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Wall Street mit leichtem Plus: IWF bereitet Dax-Party jähes Ende

Nach einem starken Vortag sieht es lange Zeit nach einer Fortsetzung der Dax-Rally aus. Doch am Nachmittag macht der IWF den Anlegern einen Strich durch die Rechnung, indem er die Verhandlungen mit Griechenland abbricht.

Schon nah an der 11.500er Marke lag der Dax nach einem erneut starken Anstieg am späten Nachmittag, als eine Nachricht die Anleger-Träume platzen ließ: Das Griechenland-Team des Internationalen Währungsfonds (IWF) hatte die Verhandlungen mit Athen über Griechenlands Schuldenproblem vorzeitig beendet. Der Leitindex rauschte in der Folge steil nach unten, fing sich am Ende aber wieder etwas und schloss mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 11.333 Punkten.

Mit der überraschenden Nachricht schienen sich die jüngsten Berichte über eine Annäherung zwischen Athen und den Gläubigern zerschlagen zu haben. Sie hatten zuletzt für eine Stimmungsaufhellung an den Aktienmärkten gesorgt. Der IWF gilt unter den Gläubigern als die Institution, die sich für eine harte Linie gegen Griechenland am meisten stark macht.

Für eine Reaktion an der griechischen Börse in Athen kam die Meldung zu spät, da der Handel dort bereits um 16 Uhr MESZ endete. Der FTSE Athex Large Cap Index beendete den Tag angetrieben von Hoffnungen auf eine Einigung von Griechenland mit seinen Gläubigern 8,9 Prozent fester.

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Stützend für den deutschen Leitindex wirkten am Ende noch die steigenden Notierungen bei den Bundesanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel von über 1 auf 0,94 Prozent deutlich zurück. Dadurch erhöhte sich der Zinsabstand zu den US-Märkten. Das belastete einerseits den Euro und wirkte sich andererseits stützend auf den Aktienmarkt aus.

Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black hatte die eigentlich gute Stimmung an der Frankfurter Börse auch mit positiven Konjunkturdaten aus China begründet: In dem auch für deutsche Firmen wichtigen Land war die Industrieproduktion im Mai stärker in Schwung gekommen als erwartet. Der Einzelhandelsumsatz in der Volksrepublik wächst weiter zweistellig.

Impulse gibt es auch von den US-Einzelhandelsumsätzen und den wöchentlichen Arbeitsmarktdaten, die jeweils solide ausgefallen sind. Die US-Börsen legten am Nachmittag leicht zu.

 

Deutschland: Gerry Weber erholen sich nach Schock-Tag

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Der Dax schloss am Ende mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 11.333 Punkten. Beim Nebenwerte-Index MDax zeigte sich ein Plus von 0,9 Prozent auf 20.243 Zähler. Für den TecDax ging es 1,1 Prozent nach oben auf 1679 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 stieg 0,6 Prozent.

Bei den Einzelwerten richteten sich die Blicke - auch wenn es an neuen Nachrichten fehlte - auf Gerry Weber und SMA Solar. Während der Titel des Bekleidungskonzerns am Vortag mächtig Prügel bezog und fast ein Drittel verlor, rissen sich die Anleger um den Solarwert. Heute machten Gerry Weber im MDax 5,0 Prozent gut, SMA Solar ließen im TecDax 1,0 Prozent nach.

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Weit oben im Dax standen am Ende Lanxess mit einem Plus von 1,6 Prozent. Die Baader Bank hatte die Anteilsscheine des Spezialchemiekonzerns zum Kauf empfohlen. Dax-Spitzenreiter waren jedoch Allianz mit einem Zuwachs von 1,7 Prozent. Zu den Verlierer im Dax zählten auch die Gewinner vom Vortag. Eon gaben 1,9 Prozent nach, RWE 0,7 Prozent.

Volkswagen standen mit neuen Absatzzahlen ebenfalls im Fokus. In der Marke VW war der Absatz im Mai um 5,9 Prozent zurückgegangen. Zwar verwies VW darauf, dass der Mai zwei Arbeits- und Verkaufstage weniger gehabt habe. "Nach Brasilien schwächelt nun aber auch das Geschäft in China", sagte ein Händler. Und auch in den USA laufe das Geschäft trotz des jüngsten Zuwachses weiterhin unbefriedigend. VW-Aktien verloren 0,6 Prozent.

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Ein Börsengang sorgte am deutschen Aktienmarkt für Aufsehen. Der Chemiekonzern Wacker Chemie hatte sein Halbleitergeschäft Siltronic an die Börse gebracht. Allerdings musste Wacker Chemie beim Preis große Zugeständnisse machen: Mit 30 Euro kamen die Siltronic-Aktien am unteren Rand der zuvor von 30 bis 38 Euro reichenden Platzierungsspanne an den Kapitalmarkt. Damit erlöste Wacker Chemie rund 60 Millionen Euro weniger als zum Preis von 38 Euro. Mit 33,37 Euro schloss der Börsenneuling jedoch über dem Emissionspreis, Anleger bewerteten die Aktie also höher.

