen unter anderem am Montag der Baumaschinenhersteller Caterpillar, am Mittwoch der zuletzt von den "Dreamliner"-Pannen erschütterte Airbus-Konkurrent Boeing und am Donnerstag der BASF-Rivale Dow Chemical ihre Bilanzen vor.

Was bringt der Job-Report?

Auf der Konjunkturseite dürfte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwoch nach Einschätzung von Analysten ihren Kurs der lockeren Geldpolitik beibehalten. Die Anleger richten ihren Blick vielmehr auf den US-Arbeitsmarktbericht für Januar, der am Freitag veröffentlicht werden. Analysten gehen von 160.000 neu geschaffenen Stellen und einer gleichbleibenden Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent aus.

Weitere wichtige Konjunkturdaten aus den USA sind die Zahlen zum Verbrauchervertrauen im Januar am Dienstag und die erste Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal am Mittwoch. Die Commerzbank-Ökonomen erwarten ein langsameres Wachstum von 0,8 Prozent der weltgrößten Volkswirtschaft zum Jahresende.

Am Freitag folgt noch der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, bei dem Postbank-Analyst Heinrich Bayer mit einem Rückgang auf 49,5 von 50,7 Punkten rechnet.

Mit großem Schwung ins Wochenende

Vor dem Wochenende hatten unerwartet gute Konjunkturdaten den deutsche Aktienmarkt beflügelt: Der Ifo-Geschäftsklimaindex hatte sich im Januar zum dritten Mal in Folge aufgehellt. Zusätzlich stützten der starke Euro und freundlich startende US-Börsen. Erst überraschend schwache Zahlen vom US-Immobiliensektor hätten die Aufwärtsdynamik nach Ansicht von Händlern am späten Nachmittag gedrosselt.

Der Dax erreichte den höchsten Stand seit fünf Jahren und endete 1,42 Prozent über Vortag bei 7857,97 Punkten. Der MDax stieg um 0,43 Prozent auf 12 730,02 Punkte. Der TecDax stieg wegen massiv gefallener Solarworld-Aktien nur um 0,08 Prozent auf 889,13 Punkte.

Der Eurostoxx50 schloss 0,78 Prozent höher bei 2744,18 Punkten. Der Pariser CAC 40 zeigte sich ebenfalls fester, während der Londoner FTSE-Index nur ein knappes Plus verbuchte.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,22 Prozent am Vortag auf 1,29 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,23 Prozent auf 133,83 Punkte. Der Bund-Future büßte 0,58 Prozent auf 142,50 Punkte ein. Der Kurs des Euro rückte wegen des starken Ifo-Index weiter vor und bewegte sich auf dem höchsten Niveau seit rund elf Monaten. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3469 (Donnerstag: 1,3349) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7424 (0,7491) Euro.

Quelle: n-tv.de

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