Wirtschaft
Sieh mal, guck mal, schau. Nicht allen ist am Aschermittwoch zum Heulen zumute.
Sieh mal, guck mal, schau. Nicht allen ist am Aschermittwoch zum Heulen zumute.(Foto: REUTERS)

MDax über 13.000 Punkte: Konjunkturdaten stützen Dax

Überraschend solide Konjunkturzahlen aus der Eurozone hieven den Dax erstmals seit sechs Börsentagen wieder über die 7700er Marke. Der MDax der mittelgroßen Titel steigt sogar erstmals in der Börsengeschichte über 13.000 Punkte.

Gute Konjunkturdaten haben am deutschen Aktienmarkt am Aschermittwoch für Auftrieb gesorgt.

Der deutsche Leitindex Dax erreichte nach einem verhaltenen Start sein Tageshoch bei rund 7737 Punkten. Bis zum Handelsschluss bröckelten die Gewinne aber ein wenig auf letztendlich plus 0,67 Prozent bei 7711,89 Punkten ab.

Die Industrieproduktion in der Eurozone ist im Dezember um 0,7 Prozent gestiegen. Volkswirte hatten lediglich mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Der überraschend starke Anstieg habe die Zuversicht der Anleger gestärkt, sagte Marktstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital. Gestützt wurde der Markt dabei von konjunktursensiblen Titeln. Neben Autotiteln stiegen vor allem die Werte von BASF, Heidelbergcement, Lanxess, Lufthansa und Siemens überdurchschnittlich.

Als Stütze für den Markt erwiesen sich auch die jüngsten US-Daten. Trotz der zum Jahreswechsel wirksam gewordenen Steuererhöhungen blieben bei den wichtigen Einzelhandelsumsätzen im Januar böse Überraschungen aus.

Eine besondere Bedeutung wollten Händler der Aufwärtsbewegung des deutschen Aktienmarktes aber nicht beimessen. Dafür mangelte es ihnen zu sehr an fundamentalen Nachrichten. Unterstrichen wurde dies durch die sehr dünnen Umsätze.

Viel Musik gab es in der zweiten Reihe: Der MDax überwand erstmals die Marke von 13.000 Punkten und stieg um 1,71 Prozent auf 13 003,14 Punkte. Für den TecDax ging es um 1,20 Prozent auf 901,61 Punkte nach oben. Hier half in erster Linie ein Kurssprung bei den Aktien von SMA Solar und Solarworld.

Investoren vertrauen Italien

Die anfängliche Zurückhaltung am deutschen Aktienmarkt ging aufs Konto einer Auktion italienischer Staatsanleihen am Vormittag. Trotz der Sorge vor unklaren Machtverhältnissen nach den in knapp zwei Wochen anstehenden Wahlen in Italien hielten die Investoren dem Land die Stange. Der klamme Staat platzierte erstmals seit fast zwei Jahren wieder eine 30-jährige Anleihe. Dabei wurden 888 Millionen Euro zugeteilt. Die Rendite für das bis September 2040 laufende Papier lag bei eher moderaten 5,07 Prozent. Die Nachfrage war fast doppelt so hoch wie das Angebot.

Auch bei einer dreijährigen Anleihe im Volumen von 3,449 Mrd. Euro griffen die Investoren beherzt zu. Dabei wurde eine Rendite von 2,3 Prozent fällig. Mitte Januar waren es bei einer vergleichbaren Auktion allerdings nur 1,85 Prozent gewesen. Darüber hinaus platzierte Italien eine 15-jährige und eine fünfjährige Anleihe ohne Probleme.

Das Land ist damit auf gutem Wege, in dieser Woche rund 18 Prozent seines für das gesamte Jahr geplanten Emissionsvolumens abzudecken.  Gewählt wird am 24. und 25. Februar. Die Mitte-Links-Allianz von Pier Luigi Bersani liegt in Umfragen vorn. Allerdings befürchten Investoren, dass ein starkes Abschneiden des Bündnisses um Ex-Regierungschefs Silvio Berlusconi die Umsetzung von Strukturreformen erschweren könnte.

Für Frankreich wird es "schwierig"

Beunruhigende Nachrichten kamen derweil aus Frankreich: Die zweitgrößte Volkswirtschaft in Europa scheint das Ziel der Neuverschuldung von drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu verfehlen. Nachdem am Vortag bereits der französische Rechnungshof Zweifel am Erreichen des Defizitziels angemeldet hatte, äußerte sich auch der französische Haushaltsminister zum Thema und goss dabei noch einmal Öl ins Feuer. Das schleppende Wirtschaftswachstum nicht nur in Frankreich, sondern im Euroraum und der Welt insgesamt hätten die Wahrscheinlichkeit sinken lassen, dass der geplante Defizitabbau erreicht werde, sagte Jerome Cahuzac in einem Interview mit dem Sender France Inter. "Es wird tatsächlich schwierig."

Bei den Einzeltiteln legten Bayer 0,3 Prozent zu. Das Unternehmen kann auf eine schnelle Zulassung seines Prostata-Krebsmittels Alpharadin in den USA hoffen.

Einen schlechten Tag bereiteten den Titeln der Deutschen Bank und der Commerzbank die miserablen Ergebnisse von ING und Société Générale. Sowohl die niederländische als auch die französische Bank ließen deutlich Federn in der europäischen Schuldenkrise. Die deutschen Bankentitel gehörten zu den wenigen Verlierern im Dax. Deutsche Bank verloren 0,5, Commerzbank sogar 0,9 Prozent.

Leighton gibt Hochtief Auftrieb

Im Fokus standen ansonsten die Aktien einiger Unternehmen aus dem MDax und TecDax. So half ein optimistischer Ausblick der australischen Tochter Leighton den Aktien von Hochtief zu einem Plus von 6,6 Prozent. Die Titel der Tochter waren an der Börse Sydney schon um 11,2 Prozent gestiegen.

TUI verloren dagegen knapp 1,0 Prozent. Europas größter Reisekonzern hat im ersten Quartal trotz leicht höherer Umsätze mehr Geld verloren als im Vorjahr. Ein schwacher Jahresauftakt bei der Tochter TUI Travel und erneut rote Zahlen bei der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd drückten den Konzern in die Verlustzone.

Die Hoffnung auf schwarze Zahlen sorgt wiederum bei den im TecDax gelisteten Aktien von SMA Solar für ein Kursplus von knapp 10,0 Prozent. Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon hatte in einem Interview mit dem "Handelsblatt" ein positives Ergebnis in Aussicht gestellt.

Quelle: n-tv.de

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