Wirtschaft
Der Goldpreis stürzt weiter ab.
Der Goldpreis stürzt weiter ab.(Foto: picture alliance / dpa)

Bernankes Ausstiegspläne belasten Edelmetall: Gold erlebt größten Kurssturz seit 1920

Die US-Notenbank deutet ein baldiges Ende ihrer massiven Geldspritzen an, die Preise für Edelmetalle rauschen seitdem in den Keller. Denn die Inflationsangst vieler Anleger könnte sich damit als übertrieben erweisen. Der Einbruch ist so dramatisch wie seit über 90 Jahren nicht mehr.

Wegen dem drohenden Ende der massiven Konjunkturhilfen der US-Notenbank lässt die Furcht vor Inflation unter den Anlegern nach - den "sicheren Hafen" Edelmetalle laufen sie deshalb seltener an. Gold setzte deshalb am Mittwoch seine Talfahrt fort und verbilligte sich um bis zu 4,2 Prozent auf 1223,54 Dollar je Feinunze. Im Sog des fallenden Gold-Preises ging auch Silber in die Knie. Der Preis für eine Feinunze fiel um bis zu 6,1 Prozent auf 18,39 Dollar.

Das ist in beiden Fällen der niedrigste Stand seit knapp drei Jahren. Laut Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg verlor der Goldpreis im laufenden Quartal bereits etwa 22 Prozent und zeigte damit den stärksten Einbruch innerhalb eines Quartals seit 1920. Mit einem Minus von bislang rund 35 Prozent steuert auch Silber auf den größten Quartalsverlust seit mindestens 30 Jahren zu.

Die Aussicht auf ein Abflauen der Geldschwemme durch die US-Notenbank habe den Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) an der Börse in London stark unter Verkaufsdruck gesetzt, hieß es unter Händlern. Auslöser für den aktuellen Kursrutsch sind überraschend starke Konjunkturdaten aus den USA und ein damit einhergehender Anstieg des US-Dollars. In der größten Volkswirtschaft der Welt setzt der Immobilienmarkt seine Erholung fort. Die US-Verbraucher sind so zuversichtlich wie lange nicht mehr, und auch Unternehmen investieren wieder kräftig.

Die positiven Zahlen vergrößerten die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank ihre Geldspritzen, mit der sie die Konjunktur ankurbeln will, wie angekündigt noch vor dem Jahresende verringert. Die US-Notenbank Fed pumpt derzeit durch den Ankauf von Anleihen und Immobilienpapieren monatlich 85 Mrd. Dollar ins Finanzsystem. Vergangene Woche hatte Fed-Chef Bernanke angekündigt, bei einer weiterhin guten Konjunkturentwicklung noch im laufenden Jahr mit dem Ausstieg zu beginnen. Dies hatte seitdem den Goldpreis stark belastet.

Auch börsennotierte Gold-Fonds lassen Federn

"Der durch die Federal Reserve quasi angekündigte Entzug der Liquiditätsdroge wirft spürbar seine Schatten voraus", schrieb NordLB-Analyst Norman Rudschuck in einem Kommentar. Die monatlichen Geldspritzen der US-Notenbank Fed würden und müssten schließlich irgendwann versiegen. "Nur die Frage des Zeitpunktes oder der Geschwindigkeit der Rückführung ist und bleibt weiterhin fraglich."

"Wir haben Gold aus zwei Gründen gekauft: Weil wir über die inflationären Auswirkungen der Geldpolitik besorgt waren und weil wir ein Zusammenbrechen des Finanzsystems befürchtet haben", sagte Sean Corrigan, Chef-Investmentstratege bei Diapason Commodities Management. "Und obwohl dies vielleicht eine komplette Fehleinschätzung ist, hat der Markt entschieden, dass keins von beiden derzeit Anlass zur Sorge ist."

Vor diesem Hintergrund warfen Anleger auch börsennotierte Gold-Fonds (ETFs) aus ihren Depots. Deren Edelmetall-Bestände lagen am Dienstag mit 59,222 Mio. Feinunzen (1,8 Tonnen) auf dem niedrigsten Stand seit Februar 2011. Damit gehen sie die 13. Woche in Folge zurück.

Auch die Ölpreise purzeln

Auch die Ölpreise sind angesichts eines festeren US-Dollars im asiatischen Handel gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August fiel auf 100,73 US-Dollar. Das waren 53 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Lieferung sank um 87 Cent auf 94,46 Dollar.

Die breiten Kursgewinne des US-Dollar hätten auf die Ölpreise gedrückt, sagten Händler. Der Dollar hatte am Dienstag nach den überraschend guten US-Konjunkturdaten Auftrieb erhalten. Ein festerer Dollar macht Rohöl für Anleger aus anderen Währungsräumen teurer. Zudem drücke die anhaltende Schwäche am chinesischen Aktienmarkt auch auf die Stimmung am Ölmarkt, sagten Händler. Im Nachmittagshandel werden aus den USA die wöchentlichen Rohöllagerbestände erwartet.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen