Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

200-Punkte-Minus: Konjunkturängste ziehen Dax in die Tiefe

Der Ölpreisverfall sorgt nun auch für Zweifel hinsichtlich der Weltwirtschaft. Der deutsche Leitindex verliert in nur einer Woche mehr als 400 Punkte. Es ist der größte Verlust seit drei Jahren. Zum Wochenschluss gibt es einen regelrechten Abverkauf.

Belastet von einem größer werdenden Sorgenpakt und schwachen US-Börsen ist der deutsche Aktienmarkt zum Ende der Handelswoche regelrecht eingebrochen. Der Dax sackte um 2,7 Prozent auf 9595 Punkte ab. Es war der größte Tagesverlust seit zwei Monaten. Im Handelsverlauf rauschte das Börsenbarometer um mehr als 200 Punkte in die Tiefe. Anleger hatten vor einem Fall unter die 9800er Marke gewarnt und Abwärtspotenzial von bis zu 200 Punkte gesehen. Das hat sich nun bewahrheitet. Der MDax verlor 1,7 Prozent auf 16.374 Stellen. Der TecDax sank um 1,5 Prozent auf 1331 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 brach um 3,0 Prozent auf 3065 Punkte.

Zu Wochenbeginn hatte der Leitindex noch klar über der Marke von 10.000 Punkten gelegen. Zum Ende der Vorwoche hatte das Börsenbarometer sogar noch eine neue Bestmarke bei 10.093 Punkten erklommen. Nun aber steht mit Minus 4,9 Prozent der größte Wochenverlust seit mehr als drei Jahren zu Buche.

Marktanalyst Gregor Kuhn vom Broker IG sieht eine "ganze Palette" von Belastungsfaktoren: Die Anleger sorgten sich angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Griechenland um eine Rückkehr der Krise in dem Land. Hinzu komme die Talfahrt der Ölpreise. Die Nachfrageschwäche nach dem Rohstoff weckt mittlerweile Bedenken in puncto Wirtschaftswachstum.

Inflation bleibt gering

Wenig Neues lieferten die Konjunkturdaten aus der Eurozone. Die Industrieproduktion lag etwas unterhalb der Prognosen. Inflationsdaten aus Italien und Spanien zeigten, dass die Preisentwicklung weiter gedämpft bleibt. China meldet eine ebenfalls unter den Erwartung liegende Industrieproduktion. Auch aus China gibt es keinen Rückenwind: Die Industrieproduktion des Landes hat im November mit einem Wachstum von 7,2 Prozent die Konsensprognose von Volkswirten von 7,5 Prozent unterboten.

Im Dax schlossen alle Werte mit deutlichen Abgaben. Dabei standen BASF nach einer Abstufung durch Morgan Stanley ganz oben auf den Verkaufslisten und verloren 4,5 Prozent. "Wie die Vergangenheit zeigt, ist ein fallender Ölpreis schlecht für die Ergebnisentwicklung und Aktienperformance im Sektor", hieß es zur Begründung. Zudem werde der geplante Anteilstausch mit dem russischen Gasriesen Gazprom zu Umsatzeinbußen im Öl- und Gasgeschäft führen, sagten die Analysten voraus.

RWE verbilligten sich um 3,7 Prozent. Der unter Druck stehende Energiekonzern ändert die Berechnung seiner Dividende. Die Ausschüttung werde sich ab dem Geschäftsjahr 2015 nicht mehr allein an dem nachhaltigen Nettoergebnis orientieren, hieß es. Vielmehr sollte sich die Berechnung auch an den operativen Mittelzuflüssen, der Verschuldung und der Ertragslage orientieren. Einen konkreten Wert nannte der Konzern nicht. Er wollte sich auch nicht auf eine Mindestdividende festlegen. Die Papiere des Konkurrenten Eon sanken um 3,2 Prozent.

Commerzbank fielen um 2,6 Prozent zurück. Hier belastet Strafzahlung in Höhe von einer Milliarde US-Dollar in den USA wegen Geldwäschevorwürfen und Verletzung von Sanktionen. Allerdings gab ein Händler zu bedenken, dass, sollte mit einer Strafzahlung "endlich die Kuh vom Eis sein", Anleger erleichtert und die Papiere entsprechend positiv reagieren könnten.

In der zweiten Reihe sanken Hugo Boss um 4,5 Prozent. Der Großaktionär Permira steigt weiter nach und nach aus dem Unternehmen aus und platziert dazu 4,9 Millionen Aktien. Klöckner + Co verbilligten sich um 2,0 Prozent. Salzgitter fielen sogar um 2,5 Prozent. Grund sind die schwachen Daten aus China. Airbus verbilligten sich nach den deutlichen Rücksetzern der beiden vergangenen Tage um weitere 1,6 Prozent.

Gegen den Trend gewannen Wacker Chemie 2,0 Prozent. Aurubis verteuerten sich um 1,6 Prozent. Der Konzern hat für das Schlussquartal die Schätzungen recht deutlich übertroffen. Sowohl der Umsatz als auch das operatives Ergebnis (Ebit) hätten besser abgeschnitten als erwartet, sagt ein Händler. Zwar hat der Kupferverarbeiter überraschend die Dividende um fast zehn Prozent gesenkt. Händler erklären das Kursplus aber damit, dass das Unternehmen nicht als klassischer Dividendentitel betrachtet werde.

Im TecDax verloren Nordex 4,8 prozent. Rib Software sanken um 3,1 Prozent. Im SDax machen Anleger bei CAT Oil nach dem satten Plus vom Vortag Kasse und schickten das Papier 1,7 Prozent zurück. größter Verlierer im Kleinwerte-Index waren mit einem Minus von 5,6 Prozent SGL Carbon.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen