Wirtschaft
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Auch Wall Street leidet mit: Griechische Dauerkrise setzt Börsen zu

Die Anleger sind verzweifelt, denn die griechische Schuldenkrise schwelt weiter. Auch heute verkaufen sie lieber und schicken den Dax weiter nach unten. Der Athener Markt stürzt regelrecht ab. Etwas besser Schlägt sich New York.

Der Stimmungsumschwung in Sachen griechischer Schuldenkrise Ende vergangener Woche belastete auch in der neuen Handelswoche die Aktienmärkte. Angesichts der nach wie vor ungelösten Schuldenproblematik des Landes ging der Dax mit Verlusten aus dem Handel und schloss 1,9 Prozent leichter auf 10.985 Punkten. In New York verlor der Dow-Jones-Index 0,6 Prozent auf 17.791 Punkte. Der S&P-500 gab 0,5 Prozent auf 2084 Zähler ab. Für den Nasdaq-Composite ging es um 0,4 Prozent auf 5.030 Punkte nach unten. Der Euro, der zwischenzeitlich unter der Marke von 1,12 Dollar notierte, erholte sich wieder etwas und hielt sich bis zum Handelsschluss in Frankfurt stabil oberhalb dieser Marke.

Der ausgebliebene Durchbruch bei den Verhandlungen der Geldgeber mit Griechenland am Wochenende sorgte für den erhöhten Abgabedruck am Aktienmarkt. Athen hält an seiner bisherigen Position fest. Streitpunkte bleiben Steuererhöhungen und die Rentenreform. Auch pocht Griechenland weiter auf einen Schuldenerlass.

Am Montag sprach zudem Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), von einer dramatischen wirtschaftlichen Lage in Griechenland und verteidigte die Vergabe von Liquidität an die Banken des Landes. Einstweilen wurde immer offener die Möglichkeit eines "Grexit" debattiert, eines Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone.

Erneut unter Abgaben litt auch die Börse in Athen: Der Leitindex Athex Composite verlor zu Handelsbeginn mehr als 7 Prozent und schloss am Ende mit einem Minus von 4,7 Prozent. Besonders Bank-Aktien rutschen ab - die Papiere der Piräus Bank etwa verloren bis zu 18,5 Prozent, auch die Titel anderer Geldhäuser lagen zeitweise zweistellig im Minus.

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Frankreichs Präsident François Hollande hatte am Vormittag ungewöhnlich eindringlich zur raschen Wiederaufnahme der erneut gescheiterten Gespräche aufgerufen. "Lasst uns keine Zeit verlieren, lasst uns so schnell wie möglich die Verhandlungen wieder aufnehmen", sagte Hollande. "Wir haben jetzt extrem kurze Fristen. Wir kommen in eine Zeit, die von Turbulenzen geprägt sein kann, wenn keine Einigung gefunden wird."

Auch vom Treffen der Euro-Gruppe am Donnerstag solle man sich keine Lösung erhoffen, sagte Dirk Gojny von der National-Bank. Und ob es in der letzten Juni-Woche zur "üblichen Last-Minute-Lösung" kommt, sei ebenfalls nicht absehbar. Angesichts der Entscheidung des EuGH zu den Anleihekäufen der EZB am Dienstag und der Fed-Sitzung am Mittwoch dürften die Marktakteure sehr zurückhaltend agieren.

Deutschland: Metro geben im MDax kräftig nach

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Beim Nebenwerte-Index MDax zeigte sich ein Minus von ebenfalls 1,9 Prozent auf 19.628 Punkte. Runter um 2,0 Prozent ging es für den technologielastigen TecDax, der auf 1623 Punkte fiel. Der Euro-Stoxx-50 büßte 1,8 Prozent ein.

