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11.000er Marke lange pulverisiert: "Käuferstreik" lässt Dax erbeben

Am deutschen Aktienmarkt droht eine rabenschwarze Woche: An zwei Tagen verliert der Dax insgesamt knapp 200 Punkte. Dabei drängen sich immer mehr Probleme in den Vordergrund.

Rund 1000 Punkte an elf Handelstagen: Das ist die traurige Dax-Bilanz am deutschen Aktienmarkt. Am Dienstag ging es weiter nach unten, der Dax lag lange unter der psychologisch wichtigen 11.000er Marke. "Der starke Euro belastet, die Zinsen steigen, die Bewertung ist hoch und nachrichtlich fehlt jeder Trigger nach oben", fasste ein Händler die Situation zusammen.

Zudem hielten sich Investoren wegen der Nähe viel beachteter Marken mit Käufen zurück. "Die 200-Tage-Linie im Dax ist nur noch 500 Punkte entfernt, unsere Kunden fragen sich daher, 'Warum soll ich schon jetzt kaufen?'", so der Händler weiter. "Per Saldo haben wir einen Käuferstreik." Dazu passe, dass hochvolumiger Verkaufsdruck nicht zu beobachten sei.

Psychologischer Nackenschlag

Der Dax startete bereits im Minus, fiel dann weiter und markierte am Mittag bei 10.865 Punkten sein Tagestief. Das Tageshoch lag bei 11.071. Am Handelsende stand ein Abschlag von 0,6 Prozent bei 11.001 Zählern. Die Verluste konnten also wieder eingedämmt und die Marke von 11.000 Punkten knapp gerettet werden. Der MDax rutschte zeitweise bis auf 19.491 Stellen ab und verabschiedete sich 0,2 Prozent tiefer bei 19.749 Stellen. Der TecDax sackte dagegen 1,9 Prozent auf 1629 Punkte ab.

Athen und die Zinsen

Zwei Dauerthemen beschäftigten die Anleger weiterhin: der Schuldenstreit mit Griechenland und die US-Zinswende. Die US-Notenbank hält den Leitzins seit Ende 2008 nahe null und treibt mit dem vielen billigen Geld auch die Aktienmärkte an. Zuletzt wurde aber über eine Straffung der Geldpolitik im September oder Oktober spekuliert. "Steigende Zinsen sind aber eine Alternative zur Aktienanlage", sagte n-tv-B örsenexpertin Corinna Wohlfeil

Griechenlands Gläubiger erwägen offenbar eine Verlängerung des Rettungsprogramms für das Land bis Ende März 2016. Allerdings gab es Informanten zufolge Unstimmigkeiten über die daran geknüpften Bedingungen und hinsichtlich der Frage, wie es danach weitergehe. Diese Unstimmigkeiten könnten den vergangene Woche vorgelegten Plan gefährden, so mit der Materie vertraute Personen.

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Der Anteil der Eurozone an dem gesamten Rettungsprogramm für Griechenland über 245 Milliarden Euro läuft Ende Juni aus. Die Verunsicherung dadurch bei den Anlegern sei spürbar, manchen seien hypernervös, sagten Börsianer.

Devisen: Euro um 1,13

Fester präsentierte sich der Euro. Er bewegte sich zunächst klar über die Marke von 1,13 Dollar. Danach ging es wieder abwärts. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde im späten US-Handel mit 1,1273 Dollar bezahlt. 

Was treibt die Deutschen Bank?

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Bei den Einzelwerten schauten die Anleger auf die bestimmenden Werte vom Wochenbeginn. Nach ihrem "Befreiungsschlag " - das Führungsduo Jürgen Fitschen und Anshu Jain wird durch John Cryan ersetzt - konnte die Deutsche Bank zeitweise mehr als 8 Prozent zulegen, am Ende blieben 3,6 Prozent. Davon war am Dienstag der Großteil bereits aufgebraucht, Gewinnmitnahmen drückten den Kurs um rund 2,5 Prozent. Von "Ernüchterung" sprach n-tv-Börsenexpertin Dofel. Sie verwies zudem auf ein erneutes Störfeuer. eine weitere Razzia in den Zwillingstürmen der Bank in Frankfurt.

Die Commerzbank büßte dagegen nur leicht ein. Europas Marktführer HSBC hatte zudem am Morgen einen Job-Kahlschlag bekannt gegeben: 50.000 Stellen sollen demnach wegfallen. Das dürfte den Konsolidierungsdruck auf die Konkurrenz weiterhin anheizen.

Rohstofftitel im Abwärtssog

Weiter abwärts ging es auch mit Rohstoffwerten. "Seit dem Einbruch der Ölnachfrage in China ist der Sektor angebrieft", sagte ein Händler. Dies habe die Befürchtung geweckt, das auch die Produktion in China und damit die Rohstoffnachfrage überschätzt worden sei. Der starke Kursrückgang von ThyssenKrupp von zeitweise mehr als 2,3 Prozent liege allerdings an einem Sonderfaktor: "Beim Fall durch 23,50 Euro wurden bei Thyssen automatisch Stop-Losses ausgelöst", so ein anderer Händler. Aus dem Handel verabschiedeten sich die Titel dann mit einem deutlich geringeren Abschlag von um 0,3 Prozent.

Unbefristeter Streik bei der Post

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Ein weiteres Augenmerk richteten die Marktteilnehmer auf die Titel der Deutschen Post. Seit Montagnachmittag läuf t ein unbefristeter Streik. Der kostet das Unternehmen pro Tag eine Millionensumme. Die Gewerkschaft Verdi hatte den Konzern zum Einlenken aufgerufen. Bisher gab es von der Post-Spitze aber keine Reaktion. Die Anteilsscheine verloren 1,7 Prozent.

Elefantenhochzeit in der Autoindustrie?

In der Autoindustrie könnte sich eine weitere Großfusion anbahnen. Fiat-Chrysler-Chef Marchionne hat offenbar Interesse an einem Zusammenschluss des FCA-Konzerns mit dem mehr als doppelt so großen GM-Konzern. Analysten zeigten sich zwar überrascht, sagten aber auch, dass die Idee nicht neu sei. Die Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen drehten noch ins Plus.

Conti zogen fast 1,5 Prozent an. "Die 200er Marke gilt als attraktiv für Käufe", sagte ein Händler uir Begründung. Außerdem gelten solche runden Marken auch generell als psychologische Unterstützungen. Der Kurs fiel so auch nur vorübergehend leicht daunter, bis auf 199,40 Euro.

Henkel vor Zukauf?

Henkel greift Insidern zufolge nach dem Shampoo-Hersteller Wella und steht damit vor dem größten Zukauf seiner rund 140-jährigen Firmengeschichte. Henkel habe eine verbindliche Offerte für die zum US-Unternehmen Procter & Gamble (P&G) gehörende Haarpflegesparte Wella vorgelegt, die fünf bis sieben Milliarden Dollar wert sein könne, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen. Auch der Finanzinvestor KKR habe ein Gebot eingereicht. Henkel sei aber der wahrscheinlichere Käufer. Ein Henkel-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. Henkel-Titel schlossen leichter: 0,7 Prozent.

USA: Verluste in Serie

Die US-Börsen haben kaum verändert geschlossen. Der Dow-Jones-Index trat bei 17.763 Punkten faktisch auf der Stelle. Der breiter gefasste S&P-500 ging mit 2080 Zählern knapp 0,1 Prozent höher aus dem Handel. Die Technologiebörse Nasdaq verlor 0,14 Prozent und schloss bei 5014 Punkten.

Für Fusionsfantasien sorgten Fiat-Chrysler. Die GM-Aktie legte 0,8 Prozent zu, obwohl der US-Konzern bereits mitteilte, kein Interesse an einer Fusion mit den Italienern zu haben. Leicht im Plus schloss das Papier des amerikanischen Siemens-Rivalen General Electric (GE), der sich immer stärker aus dem Finanzbereich zurückzieht und für 12 Milliarden Dollar die GE-Kredittochter Antares abstößt.

Asien: Überhitzung in  China?

Mit negativen Vorzeichen zeigen sich die Kurse an den Börsen in Asien. Besonders deutlich fällt das Minus in Schanghai aus, wo der Shanghai-Composite mehr als 1 Prozent nachgab. Als Belastungsfaktor nannten Händler die Nervosität der Anleger vor weiteren Handelsverschärfungen gegen eine Überhitzung des bereits stark gestiegenen Aktienmarktes. Dagegen stützten die schwächer als erwartet ausgefallenen chinesischen Verbraucherpreise für Mai tendenziell, weil sie die Erwartung weiterer konjunktureller Stimulierungsmaßnahmen seitens der Regierung schüren. Beobachter bezeichneten den Handel weiter als sehr volatil.

Ein steigender Yen sorgte an der Börse in Tokio für Abgaben. Der Nikkei-225 gab 1,8 Prozent auf 20.096 Punkte nach. Der breiter gefasste Topix verlor 1,7 Prozent auf 1662 Zähler. Der Dollar notierte bei 124,57 Yen, nachdem er am Vortag noch über 125 Yen gelegen hatte. Zudem verwiesen Marktteilnehmer auf den großen Verfall am Freitag, der im Vorfeld für Zurückhaltung sorge. "In vielen Fällen dürften die Anpassungen zum Verfall allerdings 48 Stunden vorher abgeschlossen sein", so ein Händler. "Mit den wachsenden Sorgen um eine Zinserhöhung in den USA noch in diesem Jahr dürfte die Börse nach dem Verfall eher schwierige Zeiten vor sich haben", so der Teilnehmer weiter.

Rohstoffe: Öl deutlich teurer

Die Rohstoffmärkte zeigten sich fester, wobei der niedrige Dollar etwas stützte. Der WTI-Ölpreis legte um 3,4 Prozent bzw 2 Dollar auf 60,14 Dollar je Barrel zu. Dies resultiere unter anderem aus der Hoffnung auf Stimulierungsmaßnahmen in China sowie dem Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Jemen, hieß es aus dem Handel. Im übrigen bereiteten sich die Teilnehmer auf neue Daten der U.S. Energy Information Administration und des American Petroleum Institute vor, die Aufschluss über den Stand der Ölmärkte geben können. Der Preis für die europäische Ölsorte Brent stieg um 3,5 Prozent bzw 2,19 Dollar auf 64,88 Dollar.

Erholt zeigte sich auch der Goldpreis, der um 0,3 Prozent bzw 4 Dollar auf 1.177,60 Dollar je Feinunze zulegte.

Quelle: n-tv.de

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