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Inside Wall StreetGuter Job, wenig Geld

04.06.2009, 21:48 Uhr
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Ein frischer Wind schadet nie. (Foto: dpa)

Im Mittleren Westen Amerikas gibt es einen kleinen Neuanfang: Unternehmen aus der Sparte Alternative Energien bauen sich hier neue Standorte auf. Und schaffen begehrte Jobs – trotz kleiner Lohntüten.

Einen Tag vor dem Arbeitsmarktbericht sollte man positive Entwicklungen in dem Sektor nicht ganz unter den Tisch kehren. Im Mittleren Westen Amerikas, wo einst Millionen von Arbeitern bei den Automobilriesen am Fließband standen und wo seit den Siebzigerjahren rund vier Millionen Stellen abgebaut worden sind, gibt es einen (langsamen) Neuanfang.

Die Branche, die im Industriegürtel der USA einmal die Autobranche ersetzen soll, umfasst die Unternehmen, die sich mit Alternativen Energien beschäftigen. Die Hersteller von Windturbinen, Solarmodulen, neuen Batterien und Komponenten für ein besseres Stromnetz im ganzen Land könnten die Jobs schaffen, die man dringend braucht. Viele dürften sogar die Fabriken übernehmen, die bankrotte Automobilfirmen und Zulieferer zurücklassen mussten.

Nur eines übernehmen die Nachfolger nicht: die Löhne, an die sich die Region seit Jahrzehnten gewöhnt hatte. Die Automobil-Industrie war stets für ihre großzügigen Löhne bekannt. Das Einstiegsniveau lag bei 28 Dollar pro Stunde, und mit solchen Einnahmen schafften es viele Arbeiter im Laufe ihres Lebens in den Mittelstand.

Das hatte indes katastrophale Auswirkungen auf die Unternehmen. GM, Ford und Chrysler konnten preistechnisch mit den Konkurrenten aus Asien nicht mithalten, was neben der schlechteren Qualität der Wagen der Hauptgrund für die jüngsten Zusammenbrüche der einstigen Konzernriesen war.

Den gleichen Fehler will man in der Energiebranche nicht machen. Arbeiter fangen bei 12 Dollar pro Stunde an. Keiner beschwert sich, denn auf diese Weise gelingt es neuen Firmen überhaupt Arbeitsplätze anzubieten. Der Batteriehersteller EnerDel will etwa in einem Werk bei Indiana bald 3.000 Jobs anbieten – die Gegend braucht das, denn zur Zeit verarmen Städte und Dörfer, in denen Einwohner ihre Hypotheken nicht mehr zahlen können und Häuser zwangsversteigert und häufig abgerissen werden.

Die Meinungen zu den Billig-Jobs gehen nun auseinander. „Für 12 Dollar sind das keine guten Jobs“, klagt der Arbeitsmarkt-Experte Philip Matera. Doch weiß er auch, dass es in der zukunftorientierten Branche Aufstiegschancen gibt und „Löhne in allen Größenordnungen.“ Abgesehen von Gießerei und Montage gebe es schließlich auch Bereiche wie Forschung und Entwicklung sowie neue Büro- und Verwaltungsjobs, die alle Gehaltsklassen abdecken könnten.

Aus Arbeiterkreisen kommt kaum Kritik. Am Beispiel der Automobil-Industrie hat man gesehen, dass sich hohe Löhne nicht so einfach zahlen lassen. Man ist dankbar für einen Neuanfang und weiß, dass die Branche mit zunehmendem Erfolg ihr Lohnniveau finden wird. Bis dahin ist jeder Job ein guter Job – unabhängig vom Gehalt.