Wirtschaft
Lust auf Wahl-Party?
Lust auf Wahl-Party?(Foto: picture alliance / dpa)

Anleger halten ihr Pulver trocken: Kleiner Rücksetzer für den Dax

Müder Hexentanz - selten verlief ein großer Verfalltermin an der Terminbörse Eurex für den deutschen Aktienmarkt so ruhig. Ob es nach der Verschnaufpause am Montag zu einer großen Wahl-Party an der Börse kommt, hängt vom Ergebnis der Bundestagswahl ab.

Die deutschen Standardwerte haben ihrer jüngsten Rekordjagd Tribut gezollt. Der große Verfallstag an den Terminbörsen ("Hexensabbat") sowie die nahende Bundestagswahl bremste den deutschen Leitindex. Über dem Handel schwebte vor allem die Unsicherheit über den Wahlausgang und die Furcht vor einer möglichen Hängepartie bei der Koalitionsbildung.

Der Dax schloss 0,21 Prozent tiefer bei 8675,73 Punkten. Auf Wochensicht kann das wichtigste deutsche Börsenbarometer jedoch ein Plus von 1,95 Prozent vorweisen.

Der MDax gab 0,25 Prozent auf 15.021,36 Punkte nach und der TecDax sank um 0,66 Prozent auf 1067,49 Punkte. Der Index mittelgroßer Werte hatte am Donnerstag auch einen Rekord eingefahren, der TecDax war so hoch gestiegen wie seit dem Frühjahr 2002 nicht mehr.

Selten verlief ein großer Verfalltermin an der Terminbörse Eurex für den deutschen Aktienmarkt so ruhig. Am Mittag verfielen der Index-Futures und die Optionen auf die Indizes ohne größeren Einfluss. Über den gesamten Handelstag hinweg fielen die Kursbewegungen in homöopathischen Größen aus.

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Nach der Euphorie nach der Fed-Entscheidung hat sich damit wie erwartet Ernüchterung breit gemacht. Die Luft sei raus, beschrieb ein Händler die Stimmungslage am letzten Handelstag der Woche . Am Vortag hatte die Aussicht auf anhaltend hoch dosierte Geldspritzen der US-Notenbank Fed den Dax bis auf ein Allzeithoch von 8770,10 Punkten getrieben. Die Fed hatte den Ausstieg aus der Ära des billigen Geldes am Mittwoch überraschend aufgeschoben. Ökonomen und Analysten beobachten die anhaltende Geldschwemme mit gemischten Gefühlen.

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Als nächstes steht nun eine Richtungsentscheidung aus der einflussreichsten Volkswirtschaft der Eurozone bevor: Die Bundestagswahl am Sonntag war auch ein Hemmschuh für weiter steigende Kurse. In einer aktuellen Umfrage deuten die Ergebnisse auf eine hauchdünne Mehrheit für die Regierungskoalition aus CDU und FDP hin, der Ausgang gilt aber als offen. Die Karten könnten am deutschen Aktienmarkt am Montag wieder neu gemischt werden.

Auf Unternehmensseite bewegten vor allem negative Nachrichten die Kurse. Unter Druck standen die Aktien von Adidas und RWE. Die Aktien von Adidas büßten knapp 3,0 Prozent ein, nachdem der Sportartikelhersteller erneut seine Jahresziele gesenkt hatte. Ein Börsianer sprach in einer ersten Einschätzung von einem Vertrauensverlust. Beim Versorger RWE sorgte die Dividendenhalbierung für Kursverluste von 3,9 Prozent und den letzten Platz im Dax.

Den Aktien der Deutschen Börse half eine Kaufempfehlung der Bank of America/Merrill Lynch auf die beine. Die Anteilsscheine des Börsenbetreibers gewannen 0,8 Prozent.

Am Abend standen die großen Index-Veränderungen im Blick: Deutsche Post ersetzten ArcelorMittal im Euro-Stoxx-50, dem wichtigsten Index der Eurozone. Die Aktien der Post stiegen um 5,2 Prozent.

In den MDax treten dann Osram, RTL und Evonik ein, herausgenommen werden SGL Carbon, Puma und BayWa. Im Dax nimmt das Index-Gewicht von Continental zu, Siemens verliert dagegen leicht an Einfluss auf den wichtigsten deutschen Index.

Bei den Aktien von RTL hielt die jüngste Konsolidierung unter 75 Euro nach der Kursschwäche vom Vortag erwartungsgemäß an. Knapp über 72 Euro kämen stets Käufer an den Markt, sagte ein Händler, hier sei der Kurs gut unterstützt. Die Titel notierten am Ende 1,6 Prozent höher bei 73,80 Euro.

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Quelle: n-tv.de

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