Am Nachmittag ackerten sich Lanxess wieder ins Plus und schlossen am Ende als einzige Gewinner mit einem Plus von 0,5 Prozent. Analysten der Deutsche Bank hatten den Titel auf "Buy" (zuvor "Hold") hochgestuft. Der Chemiekonzern besitze inzwischen ein günstigeres Chance-Risiko-Profil, meinen die Analysten. Auf der Basis einer besseren Nachfrageentwicklung sei eine Gewinnerholung absehbar.

Ganz am Dax-Ende landeten Commerzbank mit einem Minus von 2,9 Prozent. Auch Deutsche Bank und HeidelbergCement verloren zwischen 2,6 und 2,9 Prozent.

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Im Nebenwerte-Index MDax verloren Metro 4,7 Prozent, nachdem sie zuvor bereits rund 5 Prozent nachgelassen hatten. Der Handelskonzern verkauft seine Warenhaus-Tochter Kaufhof für 2,83 Milliarden Euro an den kanadischen Konkurrenten Hudson's Bay. Anleger hätten aber auf einen Preis von drei Milliarden Euro gehofft, sagten Börsianer. Die in Frankfurt gelisteten Titel von Hudson's Bay stiegen um mehr als 10 Prozent.

Daneben hat der MDax-Konzern Deutsche Annington den Kauf der Süddeutschen Wohnen (Südewo) für 1,9 Milliarden Euro von Patrizia Immobilien bekannt gegeben. Die Immobiliengruppe finanziert die Übernahme mit einer Kapitalerhöhung. Der Kurs der Deutsche Annington sank um 5,5 Prozent. Die Aktie war damit MDax-Schlusslicht.

Weiterer Verlierer im MDax war die Aktie der Deutsche Wohnen, die 3,3 Prozent abgab. Der Grund: Die Frankfurter Wohnungsgesellschaft hatte zuletzt Spekulationen geschürt, sie könnte selbst mit Annington zusammengehen. Das wiederum würde einen Immobilienkonzern schaffen, der die nötige Größe für ein Engagement auch auf europäischer Ebene hätte, wie es im Handel heißt. "Eine solche Fusion oder Übernehme ist nun aber noch schwerer vorstellbar", sagte ein Händler.

USA: Hellas-Krise belastet auch Wall Street

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In New York schloss die Wall Street letztlich aber deutlich über Tagestief. Schwache Konjunkturdaten drückten zunächst, nahmen dann aber auch etwas die Angst vor einer baldigen Zinswende. Der Empire State Manufacturing Index hat die Erwartungen klar verfehlt und auch Daten zur Industrieproduktion  enttäuschten. Höhepunkt der Woche wird denn auch das Ergebnis der US-Notenbanksitzung sein, das am Mittwoch bekanntgegeben wird. Die meisten Beobachter erwarten, dass die Federal Reserve frühestens im September erstmals seit vielen Jahren die Zinsen erhöht. Der Begleitkommentar zum Zinsentscheid wird darauf abgeklopft werden, ob die Fed den Zeitpunkt ihrer geplanten Zinserhöhung eingrenzt.

Am Aktienmarkt kam etwas Aufhellung von der wieder aufblühenden Fusionsfantasie. So stand der Zusammenschluss zweier Bauunternehmen im Fokus. Die auf Eigenheime spezialisierte Standard Pacific tut sich in einer 5,2 Milliarden Dollar schweren Fusion mit Wettbewerberin Ryland Group zum viertgrößten Branchenvertreter in den USA zusammen. Ryland legten um 5,2 Prozent zu und Standard Pacific um 5,5 Prozent.

Überdies hat die Drogerie- und Apothekenkette CVS Health Interesse am Medikamenten- und Klinikgeschäft des Einzelhandelskonzerns Target und will dafür 1,9 Milliarden Dollar zahlen. Für CVS ging es um 0,4 Prozent nach oben. Target gewannen 1,2 Prozent.

