Wirtschaft
In Bernankes Kopf würden jetzt gern viele Marktteilnehmer schauen wollen.
In Bernankes Kopf würden jetzt gern viele Marktteilnehmer schauen wollen.(Foto: picture alliance / dpa)

Locker bleiben: Der Dax, ein Ben und die 8200

Der ZEW-Index überrascht positiv. Der Aktienmarkt reagiert - aber langsam. Die anziehende Wall Street gibt am Nachmittag noch einmal Schwung, zerstreuen die steigenden Kurse doch Befürchtungen, dass die lockere Geldpolitik der Fed bald beendet sein könnte. Entschieden ist aber noch nichts, ebenso wie bei den Spekulationen um Notenbankchef Bernanke.

Nach dem negativen Auftakt und dem weiteren verhaltenen Verlauf hat sich der deutsche Aktienmarkt mit leichten Gewinnen aus dem Handel verabschiedet. Ein Grund dafür war die überraschend positive Stimmung der Börsenexperten: Der ZEW-Index legte zu. Dazu sorgten mögliche Übernahmen für Schwung bei den Einzelwerten. Über allem thronte aber weiter die Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed. Die Wall Street eröffnete positiv, der Dow kann bis 17.45 Uhr MESZ 0,8 Prozent auf 15.299 Punkte zulegen. Auch Spekulationen über einen Abschied Ben Bernankes zum Jahresanfang 2014 ließt die meisten Marktteilnehmer eher kalt. Marktexperte Stefan Riße sagt n-tv, dass auch unter Bernankes Nachfolger die Geldpolitik locker bleibe.

Der Dax schloss 0,2 Prozent fester bei 8230 Punkten - und damit wieder oberhalb der 8200-Punkte-Marke. Das Tageshoch markierte er bei 8242 Zählern. Der MDax baute seinen Gewinn sukzessive auf 0,5 Prozent aus und ging mit 14.124 Zählern in den Feierabend. Der TecDax verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 959 Stellen.

Zum Wochenauftakt hatte der deutsche Leitindex 1,1 Prozent fester bei 8215 Zählern geschlossen. Martin Siegert von der Landesbank Baden-Württemberg erwartet eine Fortsetzung der Konsolidierung im späten Handel am Montag. Diese könne den Dax-Future bis auf 7950 Punkte führen. Charttechnische Widerstände lägen bei 8224 und bei 8268 Punkten.

ZEW und Fed

Die Stimmung deutscher Finanzexperten hellte sich im Juni etwas stärker auf als erwartet. "Der Anstieg des ZEW-Index im Juni ist wohltuend», konstatierte Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. "Steigende Frühindikatoren, egal ob sie nun über oder unter den Erwartungen liegen, sollten in der gegenwärtigen Situation mit Freude aufgenommen werden. Für den zum dritten Mal in Folge gestiegenen ZEW-Index gilt dies einmal mehr."

KDG im Blick, Coba auch

Kräftig zulegen konnten Kabel Deutschland, die um 3,7 Prozent auf ein Rekordhoch stiegen. Der US-Kabelkonzern Liberty Global hat eine Übernahme-Offerte für das deutsche Unternehmen vorgelegt und will damit den britischen Mobilfunker Vodafone ausstechen. "Wir hatten nicht erwartet, dass sich das zu einer echten Übernahmeschlacht entwickeln kann", sagte ein Händler. "Wir reden hier bei den Bietern Liberty Global und Vodafone über echte Riesen - da geht noch etwas", so ein anderer Händler. Er rechnet mit Kursen um die 90 Euro für die Kabel-Aktie. "Probleme mit dem Kartellamt dürfte es zudem nicht geben, da die Telekom in allen betroffenen Bundesländern selbst mit ähnlichen Angeboten aktiv ist", erklärte ein Analyst. Telekom gewannen 0,2 Prozent.

Spekulationen um ein Interesse der Deutschen Post an TNT Express trieben Börsianern zufolge die Aktien des niederländischen Briefzustellers an. Die Deutsche Post wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern, ihre Papiere verteuerten sich um 1,6 Prozent.

Commerzbank-Titel rückten um 2,1 Prozent vor. Aus Unternehmenskreisen hieß es, die teilverstaatlichte Bank und der Betriebsrat hätten sich bei den Verhandlungen über Stellenstreichungen in der Mitte getroffen. Zu den Gewinnern im Dax zählten auch die Papiere des Chipherstellers Infineon mit einem Plus von 4,4 Prozent.

Acea-Zahlen drücken Autowerte

Keine großen Überraschungen enthielten die Zahlen zu den Pkw-Neuzulassungen in Europa. Die Acea-Zahlen der Hersteller sind wie erwartet gefallen. "Von den meisten Herstellern lagen die Absatzzahlen schon vor, daher gibt es keine Auffälligkeiten", so ein Händler. Der Einbruch auf ein 20-Jahrestief im Mai habe sich so abgezeichnet - die hohe Arbeitslosigkeit in Europas Peripherie schlage sich eben in geringen Autokäufen nieder.

Die Hoffnungen auf eine Bodenbildung nach dem Absatzanstieg im April seien damit aber noch nicht beendet, sagte ein Analyst. Auffallend bei den Daten sei, dass VW ein langfristiger und kontinuierlicher Ausbau ihres Marktanteils in der EU gelinge. Die Autowerte präsentierten sich daraufhin schwach: Daimler büßten 0,9 Prozent ein, BMW 1,0 Prozent und VW 0,3 Prozent.

Solarworld rockt nicht

Die Einigung des maroden deutschen Solarkonzerns Solarworld mit seinen Gläubigern überzeugte einem Analysten zufolge die Marktteilnehmer nicht. "Die Überlebenschancen sind ein kleines bisschen größer geworden. Das ist für das Unternehmen gut. Für die Aktionäre bedeutet die Einigung jedoch, dass ihre Anteile krass verwässert werden", so ein Analyst.

Händlern zufolge ist das Minus der Aktie jedoch nicht alleine darauf zurückzuführen. "In Erwartung der Einigung ging die Aktie die letzten Tage steil nach oben. Jetzt wollen ein paar Leute Kasse machen, denn das Solarworld demnächst wieder steigen ist unwahrscheinlich", so ein Händler. Die Aktie verloren 14,3 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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