Wirtschaft
Der Goldpreis fällt.
Der Goldpreis fällt.(Foto: picture alliance / dpa)

Öl wird etwas billiger: Goldpreis geht auf Talfahrt

An den Rohstoffmärkten bleibt der politische Streit um die Anhebung der US-Schuldengrenze das dominierende Thema. Kaum deutet sich eine Entspannung an, wird Gold deutlich billiger. Händler erwarten neue Tiefststände.

Gold steht zum Wochenausklang unter kräftigem Verkaufsdruck. Der Preis für die Feinunze fällt am Nachmittag auf 1264 Dollar - und damit auf den niedrigsten Stand seit über drei Monaten. Vom Hoch am Donnerstag ist das ein Minus von 3,5 Prozent. "Gold hat den Status als sicherer Hafen verloren", so ein Händler. Das Edelmetall habe schon während des US-Haushaltsstreit nicht zugelegt, nun gehe es deutlich nach unten.

Der Börsenbetreiber CME musste den Goldhandel kurzzeitig sogar aussetzen, da der Preis bei hohem Volumen kräftig nach unten lief. Grund für die Schwäche des Goldpreises ist wohl die Annäherung der politischen Parteien in Washington im Streit um Haushalt und Schuldengrenze. Die Republikaner haben sich mit US-Präsident Obama getroffen und eine Anhebung der Schuldengrenze vorgeschlagen, die deren Erreichen um sechs Wochen verschiebt. Im Gegenzug sollen Verhandlungen über die Kürzung von Staatsausgaben erfolgen. Damit ist zwar die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA nicht abgewendet, doch ein Weg geebnet, um zwischen den beiden Parteien einen Kompromiss zu finden. "Das kann zeitweise die Aktien stützen, hilft aber nicht dem Goldpreis", sagte George Gero von RBC Capital Markets Global Futures.

Gold gilt etlichen Anlegern als Versicherung gegen politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, so dass mit dem Aufkommen solcher Ängste das Edelmetall nach oben läuft. Im Gegenzug schichten die Investoren aus Gold in riskantere Anlagen wie Aktien um, wenn die Besorgnis schwindet.

"Riesige Enttäuschung"

Aber auch von Währungsseite war am Donnerstag Druck auf das Gold gekommen. Der Dollar zeigte sich im Gefolge der politischen Entspannung erholt. Gegen einen Korb von Währungen legte der ICE Dollar Index am Donnerstag auf 80,53 von 80,34 zu. Da Gold in Dollar gehandelt wird, wird es für Käufer aus anderen Währungsräumen teurer sofern die US-Devise zulegt. Am Freitag zeigt sich an den Devisenmärkten allerdings weniger Bewegung.

Dafür rückt nun die technische Verfassung von Gold in den Blick. Mit dem Fall durch den Bereich 1273 bis 1278 Dollar öffnet sich laut Jonathan Krinsky von Miller Tabak der Weg zum Juni-Tief bei 1180 Dollar. Krinsky sieht nun als Ziel den Bereich 1110 bis 1120 Dollar, das wäre das tiefste Niveau seit Anfang 2010 und ein Minus von weiteren 12 Prozent vom gegenwärtigen Preis.

Am frühen Donnerstagnachmittag hatte der Goldpreis noch zugelegt, nachdem Arbeitsmarktdaten aus den USA enttäuscht hatten. Einige Goldhändler hoffen, dass der schwache Arbeitsmarkt die US-Notenbank zwingen wird, ihre ultralockere Geldpolitik fortzusetzen. Das müsste eigentlich den Appetit einiger Investoren auf Gold wieder wecken, argumentieren sie.

Doch viele Experten winken ab. Von einer "riesigen Enttäuschung" spricht etwa Graham Leighton vom Handelshaus Marex Spectron. Die Debatte um die Schuldengrenze hätte eigentlich Gold nach oben treiben müssen. Stattdessen ist der Goldpreis seit Beginn des Jahres bereits um 23 Prozent gefallen. Die übergeordnete Ursache ist wohl der erwartete Schwenk der US-Notenbank weg von der ultralockeren Geldpolitik. Denn wenn die Zinsen steigen, büßt das renditelose Gold an Attraktivität ein.

Ölpreis geht etwas zurück

Unterdessen sind die Ölpreise sind leicht gesunken. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee gab 0,2 Prozent auf 111,55 Dollar je Barrel nach. Spekulationen auf ein Überangebot haben dem Höhenflug des Ölpreises ein Ende gesetzt, hieß es. Auslöser war Börsianern zufolge die Prognose eines kräftigen Anstiegs der Fördermengen im kommenden Jahr durch die internationale Energie-Agentur IEA. Die anhaltende Hoffnung auf einen Durchbruch im US-Etatstreit verhinderte allerdings größere Kursverluste.

Der IEA zufolge wird die tägliche Ölproduktion der Nicht-Opec-Staaten 2014 um durchschnittlich 1,7 Millionen Barrel wachsen. Das ist das größte Plus seit den 1970er Jahren. Dabei würden die USA dank ihres Schieferöl-Booms Russland als weltgrößte Fördernation ablösen. Am Donnerstagabend hatten die Ölpreise deutlich zugelegt, nachdem eine Annäherung im Streit um die US-Schuldengrenze bekannt geworden war.

Quelle: n-tv.de

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