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Und schließlich will der Krankenversicherer Anthem den Wettbewerber Cigna übernehmen, der eine Marktkapitalisierung von 35 Milliarden Dollar hat. Laut informierten Kreisen hat Anthem in den letzten zehn Tagen zwei Offerten gemacht. Zuletzt seien 175 Dollar je Aktie geboten worden. Die Cigna-Aktie verteuerte sich um 11,7 Prozent auf 153,43 Dollar, Anthem gewannen 2,3 Prozent. Auch der größte Konzern der Branche, UnitedHealth, ist offenbar auf Brautschau. Dessen Aktie lief mit der Fusionsfantasie um 1,1 Prozent aufwärts.

Rohstoffe: Ölpreis geht wieder zurück

Das Barrel US-Öl der Sorte WTI verbilligte sich um 0,7 Prozent auf 59,52 Dollar. Für den Preisrückgang bei Öl machen Analysten das weltweite Überangebot verantwortlich. Im Blickpunkt stand der Preis für Erdgas, der einen Sprung um gut 5 Prozent machte. Wetterprognosen zeigen für einen Großteil der USA anhaltend heißes Wetter an, was die Klimaanlagen auf Hochtouren bringen würde.

Keine positive Wirkung entfaltet derweil, dass die Analysten von Jefferies ihre Ölpreisprognosen erhöht haben. Für die Nordsee-Sorte Brent von 52,50 auf durchschnittlich 60 Dollar im laufenden Jahr und für die US-Sorte WTI von 48,60 auf 55,10 Dollar. Als Hauptbegründung führen sie die jüngste Rally bei den Ölpreisen an. Zwar sehen die Analysten auch einen stärkeren Nachfrageanstieg als bislang erwartet, aber der iranische Ölausstoß könnte schnell steigen, sollten die Sanktionen gegen das Land erst einmal Erleichterungen erfahren. Hinzu komme, dass sich die Förderung in den USA bislang widerstandsfähig gezeigt habe, trotz des Rückgangs bei den Ölförderanlagen.

Devisen: Euro stabilisiert sich

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Trotz der hohen Unsicherheit um Griechenland ist der Kurs des Euro gestiegen. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1246 US-Dollar. Im frühen Handel war die Gemeinschaftswährung noch knapp unter die Marke von 1,12 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1218 (Freitag: 1,1220) Dollar fest.

In Erwartung einer weiteren Zinssenkung der russischen Notenbank haben Anleger die Landeswährung Rubel verkauft. Dies verteuerte Dollar und Euro zeitweise um jeweils mehr als ein Prozent auf 55,57 beziehungsweise 62,43 Rubel. Wegen der Konjunkturschwäche und der rückläufigen Inflation wird die russische Zentralbank Analysten zufolge den Schlüsselsatz am Montag um 100 Basispunkte auf 11,5 Prozent senken. Seit Jahresbeginn hat sie den Zins bereits um 450 Basispunkte heruntergeschraubt.

Asien: Tokio behauptet kleinen Gewinn

Der ungelöste Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern hat auch die Aktienmärkte in Fernost zum Wochenbeginn verunsichert. In Tokio startete der 225 Werte umfassende Leitindex Nikkei den Handel mit Abschlägen und schloss 0,1 Prozent niedriger bei 20.387 Punkten. Der breiter aufgestellte Topix erholte sich im Handelsverlauf und schloss mit 0,03 Prozent leicht im Plus bei 1651 Zählern.

Die meisten anderen asiatisch-pazifischen Börsen lagen im Minus. Der MSCI-Index für asiatische Aktienwerte außerhalb Japans gab 0,82 Prozent nach. "Ohne eine Vereinbarung in Sichtweite werden die Erwartungen einer Staatspleite und eines Austritts (Griechenlands aus der Eurozone) in den nächsten Tagen deutlich ansteigen", sagte Elsa

Eine deutliche Verkaufsstimmung herrschte an den chinesischen Aktienmärkten, wo Nachrichten über eine weitere Einschränkung des Marging Tradings die Runde machten. Bei dieser Art Terminhandel müssen Anleger nur einen Teil des Kaufpreises hinterlegen.

Quelle: n-tv.de

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