Als "ordentlich" wurden die Verkehrszahlen von Fraport gesehen. "Das ist kein großer neuer Kurstreiber, sollte aber helfen, die Aktie weiter auf dem hohen Niveau zu halten", sagte ein Händler. Schließlich habe sie sich während der gesamten Marktkorrektur seit April ohne größere Verluste knapp unter ihrem Allzeithoch gehalten. Aktie: 0,2 Prozent im Plus.

USA: Gute Konjunkturdaten halten die Laune hoch

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Die Hoffnung auf eine Lösung im griechischen Schuldendrama verleiht auch den US-Börsen zu Handelsbeginn weiteren Auftrieb, nach dem IWF-Dämpfer setzen die New Yorker Aktienmärkte ihren jüngsten Aufwärtstrend allerdings nur gedämpft fort.

US-Konjunkturdaten sorgen allerdings für Kauflaune. Die Einzelhändler steigerten ihren Umsatz im Mai zum Vormonat überraschend kräftig um 1,2 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass die weltgrößte Volkswirtschaft an Schwung gewinnt.

Der Dow-Jones-Index schloss um 0,2 Prozent höher bei 18.039 Punkten. Für den S&P-500 ging es um 0,2 Prozent nach oben und für den Nasdaq-Composite um 0,1 Prozent.

Bei den Einzelwerten steht Nike im Blickpunkt: Der weltgrößte Sportartikel-Hersteller verdrängt ab der Saison 2017/18 den Erzrivalen Adidas als offiziellen Sponsor der amerikanischen Profi-Basketball-Liga NBA. Die Nike-Aktien gewinnen 0,5 Prozent.

Monsanto treibt seinen bislang abgelehnten Versuch zur Übernahme von Syngenta weiter voran und sucht das Gespräch mit den Großaktionären beider Unternehmen. Erhöhen will Monsanto sein Angebot demnach aber nicht weiter, da es bereits "sehr attraktiv" sei. Die Aktie zeigte sich gut behauptet. Um 14 Prozent aufwärts ging es für Krispy Kreme Doughnuts. Die Donut-Kette vermeldete für das Ende Mai beendete Quartal einen Gewinnanstieg von 10 Prozent.

Devisen: Erholung bei Anleihen drückt Euro unter 1,13 Dollar

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Der Dollar wiederum zog in Reaktion auf die Konjunkturdaten zunächst deutlich an, gab einen Großteil seiner Gewinne aber schon bald wieder ab. Für einen Euro wurden im späten US-Handel rund 1,1270 Dollar gezahlt. Am Morgen waren es noch etwas über 1,13 Dollar. Auch zur japanischen Währung legte der Greenback zu. Der Dollar kostete gut 123,40 Yen.

Eine Berg- und Talfahrt erlebt dagegen der neuseeländische Dollar. Zunächst kam der "Kiwi" mit der Zinssenkung der neuseeländischen Notenbank deutlich unter Druck. Denn die Notenbank hat auch die Tür für weitere Senkungen offen gelassen. Mit den starken Arbeitsmarktdaten aus Australien konnte der "Kiwi" aber verlorenes Terrain wieder gutmachen.

Rohstoffe: Ölpreise kommen nicht hoch

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Am Rohstoffmarkt gaben die Ölpreise nach. Gedrückt wurden sie vom steigenden Dollar, der das Öl für Käufer aus dem Nichtdollarraum verteuerte, und Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA). Sie rechnet in diesem Jahr zwar mit einer höheren Ölnachfrage als bisher, geht allerdings auch unverändert von einem gleichzeitig hohen Ölangebot aus. Das Barrel der US-Sorte WTI ermäßigte sich um 1,1 Prozent bzw 0,66 Dollar auf 60,77 Dollar. Brentöl sank um 0,9 Prozent bzw 0,59 Dollar auf 65,11 Dollar.

Auch der Goldpreis gab nach; die Feinunze kostete zum Settlement 1.180,40 Dollar. Das waren 0,5 Prozent bzw 6,20 Dollar weniger als am Mittwoch. Neben dem festeren Dollar lasteten Zinssorgen auf dem Edelmetall. Da Gold keine Zinsen abwirft, wird es für Anleger uninteressant, wenn anderswo - etwa am Rentenmarkt - höhere Renditen winken.

Asien: Starke US-Börsen beflügeln Nikkei

Positive Vorgaben aus den USA und Hoffnung auf eine Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland haben die Aktienmärkte in Asien freundlich gestimmt. Obwohl ein Spitzentreffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsidenten Francois Hollande und dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras keinen Durchbruch brachte, profitierten insbesondere japanische Exportwerte von der Vorstellung, dass sich die Lage in Europa bald beruhigen könnte.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 1,7 Prozent höher bei 20.382 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktienwerte ohne Japan legte um 0,4 Prozent zu.

Die wichtigsten US-Indizes hatten am Mittwoch alle etwa 1,3 Prozent im Plus geschlossen. Thema an den asiatischen Märkten war zudem eine unerwartete Zinssenkung der südkoreanischen Notenbank auf ein Rekordtief von 1,50 Prozent. Damit wolle man den wirtschaftlichen Folgen des Mers-Ausbruchs begegnen, erklärte die Zentralbank. Auch in Neuseeland wurde der wichtigste Zins gesenkt. Der Schritt wurde mit der Erwartung einer nachlassenden Nachfrage begründet.

Quelle: n-tv.de

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