Wirtschaft
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Anleger machen Kasse: Griechen-Sorgen bescheren Dax dickes Minus

Vorbei ist die Rekord-Party beim Dax - vorerst. Die unklare Zukunft der griechischen Reformen und ein wieder wahrscheinlicher gewordener "Grexit" sorgen an Europas Börsen für Verunsicherung. Der Dax gibt deutlich ab - auch aufgrund von Gewinnmitnahmen.

Der anhaltende Streit um die griechischen Schulden und die Angst vor dem "Grexit" haben den Dax am ersten Tag der Börsenwoche tief ins Minus gedrückt: Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras lehnte in seiner ersten großen Parlamentsrede nach dem Wahlsieg seiner linken Syriza-Partei eine Verlängerung des Hilfsprogramms für sein Land strikt ab.

Schwache Wachstumsdaten aus China waren zudem nicht dazu angetan, die Stimmung zu heben. Die Importe nach Chinas waren im Januar um ein Fünftel eingebrochen - das spricht nicht für kräftiges Wachstum. Auch von Gewinnmitnahmen nach dem zuletzt deutlichen Kursgewinnen - der Dax hat seit Jahresbeginn mehr als 10 Prozent zugelegt - war die Rede.

Von der New Yorker Wall Street kam ebenfalls keine Unterstützung: Die Investoren dort mieden im Zuge der Sorgen um die Zukunft Griechenlands das Risiko. Der Dow-Jones-Index verlor 0,5 Prozent und schloss bei 17.729 Punkten, der S&P-500 fiel um 0,4 Prozent auf 2046 Zähler, der Nasdaq-Composite sackte um 0,4 Prozent auf 4726 Punkte ab. Für Unruhe sorgte auch die Lage in der Ukraine.

Der Dax fiel um 1,7 Prozent und schloss am Ende bei 10.664 Zählern. Auch die übrigen deutschen Indizes zeigten Verluste: Der MDax ließ 1,4 Prozent nach auf 18.726 Punkte. Der technologielastige TecDax verlor 1,9 Prozent auf 1479 Zähler.

Mit dem heutigen Rückschritt beim Dax rückte die in der vergangenen Woche noch ins Visier genommene 11.000-Punkte-Marke wieder in weitere Ferne. Bereits in der Vorwoche war zu erkennen, dass dem Börsenbarometer die Kraft fehlt, die Marke ernsthaft anzulaufen. Die Bewertungen am Aktienmarkt galten als nicht mehr billig.

Europas Börsen im Rückwärtsgang

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Alle wichtigen europäischen Börsen meldeten heute Kursverluste. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 büßte 1,4 Prozent ein auf 3352 Punkte. Der CAC 40 in Frankreich gab 0,8 Prozent nach, der FTSE 100 in London 0,2 Prozent.

Auch der griechische Index Athen Composite gab erneut kräftig ab. An den griechischen Anleihemärkten stiegen derweil die Risikoprämien wieder. Die Rendite für die fünfjährigen Benchmarkanleihen stieg auf 16,50 Prozent nach 14,25 Prozent am Freitag. Bei den zehnjährigen Papieren ging es auf 11,28 Prozent nach oben nach 10,31 Prozent.

Die Querelen um die griechischen Schulden erhöhen auch das Risiko des Ausstiegs Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung, des sogenannten Grexits. Einige Volkswirte sehen die Wahrscheinlichkeit bereits bei 50 Prozent, andere sagen, diese Sorgen seien überzogen. Dennoch setzte das mögliche Szenario zwischenzeitlich den Euro unter Druck, der heute unter die Marke von 1,13 Dollar fiel. Etwas später berappelte er sich wieder und stand am späten Nachmittag bei 1,1336 Dollar.

Ölpreise marschieren wieder bergauf

Uneinheitliche Vorgaben kamen von den asiatischen Börsen: Enttäuschende chinesische Handelsbilanzdaten drückten in Hongkong den Hang-Seng um 0,7 Prozent auf 24.523 Zähler. In Schanghai haben sich die Kurse aber von anfänglichen Verlusten erholt und legen im Schnitt um 1,1 Prozent zu. Der Schanghai-Composite schloss bei 3111 Punkten. In Tokio stieg der Nikkei um 0,4 Prozent auf 17.712 Punkte.

Die Ölpreise haben zum Wochenstart leicht zugelegt. Am späten Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 58,60 Dollar. Das waren 80 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,53 Dollar auf 53,22 Dollar. Seit Ende Januar gibt es bei den Ölpreisen nach ihrem monatelangen Sturzflug eine Aufwärtsbewegung.

Lanxess sind die großen Dax-Gewinner

Bei den deutschen Einzelwerten sah es ziemlich düster aus - im Dax gab es fast nur Verlierer. Zu den größten zählten Volkswagen und BMW mit einem Abschlag von 3,2 und 4,1 Prozent. Hier hinterließ ein Analystenkommentar zum globalen Autosektor seine Spuren. Auch die Aktien von Autozulieferer Continental büßten 4,3 Prozent ein und waren damit Dax-Schlusslicht.

Lufthansa verloren 2,9 Prozent. Ein Warnstreik der Sicherheitskräfte an den Flughäfen Hamburg, Hannover und Stuttgart hatte teils starke Behinderungen zur Folge.

Der größte Dax-Gewinner war hingegen die Aktie von Lanxess, die gegen den Trend 2,2 Prozent zulegte. Händler verwiesen bei Lanxess auf Agenturberichte über einen möglichen Verkauf eines Minderheitsanteils an der Kautschuksparte an den staatlichen saudi-arabischen Ölkonzern Saudi Aramco.

Die Berenberg Bank hatte die Aktie des Maschinenbauers Gea auf "Halten" von "Kaufen" abgestuft, das drückte den Kurs um 1,8 Prozent nach unten. Schlusslicht im MDax waren die Papiere des Automobilzulieferers Leoni, die 6,3 Prozent abgaben.

Ab der MDax-Spitze standen am Ende Aurubis, die 1,7 Prozent zulegten, vor Wacker mit einem Plus von 1,3 Prozent.

Im TecDax ließen Nordex 3,8 Prozent nach. Die Deutsche Bank hatte die Titel auf "Hold" von "Buy" heruntergenommen.

Quelle: n-tv.de

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